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Banff ist sowohl bei Skifahrern als auch bei Snowboardern ganz stark im Trend. © Travel Alberta/Mike Seehagel

Kanadas wilder Westen lockt zur Skisafari

Naturschnee, Buckelpisten und Grizzlybären: die Rocky Mountains auf zwei Brettern.

Calgary, umgeben von endlos weiten Prärieebenen an den Ausläufern der Rocky Mountains: Sonne, kein Wind. Die Frisur ist trotzdem im Eimer. Kein Wunder nach neun schlaflosen Stunden im Flugzeug. Beim Aussteigen nagt noch der Neid auf die glückselig schlafenden Mitreisenden an mir. Einziger Trost: Es gelang, den Punkterekord beim bordinternen ­Quizspiel zu brechen. Ja, der Flug war hart. Trotzdem ein breites Lächeln: endlich Kanada, die Heimat von Eishockey und Ahornsirup. 

Ein weites Land

Alleine die Provinz Alberta ist achtmal so groß wie Österreich. Die zwei Stunden von Calgary bis Banff sind für kanadische Verhältnisse ein Katzensprung. Auf der Fahrt zeigt Marcel, unser Guide vom Reiseveranstalter und Kanadaexperten Stumböck, alle Sehenswürdig­keiten, vor allem die Austragungsstätten der Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. Auf die Müdigkeit habe ich angesichts der atemberaubenden Landschaft total vergessen. Zwischen den Bergen erstrecken sich endlose Täler, ringsherum Wälder bis zum Horizont. Dann erreichen wir Banff, eine ­hippe kleine Ortschaft und Zentrum des Banff National Park. 

Die Touristen tummeln sich durch die breiten Straßen, überlaufen ist Banff aber nicht. „Hier in Alberta ist der Winter ­eigentlich die Nebensaison“, sagt Marcel. „Im Sommer kommen Tausende Wanderer, die Berge sind mehr oder weniger voll.“ Klingt sehr gut, schließlich ist nichts schlimmer als überfüllte Skipisten. 

Wir genießen ein Abendessen im Hotel und machen noch einen Abstecher in eines der Pubs. Ein sinnloses Unterfangen – nach einem Bier fallen mir die Augen zu. 

Die Freiheit beim Skifahren

Bei Sonnenaufgang Entwarnung: keine Spur von Müdigkeit, stattdessen jede Menge Tatendrang. Zum Frühstück gibt es Waffeln mit Speck, das Ganze wird in Ahornsirup ertränkt. Köstlich! Der leichte Zuckerschock steigert den Energielevel und ich fahre mit dem Bus Richtung Sunshine Village. Das Skigebiet liegt nur 15 Minuten von Banff entfernt und ist ein Musterbeispiel für all die Dinge, die Skifahren in Kanada ausmachen.

Die Pisten sind breit wie das Land und man darf ­fahren, wo man möchte, außer bei Lawinengefahr. Bei der Fahrt mit dem Sessellift sehen wir einen Vater, der mit seinen etwa achtjährigen Söhnen behände die Liftspur hinunterwedelt. Meine Frage, wie viel Kunstschnee man hier braucht, entlockt unserem Guide nur ein Lächeln. Gar keinen. Sunshine ­Village hat zu 100 Prozent Naturschnee. Im Frühling fährt man hier auf feinstem Pulverschnee, den die Einheimischen gerne „Champagne Powder“ nennen.

Die ideale Skiwahl ist ein extrabreites Brett, mit dem man nicht nur auf der Piste, sondern auch abseits gute Figur macht. Am Anfang ist der Naturschnee gewöhnungsbedürftig, doch nach ein paar Schwüngen kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen. Und: Egal wo ich hinfahre, es herrscht freie Fahrt. Von Warteschlangen ist weit und breit keine Spur und die Skier können nach Herzenslust laufen gelassen werden. Bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen macht das richtig Spaß. Der Tag wird mit einem deftigen Burger und einem kanadischen Craft-Bier beschlossen, morgen geht es ­weiter nach Lake Louise.

Lake Louise ist das bekannteste Skigebiet Albertas, da es Austragungsort von Weltcuprennen ist. Das Skigebiet punktet mit den gleichen Qualitäten wie Sunshine Village. Unser Tag fällt aber leider kürzer aus. Guide Marcel erfährt, dass die Passstraße nach Jasper, unserem nächsten Ziel, nachmittags gesperrt wird. Lawinengefahr. Gut, dass wir ihn dabei haben! 

Nach dem Mittagessen also ab ins Auto und los geht’s. Die Fahrt dauert dreieinhalb Stunden, für kanadische Verhältnisse eine kleine Spritztour. Kaum der Rede wert. Unterwegs halten wir bei Tim Horton’s, einer kanadischen Institution. Die Schnellrestaurant-Kette gibt es an jeder Ecke und sie ist berühmt für ihre Donuts – und das auch zu Recht. 

Der Kojote sagt Gute Nacht

Als wir in Jasper ankommen, ist es später Nachmittag. Direkt neben der Ortstafel steht ein Kojote, der unser Begrüßungs­komitee darstellt. Hier in Alberta ist man an der Natur so nah dran wie in wenigen anderen Regionen. Karibus und Elche am Straßenrand sind auch keine Seltenheit, mehrmals fahren wir an kleinen Herden vorbei. Jasper ist etwas kleiner als Banff, punktet aber mit vielen tollen Restaurants und Pubs. In einem davon wird noch schnell angestoßen, gedanklich bin ich aber schon auf der Piste.

Buckelpisten-Paradies

Am nächsten Morgen fahren wir ins Skigebiet Marmot Basin. Das Areal ist nur halb so groß wie Sunshine Village, überzeugt aber mit anspruchsvollen Pisten. Vor allem die Tres Hombres, auf Deutsch „Drei Männer“, bleiben in ­Erinnerung. Eine der vielen fantastischen Buckelpisten mit sehr steilem Gefälle und einer engen Ausfahrt durch den Wald, bei der das Herz schneller schlägt. Apropos Natur: Der Liftwart erzählt, dass sich im Frühjahr schon einmal ein frisch erwachter Grizzly auf die Piste verirren kann. 

Ein Mini-Tirol in Kanda

Die letzte Station der winterlichen Skisafari ist Sun Peaks. Damit verlassen wir Alberta und betreten die Provinz British Columbia. Die Ortschaft ist eindeutig von den legendären Skiorten der Alpen inspiriert und erinnert optisch stark an Tirol oder Südtirol. 

Sun Peaks ist ein junges Skigebiet, um das sich eine Ortschaft und Gemeinschaft gebildet hat. Nach und nach entstanden Kindergärten, Schulen und heute ist der Ort eine glückliche Ski- und Wandergemeinde, die vom Tourismus lebt. Hausherrin ist Nancy Greene, Ski-Olympiasiegerin 1968, die Sun Peaks als treibende Kraft mitgestaltet hat. Das Skigebiet ­überrascht mit Abwechslungsreichtum. Zwischen Bäumen und über Buckel gleicht keine Piste der anderen und trotz der hohen Temperaturen, die 20 Grad übersteigen, bleibt der Schnee gut fahrbar. Im T-Shirt und mit Sonnenbrand setze ich mich auf die Terrasse von Masa’s Bar + Grill. Statt zum Jagatee greife ich da lieber zum kühlen Bier. In Sun Peaks entdecke ich auch mein neues Lieblingshobby: Schneemobilfahren. Auf einer eigens dafür gestalteten Strecke gebe ich Vollgas. Ein perfekter Abschluss. 

Leider heißt es Abschied nehmen von Kanada und seinen unglaublich netten Menschen. Auf dem Weg zum Flughafen bleibt zu hoffen, dass niemand meinen Quizrekord geknackt hat.