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Manhattan ist mehr als die berühmteste Skyline der Welt. Es ist ein Schmelztiegel der Experimente. © Helmut Widmann

Manhattan: Stadt der Städte

Manhattan galt, als Herz von New York, immer schon als Experimentierfeld. Neue Attraktionen untermauern diesen Ruf.

Während der 30-sekündigen Liftfahrt das Empire State Building hinauf gehen einem viele Filmsequenzen durch den Kopf, von „King Kong“ bis „Schlaflos in Seattle“. Der in Hunderten Kinoklassikern verewigte Wolkenkratzer aus den 1930er-Jahren, jahrzehntelang das höchste Gebäude der Welt, zählt zu den in Würde gealterten Ikonen New Yorks

Im 86. Stockwerk angekommen, tritt man hinaus ins Freie und genießt einen 360-Grad-Blick, 320 Meter über den Straßen der Metropole: von Midtown hinunter zur Skyline des Financial District und hinüber nach Brooklyn und Queens, wo neue Skylines heranwachsen. Riesige Kräne markieren jene Stellen, wo New York weiter in die Höhe wächst, und es sind viele. 

Eine Neue Boomphase

Wer glaubt, diese Stadt der Städte zu kennen, der irrt gewaltig. New York erlebt gerade eine neue Boomphase, die x-te in seiner Geschichte. Vom Empire State Building aus hat man das Aushängeschild von Manhattans Metamorphose fast zum Greifen nah: Auf derselben Höhe liegen am westlichen Ufer die Hudson Yards, das größte und teuerste private Bauprojekt in der Geschichte der USA. 

An diesem gigantomanischen „Work in progress“ soll der Weg zu den neuen Attraktionen Manhattans beginnen. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel, und in meinem Fall der Umweg. Ein Spaziergang durch Midtwon an die West Side offenbart die hektischste und lauteste Seite der Stadt, ein kakofonisches Konzert aus dem Dauerbrummton von Klima­anlagen, dem schrillen Quietschen von U-Bahn-Zügen, deren Geräusche und Dämpfe durch Schächte überall an die Oberfläche dringen, dem Hupen verzweifelter Autofahrer im Dauerstau und dem Nerven strapazierenden Sirenenton von Feuerwehr und Polizei. Doch Manhattan kann auch anders, lädt sogar zu kontem­plativem Rückzug inmitten des Großstadtgewusels ein. 

Grüne Wiedergeburt

Manchmal sind es nur ein paar wenige Stufen hinauf: So führt eine Treppe im Meatpacking District, früher ein Viertel mit Schlachthöfen und halb verfallenen Backsteinhäusern, empor zur High Line. Bis 1980 rauschten hier laute Güterzüge auf der Höhe des zweiten oder dritten Stocks der Häuser dahin. War die ehemalige Bahntrasse vom Abriss bedroht, hauchten ihr findige Stadtplaner neues Leben ein. Die High Line ist heute ein einzigartiges Biotop, eine neue Touristenattraktion ebenso wie eine Erholungsoase für New Yorker – und ein Beispiel dafür, wie sich Manhattan stets neu erfindet.

Entlang einer Allee aus Sträuchern und Bäumen, Gräsern und Blumen flaniere ich über die High Line zu den Chelsea Markets. Deren Geschichten ähneln sich frappant. Der 1890 errichtete Häuserblock war eine riesige Keksfabrik, wo die berühmten Oreos erfunden worden sind. Statt die stillgelegte Fabrik zu schleifen, wurde sie zu einem neuen Treffpunkt für Gourmets und ihrer kulinarischen Streifzüge: mit Restaurants, Bars, Fleischer, Weinhandlung und anderen Läden.

Hudson Yards

Frisch gestärkt geht es weiter zum nördlichen Ende der High Line – zum aktuellen städtebaulichen Aushängeschild Manhattans. Diese Gegend war bis vor Kurzem nur durch eine Wüste von Zuggeleisen geprägt. Zu schade für eine Stadt, in der Raum ein kostbares Gut ist. Deshalb war einem Immobilieninvestor alleine das Recht, diese Fläche überbauen zu dürfen, eine Milliarde Dollar wert! Im Frühling wurde die erste Phase der Hudson Yards eröffnet: unter anderem mit dem begehbaren Kunstwerk „The Vessel“ und dem nicht minder futuristisch anmutenden Museum „The Shed“. In einigen Jahren hat Manhattan dann ein komplett neues Viertel mit einem Dutzend Luxus-­Wolkenkratzern, Hotels, Parks und Shopping-Meilen. Bald fertig ist der Super-Turm „30 Hudson Yards“. Die im 100. Stockwerk in 335 Metern hervorragende Plattform aus Glas gilt dann als die höchst gelegene Outdoor-Aussichtsterrasse der westlichen Welt. 

Übrigens entdeckt New York auch am anderen Ende Manhattans, am East ­River in Lower Manhattan, neue Stärken. Wo Hurrikan Sandy 2012 seine Vernichtungsarbeit geleistet hat, chillen New Yorker jetzt am Pier 17 direkt am Wasser.