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Wunderschöne Seenlandschaft: Mattsee, Obertrumer See, Grabensee. © Salzburger Seenland Tourismus/H.Ziller

Sanftes Seenland

Nur wenige Kilometer vor der Festspielstadt Salzburg liegen die Trumer Seen. Hier gibt es viel zu entdecken – nur kein Remmidemmi. 

Pst, nicht weitersagen: Im nördlichsten Zipfel des Bundeslands Salzburg befindet sich eine ­Gegend, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Trumer Seen heißt dieses beschauliche Fleckchen Erde. Eingebettet in wogende Wiesen, weite Felder und dichte Wälder, finden sich drei liebliche Gewässer namens Mattsee, Obertrumer See und Grabensee. Allesamt sind sie makellos sauber, relativ seicht und daher auch im Herbst noch angenehm warm. Und weil sie unter Naturschutz stehen, sind Motorboote nicht erlaubt und große Hotels nicht erwünscht. So ist die Gegend auf angenehme Weise altmodisch geblieben. Denn von lärmigen Events, freizeitlichem Schnickschnack oder hochpreisigem Schickimicki-Getue hält man hier reichlich wenig. Nightlife? Lieber früh schlafen gehen und dafür ­untertags viel entdecken.

Ruhige Buchten 

Den Trumer Seen nähert man sich am besten von oben. Zahlreiche Wege führen auf und um den Buchberg, den man mit seinen bunten Blumenwiesen und dunklen Wäldern im Jahre 2009 unter Naturschutz gestellt hat. Der Buchberg ist ein wunderbarer Aussichtsberg: Richtung Süden überblickt man von hier oben das Alpenvorland bis zu den schroffen Kalkalpen der Tauern. Gen Norden und Westen schweift der Blick über die drei meist spiegelglatten, dunkelgrünen Trumer Seen, an die sich die Orte Mattsee, Obertrum und Seeham schmiegen. 

Nur wenn der Wind dreht und von Osten her hohe Wellen über das Wasser treibt, dann pflügen sich bunte Segelboote und Kitesurfer durch den Mattsee, der nun in Türkis-Schattierungen leuchtet. Hauptort des sanft-welligen Hügellands ist Mattsee, das wie hingemalt auf einer schmalen Landzunge zwischen Mattsee und Obertrumer See ruht. An allen Enden des Orts finden sich Buchten, in denen es sich planschen lässt, sowie breite Schilfgürtel, die Bläßhuhn, Haubentaucher und Kiebitz als Rückzugsort dienen. Und so verwundert es nicht, dass manch einer Mattsee gar für das allerschönste Plätzchen im ganzen Flachgau hält. 

Bayerische Geschichte

Schon die Bajuwaren fanden die Gegend so reizvoll, dass sie sich hier im frühen Mittelalter niederließen. Um das Jahr 765 gründete Bayern-Herzog Tassilo III. in Mattsee ein Benediktinerkloster, das ab 1045 ein Kollegiatstift wurde und bis heute besteht. Damit handelt es sich um die älteste noch bestehende Weltpriestergemeinschaft Österreichs. In der Wachau besitzt das Stift ein eigenes neuneinhalb Hektar großes Weingut, das jährlich 8.000 bis 10.000 Liter Wein hervorbringt. Im barocken Innenhof des Mattseer Stiftskellers wird dieser Wein abends zur gegrillten Reinanke serviert, die morgens noch im See schwamm. 

Wertvoller Kronschatz

Von Stift und Stiftskeller sind es wenige Schritte hinüber zum Ungarn-Denkmal, das an eine bewegte Zeit erinnert. Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich die ­Regierung Ungarns auf der Flucht vor den heranrückenden Russen mit dem Kronschatz nach Österreich ab und erreichte im April 1945 Mattsee. Die wertvollsten Besitztümer des ungarischen Nationalstolzes, Stephanskrone, Szepter und Reichs­apfel, vergrub man am Fuße eines Hügels in einem aufgeschnittenen Benzinfass. Nach Ankunft der amerikanischen Truppen wurde diesen der Kronschatz übergeben; erst 1978 traten die USA die prunkvollen Stücke wieder an Ungarn ab. Vom Ungarn-Denkmal geht’s zur Weyerbucht, in der bunte Segelschiffe schunkeln, und dann hinauf auf den Schlossberg, wo das Schloss Mattsee seit dem Mittelalter wie ein Sporn in den See hinausragt. 

Im Sommer werden im Schlosshof unter freiem Himmel Theaterstücke aufgeführt. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf das in den 1920er-Jahren errichtete Strandbad. Das Bad ist eines der schönsten in ganz Österreich und steht unter Denkmalschutz. Spaziert man die Seepromenade entlang, stößt man auf die Segelschule und den Bootsverleih von Hermann Steiner. Seit 120 Jahren baut die Familie Steiner am Ufer des Mattsees das Salzburger Segelboot schlechthin: den Lateiner, benannt nach der speziellen Segelform, die einst auf römischen Mittelmeerschiffen eingesetzt wurde. „Konstruktionspläne gibt es keine, gebaut wird nach mündlicher Überlieferung“, erzählt Hermann Steiner. 

Schöne Strandbäder

In seiner Werft entstand auch die „Seenland“, das einzige Ausflugsschiff Österreichs, das zwei Seen, den Mattsee und den Obertrumer See, befährt. Bei der Durchfahrt unter der Johannisbrücke, welche die beiden Seen miteinander ­verbindet, wird das Dach des Schiffs ­hy­draulisch gesenkt. So gleitet die „Seenland“ unten hindurch und nimmt Kurs auf Seeham.

Im Strandbad von Seeham schwimmt man im Obertrumer See. Er ist der drittgrößte See Salzburgs (nach Wolfgangsee und Wallersee). Unmittelbar neben dem Strandbad befindet sich die 1997 errichtete Seebühne Seeham, die jährlich 10.000 Besucher zu Kabarett, Konzert und Theater in den Ort lockt. 

Höchste Öko-Note

Dritter Ort auf der „Seenland“-Bootstour ist Obertrum – vor allem Biergenießern ein Begriff. Hier befindet sich seit 1601 die kleine Privatbrauerei Trumer, in der Bier noch offen vergärt wird. Dabei werden die geschmacksschädlichen Gerb- und Bitterstoffe aus dem Bier entfernt. Diese Methode ist arbeits- und kostenintensiv und wird nur noch in wenigen Brauereien angewandt. Zu besonderen Anlässen wird im Brunnen am Dorfplatz das Wasser abgeschaltet und stattdessen das ortseigene Bier gezapft. Prost!

Der Grabensee, der kleinste und ruhigste der drei Trumer Seen, ist ein unverbauter Moorsee. 2020 bekam er von heimischen Umweltverbänden die Öko-Bestnote. Aus Naturschutzgründen sind selbst Segler, Surfer und Elektroboote nicht erlaubt. Dafür kann man ihn wunderbar umwandern und umradeln. 

Die Trumer Seen Rad-Route führt vorbei an Mattsee, Obertrumer See und Grabensee. Wer die 28 Kilometer in einem Schwung durchradelt, verpasst allerdings einiges: fünf Wiegeliegen, in denen man die Seele baumeln lassen kann; schattige Gastgärten im Zentrum von Obertrum und Seeham, die mit kühlen Erfrischungen locken; den Teufelsgraben in Seeham, eine wildromantische Schlucht, durch die ein Natur- und Erlebnispfad zum Wildkarwasserfall führt; oder den spätgotischen Flügelaltar in der Kirche von Gebertsham. Die Radtour endet mit einem Sprung ins Wasser. Der Spätsommer breitet einen warmen Mantel über den Trumer Seen aus. Die Füße baumeln im See, Grillen zirpen, kleine Schiffe schaukeln im Takt der Wellen. Noch einmal tief einatmen. Und wiederkommen.

Mehr Infos: www.salzburger-seenland.at 

GUTE TIPPS: Trumer Seen

 

Erlebnismuseum fahr(T)raum 

Alles dreht sich um Ferdinand Porsche, den österreichischen Automobilkonstrukteur. Technik zum Angreifen, interaktive Stationen (z. B. Fahrsimulator). Ausfahrten mit Oldtimern. Mattsee, Passauerstraße 30, www.fahrtraum.at 

Trumer Privatbrauerei

Vielfach ausgezeichnete Biere. Führungen, Biersommelier-Kurse. Besucher können unter Anleitung eigenes Bier brauen. Obertrum, Brauhausgasse 2, www.trumer.at 

Hochseilpark Seeham 

Sieben Parcours auf fünf Ebenen in Höhen von zwei bis 35 Meter. Teufelsgraben Seeham, www.hochseilpark.at 

Schlosscafé

Vorzüglich: Frühstück und Brunch mit tollem Blick auf den Mattsee. Mattsee, Schlossberg 1, www.schloss-cafe.at 

Gasthof Alpenblick

Jause mit Blick auf 120 Gipfel, von Dachstein bis Watzmann. Mattsee, Wallmannsberg 2, www.alpenblick.com 

Stiftskeller

Abendessen im Garten, fangfrischer Fisch und Flammkuchen. Mattsee, Seestraße 2, www.stiftskeller-mattsee.at 

Schlosshotel Iglhauser

Geschichtsträchtigste Art zu nächtigen (und zu speisen) in 800 Jahre alten Gemäuern. Erfrischend junge, haubenge-krönte Küche am Schlossberg. Mattsee, Schlossbergweg 4, www.schlosshotel-igl.at 

Kuschelhotel Seewirt

Direkt an der Seepromenade. Adults-only-Vier-Sterne-Hotel, Indoorpool auf dem Dach. Mattsee, Seestraße 4, www.seewirt-mattsee.at