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Der höchste für jeden erreichbare Punkt im Salzburger Land: Top of Salzburg auf 3.029 Metern. © Kitzsteinhorn

Zell am See-Kaprun: Vom Eis in den See

Zwei absolut konträre Welten auf einem kleinen Flecken Erde: Vom ewigen Eis des Kitzsteinhorns rein in den Zellersee ist es nicht viel mehr als ein Katzensprung.

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, auf alle Fälle im Salzburger Land. Denn hier trifft der ewige Winter am eisigen Gletscher auf einen Sommer, wie er sein soll, nämlich auf einen beschaulichen See mit südlichem Flair. Das wenige Kilometer voneinander entfernte Kaprun und Zell am See bieten eine Erlebnisvielfalt an, die für unser Land einzigartig ist.  

Starten wir unsere Reise zuerst am Berg. Matthias Lehnert wartet schon in der Talstation der Kapruner Maiskogelbahn.Der deutsche Naturexperte hat hier als Guide im Nationalpark Hohe Tauern eine neue Heimat gefunden. Behängt mit Kamera, Stativ, Fernrohr und Fernglas erkennt man in ihm dank seines Equipments schon von Weitem den Ranger. Er lädt zu einer Tour hinauf auf den Berg und durch vier Klimazonen.  

Bergauf bis in die Arktis

„Am Ausgangspunkt herrscht noch das in Österreich weit verbreitete gemäßigte Klima“, erzählt Matthias. Doch beim nächsten Seilbahn-Stopp auf einer Höhe von 1.570 Metern tauchen wir schon ein in das winterkalte Klima wie im süd­lichen Skandinavien, mit Nadelbäumen wie Fichte, Lärche oder Zirbe. Am Gipfelhorizont erkennt der Bergfan schon den majestätischen Großglockner. Wieder geht es rein in die Gondel Richtung Kitzsteinhorn-Gipfel, um beim nächsten Ausstieg auf rund 2.000 Metern durch baumfreie Tundra zu wandern, die man eigentlich aus dem hohen Norden Skandinaviens kennt. 

Hier ist die Welt der putzigen Murmeltiere. Wer ihr emsiges Treiben beobachtet, glaubt nicht, dass sie von Oktober bis April durchschlafen. „Da fahren sie ihren Herzschlag und die Atmung extrem herunter“, weiß Matthias. Ihre Körpertemperatur beträgt dann nur mehr 1,6 Grad. 

Der größte Feind der Murmeltiere ist der Steinadler, ein weiterer Vertreter der „Big Five“ der Alpen (siehe unten), der sich mit 100 km/h aus den Lüften auf sie stürzt.

Plötzlich schaut Matthias in den wolkenverzierten blauen Himmel, holt sein Fernglas vor die Augen und schreit begeistert: „Mensch, das gibt’s ja nicht!“ Es ist ein überaus seltener Bartgeier, einer von nur acht in ganz Österreich, und fünf davon
leben hier im Natioalpark. Der Bartgeier, im Volksmund Lämmergeier genannt, war vor hundert Jahren in den Alpen komplett ausgerottet und wurde vor rund 35 Jahren wieder ausgesetzt. Matthias erzählt, dass Bartgeier als Aasfresser eine abgestürzte Kuh in drei bis vier Wochen komplett auffressen können. Da bleibt nichts mehr über.

Neues leben für die Tierwelt

Übrigens hatte man auch dem Steinbock früher fast den Garaus gemacht, weil der Aberglaube seinem Horn magische ­Wirkung zuschrieb, unter anderem als Potenzmittel. Bergsteiger haben auch sein Blut getrunken, weil sie sich davon mehr Kraft versprochen haben. Um das Jahr 1900 gab es nur mehr einen kümmer­lichen Rest von rund 100 Stück, die dann jedoch weitergezüchtet wurden. Mit ­Erfolg: „Heute gibt es in den Alpen rund 40.000 Steinböcke und hier bei uns
1.100 Exemplare“, sagt Matthias ganz stolz.

Bevor wir wieder weiter den Berg hinauffahren, warnt er noch vor dem Tauern-Eisenhut am Wegesrand. Die giftigste Pflanze der Alpen nennt man auch ­Ehemannmörder, der Grund dafür ist einleuchtend: Die wunderschön lila ­blühende Pflanze ist nämlich schon in ­geringsten Mengen ­tödlich – und das Gift baut sich im ­Körper sehr schnell ab.

Kitzsteinhorn: Ziel erreicht

Lieber Finger weg, und so erreichen wir lebend den letzten Zwischenstopp auf 2.450 Metern Höhe – das Hochgebirge, wo nur wenige Wochen im Jahr Sommer herrscht. Von den warmen Temperaturen des Tales sind wir schon weit entfernt. Haube auf und Jacke zu, so sind wir für das kalte Finale gerüstet, für die Bergstation der Kitzsteinhornbahn auf mehr als 3.000 Metern Seehöhe. Hier herrscht arktisches Klima, ewiges Eis und eine Jahresdurchschnittstemperatur von null Grad. Unter uns ziehen bis in den Frühsommer Lifte Skifahrer den Berg hinauf. Zum Abschied meint Matthias, von Herzen Umweltschützer, noch mahnend: „Schaut euch den Gletscher gut an, in zwanzig Jahren gibt es ihn nicht mehr ...“ Apropos Klimawandel: Ich brauche mittlerweile eine Erwärmung, will nach dem Ausflug in die Kälte wieder den Sommer spüren und freue mich jetzt auf Zell am See. 

Sommerfrische aus Tradition

Die 10.000-Seelen-Stadt im Pinzgau kann auf eine lange Geschichte als Sommerfrische zurückblicken. Den Beginn der touristischen Entdeckung der Region machte die 1875 eröffnete Salzburg-Tiroler-Eisenbahn von der Mozartstadt nach Wörgl, entlang des Zeller Sees. Sogar das Kaiserhaus war hier zu Gast, aber dazu kommen wir ein wenig später. Aktuell dachte man bis vor Kurzem bei Zell am See vor allem an viele Gäste aus dem arabischen Raum. Der Grund für die Beliebtheit der Gegend ist folgender: Im ­Koran wird nämlich das Paradies mit Eis und einem See ­beschrieben. Dies alles und noch viel mehr findet man hier: mit Gletscher und Zeller See sowie der Sigmund-Thun-Klamm, in die sich die Kapruner Ache eingeschnitten hat, bis zu den ­imposanten Hochgebirgsstauseen. Wasser ist also allgegenwärtig.

In Zeiten wie diesen entdecken aber vor allem die Österreicher selbst (wieder) den glasklaren und fischreichen Zeller See, der mit seiner Trinkwasserqualität zu den reinsten Badeseen in ­Europa zählt. Wassersport wird in den drei Strandbädern großgeschrieben, wie etwa im Beachclub in ­Thumersbach neben dem Park. Und als Highlight gilt drei Mal die Woche der spätabendliche Seezauber mit Wasserfontänen, Feuerwerk und einer Musikshow. 

Wem nach dem klassischen Sommervergnügen am Wasser wieder nach einen Tapetenwechsel ist, der wandert einfach von Zell am See hinauf auf die Schmittenhöhe, den Zeller Hausberg. Von knapp 2.000 Metern Seehöhe genießt man eine wunderbare Aussicht auf den im Sonnenlicht glitzernden Zeller See. Wer den Blick schweifen lässt, erfreut sich an einem 360-Grad-Bergpanorama mit mehr als 30 Dreitausendern. Hier wandelt man auf historischen Pfaden. 1873 wurde die Schmittenhöhe mit ­einem ersten Wanderweg und einer Schutzhütte erschlossen, aus­gerechnet von einem Rittergutsbesitzer aus Schlesien. Zwölf Jahre später, am 9. August, machte sich die Kaiserin Elisabeth um ein Uhr nachts mit einem Führer auf den Weg hinauf, um den Sonnenaufgang von oben zu erleben. Das Wagerl, mit ­denen damals Ehrengäste normalerweise bergauf gezogen wurden, ließ sie als begeisterte Bergsteigerin links liegen. Hut ab vor ihrer Leistung: In zwei Stunden und 16 Minuten hatte Sisi ihr Ziel erreicht.

Noch heute erinnert man sich an diese kaiserliche Expedition, so wurden eine Kapelle und der Panoramapfad nach ihr benannt, und den schönsten Ausblick hat man natürlich vom Sisi-und-Franzl-Platzl, wo man sich an farbenprächtig blühenden Almwiesen erfreut, untermalt vom Bimmeln der Kuhglocken.

Übrigens kann man auch mit einem Porsche rauf auf die ­Schmittenhöhe oder runter ins Tal. Wie das geht? Mit einer der stylischen Gondeln des weltweit erfolgreichen Porsche Design Studios, das dank der Liebe des Gründers Ferdinand Alexander Porsche zu Zell am See hier seinen Hauptsitz hat.