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Die Hirschbirne wird im Herbst geerntet. © Steiermark Tourismus/Ikarus

Im Land der Hirschbirne

Beschaulich, entschleunigend und genussreich: Der hügelige Naturpark Pöllauer Tal liegt ganz im Trend und ist eine Entdeckung wert.

Ma­nchmal gibt es auch für die nicht so Schönen – anders als in Hollywood – ein Happy End. Wie für die Hirschbirne. Denn es kommt auf die inneren Werte an, und davon hat das traditionsreiche, optisch nicht so attraktive Obst jede Menge. 

Köstliche Wiedergeburt

Fast wäre die Hirschbirne ausgestorben, aber heute dient die lange wenig wertgeschätzte Frucht als Leitstern einer ganzen Region, dem Genussland Pöllauer Tal. Jedes Restaurant in dieser beschaulichen, noch verträumten Gegend und jeder Genussladen, der auf sich und auf die Tradition etwas hält, bietet die g’schmackigen Produkte aus der Hirschbirne an: seien es süße Säfte oder Most, Gelées oder Edelbrände, Liköre oder Dörrobst. 

Der Naturpark Pöllau hat sich unter Genießern mittlerweile einen Namen gemacht, sogar unter Feinspitzen. So bezeichnet Genussjournalist Alexander Rabl die Gegend als „Silicon Valley des Geschmacks“. Während sich heute Gäste vielen qualitätsbewussten Produzenten und Gastronomen erfreuen dürfen, waren es früher wenige Visionäre, die diesen Aufschwung ausgelöst haben. Zum Beispiel Ulli Retter.  

Ein grosses Herz für Bio

Eigentlich ist sie erfolgreiche Hotelière: Das Bio-Natur-Resort der Familie Retter zwischen Pöllau und Pöllauberg zählt zu den bekanntesten Seminarhotels des Landes. Mindestens genauso stark schlägt Ulli Retters Herz aber für Ökologie und Nachhaltigkeit, nicht aus neumodischem Trend, sondern aus Überzeugung. Die Gastgeberin und Landwirtin setzt in der seit 1992 biozertifizierten Retter-Landwirtschaft auf Vielfalt. Seit 30 Jahren ist das Resort von Quitten-, Apfel- und Birnenplantagen umgeben. Alte, vom Aussterben bedrohte Streuobstsorten wurden in einem Garten der Vielfalt angelegt, der von Shropshire-Schafen gemäht wird, dazu auch eine große Hirschbirnbaum-Wiese.

Das Epizentrum dieser naturnahen Landwirtschaft ist das Biogut Retter, hundert Meter vom Resort hügelaufwärts. Täglich wird hier in der Backstube das gesamte Brot und Gebäck aus Mehlen des Pöllauer Tals frisch gebacken, in der Eiserei mit den hauseigenen Früchten cremiges Eis hergestellt und in der Kräuterei Tees und Kräutersalze produziert. In liebevoller Handarbeit wird aus den Früchten feinste Marmeladen, Gelees, Quittenkäse, Säfte und Edelbrände.    

Mit der Seele baumeln 

„Wir sind zu 100 Prozent bio und nachhaltig und wirtschaften klimaneutral“, erklärt Ulli Retter stolz. Vor 28 Jahren stellte man die Landwirtschaft auf Bio um. „Dann hatten wir den Traum, auch das Hotel komplett  auf Bio umzustellen“, erzählt die umtriebige Hotelchefin. Gesagt, getan. Das tut nicht nur dem guten Gewissen ihrer Hotel- und Restaurantgäste gut: „Mit dem entschleunigten Essen sind auch sie entschleunigt.“ 

Diese Ruhe, diese Gelassenheit pflegt man im Resort Retter vielerorts, wo man mit der Seele baumeln kann. Sei es in der weitläufigen Wellnessoase des Bio-Natur-Resorts oder im Outdoorpool schwimmend, mit Blick auf eine Streuobstwiese, wo sich gerade Hauskater Moritz auf sanften Pfoten auf Mausjagd begibt.

Seinen Aktivitätsschub nehme ich mir zum Vorbild, um vorbei an Retterschen Obsthainen zu wandern, wo Schafe zwischen den Bäumen grasen. Dank der Gunst der Topografie geht es bergab, schon von Weitem sieht man die Pöllauer Stiftskirche, das Schloss und den Park. Wer eintritt in diesen historischen Markt, spürt sofort den Wohlstand früherer Generationen, die vor allem der Handel reicht gemacht hat. Den Hauptplatz umgeben prächtige Häuser, am Himmel ziehen Schwalben ihre Bahnen und auf dem Schornstein eines Eckhauses thronen vier Störche in ihrem Nest. Während sie mit der Kraft ihrer Schwingen rauf zum Pöllauberg fliegen können, wähle ich lieber ein Rad aus der Pöllauer eBIKE BOX und fahre los zur Marien-Wallfahrts-
kirche. Dort zünde ich mal gleich eine Kerze an – als Dank für die segensreichen Errungenschaften der Freizeittechnik.