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Bärguntalpe © Dietmar Denger

Kleinwalsertal

Majestätische Gipfel, satte Almwiesen und altes Bergbauernland: Das abgeschiedene Vorarlberger Tal ist ein atemberaubendes Kleinod in der paradiesischen Alpenwelt Österreichs. Eine fotografische Erkundung von Dietmar Denger.

Das Kleinwalsertal ist 15 Kilometer lang und im Norden, Osten und Westen komplett von einer über 2.000 Meter hohen Bergkette umschlossen. Die vielleicht schönste Sackgasse der Welt wurde erst im 13. Jahrhundert von fünf aus der Schweiz eingewanderten Walliser Familien besiedelt. Das kleine Naturjuwel gehört zu Österreich, ist jedoch auf dem Straßenweg nur von Deutschland aus, vom bayerischen Oberstdorf, zu erreichen. Ein Kuriosum mit Folgen. 

Paradies für Naturliebhaber

Heute dreht sich im Kleinwalsertal alles um den Tourismus: Mit 1,8 Millionen Nächtigungen im Jahr ist es eine der ­beliebtesten Destinationen Österreichs – die Mehrheit kommt aus Deutschland. Das hat Tradition. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg logierte der deutsche Adel im Kleinwalsertal, um die Sommerfrische standesgemäß zu genießen. Heute stehen im Vorarlberger Tal vor allem Wandern, Klettern und Mountainbiken auf dem Programm. Es bietet 150 Kilometer Wanderwege in drei Klimazonen in einer Höhenlage zwischen 1.000 und 2.536 ­Metern Höhe. Perfekt sowohl für leichte Wanderungen als auch für mehrtägige Bergtouren. Damit genug Kraft für das Hochgebirgserlebnis bleibt, helfen acht Bergbahnen beim Aufstieg. 

Der Hohe Ifen ist  mit seinen 2.230 Metern zusammen mit dem benachbarten Gottesackerplateau, das von Spalten und Höhlen gezeichnet ist, eine markante Erscheinung. Ebenso die Breitachklamm gleich am 

Talanfang. Das wilde Wasser des Gebirgsflusses hat das Gestein bis in eine Tiefe von 150 Metern ausgefräst. Je mehr Wasser hier fließt, umso imposanter ist das Naturerlebnis. Nicht nur eine einmalige Landschaft zeichnet das Kleinwalsertal aus – auch die besonderen Genusswelten. Lokale Spezialitäten sind Wild- und Rindspezialitäten sowie aromatische Käse von der Alm, der bei jeder Einkehr serviert wird.

Dietmar Denger

Der Oberbayer lebt in den Bayerischen Alpen und zählt zu den bekanntsten Reisefotografen Deutschlands. Dietmar Denger bereist die ganze Welt und liebt daran die „Vielseitigkeit, mit Menschen ganz nah vor der Kamera, mit Design, Architektur oder grandiosen Naturlandschaften“. Seine Fotos erscheinen in allen relevanten Magazinen, Zeitungen und Portalen im deutschsprachigen Raum, wie zum Beispiel in „Geo“, „Outdoor“, „Stern“, „Focus“ und „Bergwelten“ oder in „Abenteuer und Reisen“.

Ein Land der Genüsse

Der Koch Jeremias Riezler prüft die großen Laibe im Käsekeller der Stutzalpe oberhalb von Hirschegg. Sein Freund Helmut Schuster und dessen Frau Andrea bewirtschaften die Hütte und stellen besten Alpkäse her. Jeremias Riezler verwendet in seinem Restaurant „Walserstuba“ in Riezlern am Taleingang nur Zutaten aus der nächsten Umgebung. Auf den Teller kommen typische Vorarlberger Gerichte wie Lotschege Chnöpfle (Bettlersuppe), Düürdreids (Tatar), Chalta Brååta vom Gämsch (Kalter Braten von der Gams). Zahlreiche Auszeichnungen durch Restaurant-führer haben ihn auch weit über die Grenzen des Kleinwalsertals hinaus bekannt gemacht. Tradition wird bei ihm groß geschrieben, denn viel Wissen schöpft Jeremias Riezler aus alten Kochbüchern. 

Arbeitsplatz Alm

Die Bärguntalpe ist bereits seit drei Jahrzehnten die Leidenschaft von Wolfgang Ott. Er ist die vierte Generation einer Hirtenfamilie, und sein Sohn Magnus hilft ihm bereits bei der mühe-vollen Arbeit. Das Leben auf der Alpe ist einfach, ohne Fernseher und Internet. Dafür begeistert die Natur. „Wer es bis zu uns geschafft hat, der sollte unbedingt auch den Rest des Wegs bis zum Gipfel des Widdersteins meistern“, empfiehlt Wolfgang Ott. Die Aussicht von dort ist unbeschreiblich. Die Alpe Bärgunt ist eine der ältesten und größten in Vorarlberg.
Auf den Hochweiden grast im Sommer das Vieh. Der Klang der Schellen eilt den Kühen voraus. 

Alpabtrieb: Am 19. September kehren die Rinder wieder zurück ins Tal, nachdem sie sich den ganzen Sommer lang von den saftigen Weiden gut nähren konnten. Auf dem Scheidplatz Riezlern treffen dann über 700 Tiere von vier Alpen zusammen – ein richtiges Volksfest. 

Tipp: Mit der Gästekarte kann man den Walserbus kostenlosnutzen. Das Strecke verbindet das komplette Tal. Ermäßigungen gibt es mit der Gästekarte zum Beispiel auch im Freibad, beim Minigolfen und bei den Bergbahnen.

Blockhaus der Walser

Geschichte mit Migrationshintergrund: Die Walser waren einst Wirtschaftsflüchtlinge und ließen sich im Mittelalter in Bergtälern der Alpen nieder, etwa in Graubünden, im Aostatal und im Kleinwalsertal. Sprache, Tracht und Baustil der Häuser verraten ihr Traditionsbewusstsein. Als Walserhaus bezeichnet man den historischen Blockhaustyp in der Schweiz sowie im Klein- und Großwalsertal. Für den Bau wurden Vierkantbalken aus Lärchenholz verwendet, an den Ecken die Balken verstrickt. Die Fugen dichtete man mit  Moos ab, sodass man die Innenwände nicht vertäfeln musste. Die Sonne verfärbte mit der Zeit die unbehandelten hellen Balken fast schwarz. Foto unten: Dieses alte Walserhaus in Mittelberg wurde 1552 erbaut. Eine Besonderheit ist das mit Steinen beschwerte Schindeldach, das „Schwoardach“.

Wahre Gemütlichkeit

Ob zur Brotzeit, für eine kurze Erfrischungspause oder für ein unterhaltsames Kartenspiel: Die Hütteneinkehr gehört beim Wandern im Kleinwalsertal einfach dazu. Am gemütlichsten ist es im Herrgottswinkel der Stube, dem geistigen Zentrum jedes Hauses. Das Kleinwalsertal ist zwar von hohen Bergen eingekesselt, trotzdem sind die Menschen weltoffen – und ihre Gastfreundschaft weit über die Grenzen bekannt.  

Auf dem Holzweg

Die Kleinwalsertaler setzen seit jeher auf die reichlich vorhandene Ressource Holz. Denn Wald gab es immer schon zu genüge, vor allem Weißtannen und Lärchen. Holz verbreitet nicht nur in den traditionellen Walserhäusern eine Ursprünglichkeit, Behaglichkeit und Wärme, wie in der Enzianstube des Biohotels Walserstuba in Riezlern (Foto links). Holz ist auch bei der vielfach ausgezeichneten modernen Archi-tektur Vorarlbergs das bestimmende Element.