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© Gondwana Game Reserve/Raquel de Castro Maia

Zu Fuß auf Safari

Es ist die Königsdisziplin unter den Abenteuern: per Pedes auf der Pirsch nach Giraffen, Zebras, Löwen, Nilpferden und Elefanten. Gehen Sie mit uns auf Safari nach Südafrika ins wilde Naturparadies Gondwana. 

Marc und Tuhan, die beiden jungen Ranger des Gondwana Game Reserve, laden noch ihre Gewehre, dann kann es endlich losgehen. „99 Prozent der Tiere kommen von vorne“, gibt Marc Entwarnung. Ein leicht mulmiges Gefühl bleibt trotzdem. Denn in dem 110 Qua­dratkilometer großen Safari-Gebiet sind nicht nur friedliebende Grasfresser wie Zebras oder Giraffen zu Hause, sondern auch die „Big 5“ – also Elefanten, Löwen, Nilpferde, Leoparden und Büffel. Und diesen sind wir auf der Spur. 

Ein Hauch von Anspannung liegt in der Luft. Im Gänsemarsch streifen wir durch die Buschlandschaft des Gondwana Game Reserve, das Marc Rutherford vor 17 Jahren mit anfänglich nur vier Anti­lopen gegründet hat. Es liegt vier Autostunden östlich von Kapstadt.

Hinaus in die Wildnis

Seit zwei Jahren nehmen Marc und Tuhan maximal acht Personen mit auf dieses dreitägige Abenteuer. Jeden Tag geht es dabei mit leichtem Tagesrucksack bepackt rund sechs Stunden zum nächsten luxuriösen Zelt-Camp, das mitten im Nirgendwo liegt – mal an einem Flusslauf, mal auf einer Anhöhe mit Blick auf die umliegende Berglandschaft. 

„Die schönste Art, eine Safari zu machen, ist zu Fuß. Es ist viel intensiver“, sagt der 23-Jährige Marc. Trotz seines jungen Alters strahlt er viel Ruhe und Souveränität aus. Er kennt die Wildnis Afrikas. Bevor er zu Gondwana kam, hatte Marc als Guide in der Kalahari-Wüste Namibias gearbeitet. Nun ist er auf „Walking Safaris“ in der Kapregion spezialisiert. 

Schon als kleiner Junge wusste Marc: Er muss hinaus in die Wildnis! Inspiriert dazu hatte ihn der britische ­Naturforscher und Tierfilmer David Attenborough. „Ich liebte seine Dokumentationen. So fand ich meine Bestimmung. Ich wollte mit Tieren und Menschen arbeiten“, erzählt Marc. Der Südafrikaner weiß das etwas ursprünglichere Leben zu schätzen – frei von materiellen Dingen. Für ihn bedeuten nicht Geld und Besitz Luxus, sondern Ruhe und Natur.

Eins werden mit der Natur

Schneller als gedacht können wir das nachvollziehen. Mit jedem Kilometer durch die sanft-hügelige Landschaft sind alle Alltagssorgen vergessen. 

Während der Wanderung sind Unterhaltungen tabu. Jeder ist ganz bei sich. Das schärft den Blick auf das Wesentliche. ­Jedes noch so leise Rascheln des Fynbos, der für die Kapregion so typischen Vegetation, wird dabei wahrgenommen. Jedes Jahr versucht der Gründer des Gond­wana Game Reserve neues Land hinzuzukaufen, um der Natur und der bota­nischen Vielfalt wieder freien Lauf zu lassen. Das ist wichtig für die Tiere. So etwa für die Giraffen, die Marc aufgrund ihrer voluminösen Wimpern und der langen Beine liebevoll „Models der Wildnis“ nennt. 

Marc und Tuhan sind eine Art wandelndes Lexikon und kennen die Bedeutung jedes noch so unscheinbar wirkenden Strauchs, der sich beispielsweise über­raschend als natürlicher Kaugummi entpuppt. Doch noch viel wichtiger: Sie wissen das Verhalten der Tiere zu deuten. 

Nicht ganz ungefährlich 

Wie entscheidend das bei einer Safari zu Fuß ist, erkennen wir bei unserem Halt an einem Wasserloch. Wir verstecken uns kniend hinter einem Strauch. Die Guides flüstern. Nur dreißig Schritte entfernt badet eine dreiköpfige Nilpferdfamilie. Trotz ­aller Vorsicht hat sie uns sofort gewittert. Das Baby taucht ab. Es folgt eine Drohgebärde des Bullen, der sein Maul aufreißt. 

Eine Warnung, die auch die Ranger ernst nehmen. Sie empfehlen den langsamen Abzug. „Niemals rennen“, hat Tuhan noch bei der Einweisung eindringlich gewarnt. Das würde bei vielen Tieren den Jagdinstinkt wecken. Dementsprechend ruhig zieht sich die Gruppe zurück. Die Begegnung mit dem für den Menschen gefährlichsten Tier der „Big 5“ ist glimpflich ausgegangen. Doch wie nah werden wir den Löwen noch kommen? 

Löwen im Busch 

Am nächsten Tag kennen wir die Antwort darauf. Bei dieser Etappe geht es durch eine höhere Buschlandschaft. Rund 1,3 Meter hoch wachsen die Pflanzen. In dem Gestrüpp könnten sich Tiere wunderbar verstecken. Deswegen sind Marc und Tuhan in Alarmbereitschaft. Sie ­wissen, dass sich die Löwenfamilie gerade in diesem Tal aufhält. Durch ihre Funkgeräte bekommen die beiden von den Guides, die mit dem Jeep unterwegs sind, regelmäßig Infos darüber, wo welches Tier gesichtet worden ist. Und wir nähern uns ihnen. Schritt für Schritt. 

Wie gefährlich eine Begegnung mit den Raubkatzen werden kann, hat Marc bei seinem finalen Training zum „Walking Guide“ hautnah zu spüren bekommen. „Ich war mit meinem Prüfer und anderen Guides schon rund acht Stunden unterwegs. Wir konnten bereits unser Ziel, das Camp, sehen. Daher haben wir uns etwas entspannt und dadurch die Konzentra­tion ver­loren“, berichtet er. Ein fataler ­Fehler, wie sich zeigte. Denn drei Löwen­babys rannten plötzlich auf sie zu. Das hat die Löwenmutter in Aufregung versetzt. Marc reagierte blitzschnell. „Ich habe meine Gruppe angewiesen, sich nicht mehr zu bewegen. Denn nur Beute läuft davon. Ich blickte der Löwin tief in die Augen, während sie immer weiter auf uns zukam“, erinnert sich Marc noch genau. 

Nerven bewahren

Nur acht Meter vor der Gruppe stoppte das Tier. „Ich schrie sie an, machte Lärm, um sie zu vertreiben“, beschreibt er die brenzlige Situation. Die Löwenmutter zog schließlich ab. Marc behielt die Nerven. Da wusste er: „Ich habe den richtigen Job für mich gefunden.“ Nach diesem Vorfall kann ihn so schnell nichts mehr aus der Fassung bringen. Dennoch möchte niemand, dass sich Marcs Schlüssel­erlebnis heute wiederholt. 

„Welche Fähigkeiten braucht man als Guide?“, hatte ich ihn am Vortag noch gefragt. „Leidenschaft und einen guten Umgang mit Menschen“, antwortete er. 

Ausnahmsweise im Jeep

An diesem Nachmittag überzeugen die beiden vor allem mit einer Eigenschaft: ihrem guten Instinkt. Nach einer Kaffeepause an einem Felsen und drei Kilo­meter vor dem Ziel brechen Marc und Tuhan die Wanderung ab – wir steigen in den Jeep um. Sicherheit geht vor. Daher spüren wir die Löwenfamilie mit dem Auto auf. An einem ausgetrockneten Flussbett werden wir fündig. 

Das Männchen kaut gerade an einer Antilope. Nach einer Weile zieht er die Beute in ein Gebüsch. Trotz seiner Größe ist er nicht mehr sichtbar. Dafür zeigt sich die Löwin mit ihren beiden Jungen. Man könnte dem Treiben stundenlang zusehen. Doch allmählich versinkt die Sonne hinter den Hügeln und taucht den Himmel in ein glühend rotes Licht. Diesmal fahren wir also zu unserem Camp. 

Ein Glas Wein am Lagerfeuer

Es ist der letzte Abend in der Wildnis. Ein letztes Mal zaubert unser Camp-Koch Christian ein afrikanisches Abendessen. Ein letztes Mal versammeln wir uns mit einem Glas Wein am Lagerfeuer, bevor jeder etwas erschöpft, aber unglaublich zufrieden die letzten Meter in sein „Hotel“-Zelt schlappt. Ein letztes Mal ­hören wir nachts nichts außer den Rufen der Nachtschwalben. Marc hatte recht. Intensiver kann man Südafrika wirklich nicht erleben.

Christina Mendi 

Als Journalistin ist die Münchnerin immer auf der Suche nach dem Besonderen. Außergewöhnliche Menschen und einzigartige Orte faszinieren die 34-Jährige, die als Chefreporterin und Society-Reporterin bei der Funke Mediengruppe arbeitet. Ihre Liebe zum Reisen entdeckte Christina Mendi mit 16 Jahren auf einem Trip nach Bolivien. An Südafrika fasziniert sie die Vielfalt und die wilde Tierwelt.