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Die Drachen- und Tiger-Pagoden sind Tempel am Lotussee in Kaohsiung. © Getty Images

Taiwan: Das Herz Asiens

Von grünen Teeplantagen, Sonnenaufgängen am Berggipfel und einer tragischen Liebesgeschichte.

Zwei Wochen Taiwan. Von Norden nach Süden die Westküste entlang. Startpunkt: die Hauptstadt Taipeh. Hier bekommt man als Reisender beim gemütlichen Sightseeing einen ersten Eindruck der asiatischen Kultur. Erstes Highlight: der 101. Benannt nach seinen 101 Stockwerken, ragt der Wolkenkratzer stolze 508 Meter in die Höhe. Aber keine Sorge, das zehnthöchste Gebäude der Welt kann bequem mit dem Lift erklommen werden. Außer Atem kommt man maximal nach der Besichtigung, bei einem Abstecher in Taiwans größtes Einkaufzentrum, das sich am Fuße des Gebäudes befindet.

Taiwanesische Kulinarik

Je nach Gusto besucht man entweder ­eines der hervorragenden Dumpling-­Restaurants oder lässt sich auf einem Streetfood-Markt kulinarisch inspirieren. 

Wer zu Ersterem tendiert, geht ins Din Tai Fung. Das 1958 ursprünglich als Einzelhandelsgeschäft für Speiseöl gegründete Lokal hat sich seit 1972 auf die manuelle Herstellung der taiwanesischen Spezialität „Xiao Long Bao“ fokussiert. „Bao“ bedeutet „etwas Eingepacktes“, „Umhülltes“. Was genau hier auf den Tisch kommt, erlebt man live vor der Showküche mit. Mehrere Köche formen gleichzeitig in atemberaubender Geschwindigkeit die kleinen Teigtaschen. Der Inhalt bleibt bis zum Biss hinein meist eine Überraschung. Die Dumplings sehen sich nämlich sehr ähnlich. 

Rasant geht es auch auf den Streetfood-Märkten zu. Hier wird nicht nur das Fleisch am Grill schnell gewendet. Genauso rasch wechselt die Geruchs- und Geschmackskulisse. Ganz Mutige wagen einen Löffel „Stinky Tofu“-Suppe. Doch Achtung, hier ist der Name Programm! Wer einen weniger robusten Magen hat, greift besser auf geleeartige Würfel aus Kondensmilch zurück. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig, jedoch die weitaus bessere Wahl.

Sonne, Mond und ...

Sterne könnte man meinen. Rund 260 Autokilometer südlich von Taipeh leuchtet einem aber statt der Sterne das türkisblaue Wasser des Sun Moon Lake entgegen. Mit rund acht Quadratkilometern ist er Taiwans größter See. In 760 Metern Höhe am Westhang des Zentralgebirges im Landkreis Nantou gelegen, ist er ein gefragtes Ausflugsziel. Seinen Namen verdankt er den Uferformen, die im Osten der Sonne und im Westen einer Mondsichel ähneln. Ursprünglich diente der See als Wasserkraftwerk, das bis 1960 den gesamten Strombedarf Taiwans abdeckte. Die beste Art, den See und die Umgebung zu erkunden, ist per Fahrrad. Der Radrundweg ist gut ausgebaut und zahlreiche Radverleihe bieten Leihräder an. 

Morgenröte Über den Bergen

Es ist fünf Uhr in der Früh. Eine Gruppe Touristen drängt sich dicht am Bahnsteig einer kleinen Bergbahnstation zusammen. Atemwölkchen sind in der kalten Luft zu ­sehen, als ein klappriger alter Dieselzug langsam die Gleise entlangtuckert und mit einem lauten Knarren zum Stehen kommt. Die Türen gehen auf, schnell steigen die Fahrgäste ein. Eile ist geboten, denn weder der Zugführer noch der Sonnenaufgang, dem alle entgegenstreben, warten. Tief in Zentraltaiwan, im Alishan-Gebirge, bahnt sich die Morgenröte ihren Weg über die Gipfel. Und mit ihr die schmalspurige Waldbahn, die ursprünglich für den Transport von Stämmen der auf dem Gipfel wachsenden roten Zypressen eingesetzt wurde. Sie schlängelt sich in z-förmigen Serpentinen, in Tunneln und über Holzbrücken bis zur Endstation Zhushan.

Der frühe Vogel bekommt in diesem Fall nicht den Wurm, sondern einen Sitzplatz, einen frisch aufgebrühten Kaffee und den unvergesslichen Moment, wenn die Sonne sich über die Spitze des 3.952 Meter hohen Jadebergs schiebt.   

Tea Time mit Oolong

Die Naturregion Alishan erstreckt sich über drei Klimazonen: die tropisch-subtropische Küste der Insel, eine gemäßigte Zone und die Alpenkrone. Die Region ist nicht nur reich an jahrtausendealten Bäumen, sondern auch an fruchtbaren kleineren Gewächsen: den Teebäumen. Sie wachsen in der gemäßigten Zone. Taiwans ist für seinen Oolong-Tee berühmt. „,Oolong‘ ­bedeutet ‚schwarzer Drache‘. Die Legende besagt, dass der Inhaber einer Teeplantage beim Trocknen der Teeblätter von einem schwarzen Drachen verjagt wurde. Als er sich ein paar Tage später zurücktraute, waren die Blätter in der Sonne oxidiert. Mit heißem Wasser aufgegossen, entstand daraus ein wunderbar schmeckendes Getränk“, erzählt Alon Huang, Besitzer der Teefarm „Alishan Win“. Es lohnt sich, den Tee gleich direkt auf der Farm zu verkosten. Man erfährt alles über den Herstellungsprozess und unternimmt einen Streifzug über die Plantage. Back to the roots quasi.  

Mit feinem Faden

Zurück zum Ursprung heißt es auch in der taiwanesischen Handwerkskunst, in der Stickerei „Glory embroidery makes glory“ in Tainan, Taiwans alter Hauptstadt. Der 78 Jahre alte Lin Yuchain betreibt sie gemeinsam mit seiner Tochter. Der Taiwaner übt sein Handwerk auch nach 62 Arbeitsjahren mit Leidenschaft aus. „Ich lehre bis heute junge Leute das Sticken. In Taiwan hat das Tradition. Vor allem Männer wollen diesen Beruf erlernen. Wir fertigen viele Stickereien für ­Altare. Ich sage immer: Ein guter Umgang mit Nadel und Faden kann nie ­schaden“, schmunzelt der Profi. 

Das Flair des Südens

Wussten Sie, dass Taiwan früher „Formosa“ hieß? Diese Bezeichnung stammte von den Portugiesen, als diese im Jahr 1542 eine unbekannte Insel sichteten und auf ihren Karten als „Ilha Formosa“ – schöne Insel – vermerkten. Und schön ist diese Insel wahrlich. Im Süden Taiwans bewegen sich die Temperaturen das ganze Jahr um die 30-Grad-Marke und laden zu Aktivitäten im Freien ein. Zum Abschluss der Reise geht es mit dem Boot über den „Love River“ in Taiwans zweitgrößter Stadt Kaohsiung. Ausblicke auf Grün­anlagen und einladende Straßencafés inklusive. 

Ebenso wie eine Gänsehaut bei der Erzählung des Bootsführers. „Hier ist sozusagen die taiwanesische Version von Romeo und Julia geschehen. Zwei Liebende haben in den Tiefen des Flusses Selbstmord begangen, weil sie nicht zusammen sein durften. Dadurch erhielt der Fluss seinen Namen.“ Im Gedenken an die mächtige Liebe der beiden wurden an den Ufern grüne Oasen geschaffen. Doch nicht nur der Süden, sondern ganz ­Taiwan lädt mit seiner Vielfalt zum ­Verweilen ein.