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Kapstadt in voller Pracht. © shutterstock

So bunt wie ein Regenbogen

Kapstadt ist so einzigartig gelegen wie keine andere Stadt der Welt. Südafrikas Metropole und sein Umland vereinen alte Kulturen mit der Vielfalt der Gegenwart.

Mein erster Blick auf Kapstadt – ein glitzerndes Lichtermeer am südlichsten Zipfel der nächtlichen afrikanischen Landmasse. Die Stadt wirkt wie hineingegossen zwischen Atlantischem Ozean und Tafelberg. Dahinter viel freies Land. Es fällt mir nicht schwer, mir vorzustellen, dass hier in grauer Vorzeit die ersten Menschen die endlosen Weiten ­bewohnten. Was ich noch nicht ahne: dass viele ihrer Nachfahren mich so herzlich willkommen heißen. Fast so, als ­gehörte ich zur Familie.

Das Volk der Khoisan

Es ist Morgen. Ich hocke auf einem win­zigen orangen Plastikstuhl nahe dem ­Parlamentsgebäude in Kapstadts City. Neben mir sitzt Natalie. Die Malerin und Bildhauerin zog vor zwanzig Jahren von Johannesburg hierher in den Süden des Landes. Sie malt schmale Figuren mit langen Extremitäten in Schwarz und Rot auf ­Straußeneierschalen-Imitate. Das sind traditionelle Figuren der Khoisan, jener Ureinwohner des südlichen ­Afrikas, denen die holländischen Siedler bei ihrer Ankunft im 17. Jahrhundert das Land streitig machten. Ebenjenen Siedlern und Seefahrern diente der Company’s Garden, vor dessen Eingang Natalie täglich ihren kleinen Stand aufbaut, anfänglich zur Versorgung. Heute zeigt sich der Park als grüne Oase mitten im historischen Zentrum der Stadt, die Stück für Stück von hier aus entstand.

Die Khoisan verloren im Zuge der ­gewaltsamen Landnahme der Kolonialisten zwar all ihren Grund und Boden, ließen sich ihre Kultur aber nicht nehmen. Weil ich mehr über all das erfahren möchte, legt Natalie mir einen Besuch des South African Museum ans Herz. Es befindet sich direkt neben dem Park. Die Sammlung vermittelt die ganze faszinierende Kultur- und Naturgeschichte des Landes. 

Nicht weit vom Company’s Garden entfernt ragt ein Kleinod der jüngeren südafrikanischen Geschichte in den Himmel: die St. George’s Cathedral, die „Kirche des Volkes“. Vor ihren Toren manifestierte sich unter der Führung von Desmond Tutu, dem ersten schwarzen Erzbischof Südafrikas, der Widerstand gegen das weiße Apartheid-Regime. Für Südafrika markiert das Jahr 1994 offiziell das Ende der Apartheid. Doch noch immer prägen die Folgen der rigorosen Rassentrennung das Leben der südafrikanischen Gesellschaft.

Kapstadts bunte Gegenwart

Die heutige Gesellschaft Südafrikas ist in Kapstadt so vielfältig und kreativ wie sonst nirgendwo in diesem Land. Das lerne ich von den beiden Straßenmusikern Tom und Felix. Letzterer trägt traditionelle Kleidung und die Stammestätowierung im Gesicht. In der „Mother City“ findet man Menschen, Kulinarik und Waren aus ganz Afrika. Die Stadt ist bunt wie ein Regenbogen! Was sollte ich hier unbedingt sehen? Tom blickt nachdenklich drein: „Hier findet das echte Leben auf der Straße statt!“ Also lasse ich mich durch die Straßen treiben – durch die steilen Gassen des ehemaligen Sklavenviertels Bo-Kaap, dann hinunter zur Long Street mit den zahllosen Cafés, Bars, Restaurants, Boutiquen und Shops; und weiter zum Greenmarket Square, dem Herzen der Stadt und ältesten Marktplatz Südafrikas.

Zwischen den ­eleganten Art-déco-Fassaden lässt sich hier Kunst und Handwerk vom ganzen Kontinent bestaunen und mit nach Hause nehmen. Zwischen den Ständen hört man immer wieder Trommelrhythmen und Gesang von kraftvollen Stimmen. Und lautes Rasseln begleitet eine nach Tradition der Khoisan geschminkte Gruppe bei ihrem Stepptanz. Tatsächlich, Kapstadts Leben findet auf der Straße statt. Und es kennt keine Berührungsängste.

Wurzeln der Menschheit

Ich fahre hinaus aus der Stadt, Richtung Westen. Ich möchte !Khwa ttu besuchen, ein außergewöhnliches Kulturzentrum, das eine Gruppe indigener San seit über zwanzig Jahren hier betreibt. Nur eine Autostunde von Kapstadt entfernt, lande ich in einer anderen Welt.

Auf einer ehemaligen Farm haben sich die San – eines der beiden, verallgemeinernd als Khoisan bezeichneten, indigenen südafrikanischen Völker – einen Ort geschaffen, an dem sie ihre Traditionen leben, vermitteln und weitergeben. Dazu zählen die Gastfreundschaft und das Teilen. Mit den Menschen konnten auch die ursprüngliche Fynbos-Vegetation und aus dieser Gegend schon lange verschwundene Wildtiere wie Zebras, Antilopen und Strauße zurückkehren.

Das Leben der San

Ich bin die Einzige, die an diesem Nachmittag mit dem jungen Guide Mathias auf Tour geht. Er fährt den Traktor und ich sitze hinten auf einem großen Anhänger. Hie und da hüpfen ein paar Springböcke davon. Bei einer Handvoll Schilfhütten machen wir Halt. Mathias zeigt mir traditionelle Jagdwaffen und Werkzeuge, Pfeile mit Spitzen, die in Gift ­getunkt wurden. An der Feuerstelle lässt er mich versuchen, mit einem Feuerbohrer einen Funken zu erzeugen. Natürlich scheitere ich kläglich. Er selbst hat ­Mo­nate gebraucht, um das Feuermachen zu ­erlernen, erzählt er.

Aufgewachsen in ­einer modernen Stadt, hatte er als junger Erwachsener schließlich das Bedürfnis, an die Traditionen seines Volkes anzuknüpfen, um „die alten Geschichten wieder lebendig werden zu lassen“. Er kam nach !Khwa ttu und nahm an einem ­Ausbildungsprogramm für junge San teil. Schließlich wurde er als Guide angestellt. Heute zeigt er Touristen Tierspuren im Sand, erzählt von der fast ausgestorbenen Lebensweise der Jäger und Sammler. Er malt mit den Kindern traditionelle Figuren auf Felsen und spürt für sie die größten und trotzdem am schwersten zu ­findenden Wildtiere der Farm auf: die majestätischen Elenantilopen.

Heimat des Rooibostees

Die drei kleinen Museumsgebäude von !Khwa ttu beherbergen die Geschichte der San sowie ihre spirituelle und materielle Kultur und alltägliche Lebensweise. Höhepunkt der Ausstellung: eine 180°-Panoramaleinwand, die das Publikum mitnimmt auf die Stachelschweinjagd, zum Wurzelnsammeln, zum Tanzen und Handwerken mit den heutigen San der Kalahariwüste. Am nächsten Tag lerne ich beim Mittagessen Else kennen. Sie kommt zwei Mal wöchentlich nach !Khwa ttu, um sich um den Garten und die Gewächshäuser zu kümmern. Die Hobbybotanikerin erzählt mir vom ­Artenreichtum der Fynbos-Vegetation in der Kapregion, die den indigenen Menschen seit Urzeiten Nahrung, Medizin, Baumaterial und Werkzeug liefert. Sie empfiehlt mir eine Tasse klassisch südafrikanischen Rooibostee mit etwas würzig-süßem Fynbos-Honig. „Wer möchte, kann hier lernen, selbst Kräutertees zu mischen, und sie anschließend verkosten.“

Oder mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf einer der Wanderrouten auf eigene Faust das umgebende Buschland erkunden, Zebras im Abendlicht fotografieren und sich auf die Lauer legen, um einen Blick auf einen der scheuen Buntböcke zu erhaschen. Obwohl ich von so weit her komme, fühle ich mich hier im Land der roten Erde wohl. Hier sehe ich mit jedem Blick, den ich durch die Augen dieser Menschen auf unsere ­gemeinsame Welt werfen kann, auch mein eigenes Leben bunter, freier und voller Lebensfreude. Es ist genau so, wie die Malerin Natalie sagt: „Sei vorsichtig. Dieses Land hat ein ­Talent, sich in die Herzen zu schleichen.“ „Ja, ich spüre es“, antworte ich lächelnd.

GUTE TIPPS Kapstadt

Radisson Red V&A Waterfront, Kapstadt 

Der Panoramablick auf Hafen und Hügel vom Bett aus sowie das große exotische Frühstücksbuffet sind Genuss pur. Ideale Lage für Abendspaziergänge durch das quirlige Hafenviertel.

Infos: www.radissonhotels.com/en-us/hotels/radisson-red-cape-town-va-waterfront 

MOY Guesthouse and Backpackers, Kapstadt

Liebevoll ausgestattete Budget-Unterkunft in Green Point mit lebendig-gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre. Wohltat für den Körper: Yogastunden werden im Haus angeboten!

Infos: www.moyct.com 

!Khwa ttu San Heritage Center, Yzerfontein 

Afrika pur! Komfortable Apartments und Zelt-Unterkünfte mit allen Annehmlichkeiten mitten im Busch. Liebevoller Service und verschiedenste Erlebnis-angebote vor Ort.

Infos: www.khwattu.org  

Company’s Garden Restaurant & Cape Town Fynbos Experience 

Das Restaurant punktet mit einem wunderschönen Gastgarten unter großen Parkbäumen und sehr guten internationalen und typisch Kapstädter Gerichten. Ein paar Schritte weiter verwöhnt das winzige Café der Fynbos Experience mit sensationellem Cheesecake und Rooibostee, verfeinert mit Aromen der einheimischen Kräutervielfalt.

Infos: www.capetownfynbosexperience.com 

Madame Taitou

Ein echter Wunderladen. Souvenirshop, Antiquitätengeschäft, Café und Restaurant in einem. Zwischen ausgestopften Antilopen-köpfen, Totempfählen und Masken lässt sich die äthiopische Küche wunderbar entspannt und über-wältigend zugleich genießen.

Infos: www.facebook.com/pages/Madam-Taitou/1377441469135423 

Kirstenbosch Food and Craft Market 

Open-Air-Markt mit Wohlfühlatmosphäre vor den Toren des Kirstenbosch National Botanic Garden. Livemusik und ein breites Angebot an Kunst, Handwerk und Kulinarik an jedem Sonntag im Sommer. Unbedingt mit einem Besuch des Botanischen Gartens verbinden!

Infos: www.facebook.com/Kirstenboschmarket 

Eagles’ Nest 

Der perfekte Ort für die obligatorische Weinverkostung. Die Sightseeing-Busse halten direkt vor dem Eingang, trotzdem ist der Garten eine Oase der Ruhe. Zum Wein ist die südafrikanische Version der Brettljause mit getrocknetem Rindfleisch und Hartwurst genau das Richtige.

Infos: www.eaglesnestwines.com 

J. M. Coetzee

Der Kapstädter Literaturnobelpreisträger erweitert die eigene Kapstadt-Erfahrung um ein paar Dimensionen. Besonders lesenswert ist, wenn auch nicht für schwache Nerven, sein Roman „Schande“ (2000).

Transport  

Normalerweise fliegt Austrian Airlines zwei Mal pro Woche direkt, Emirates zwei Mal täglich über Dubai. Vom Flughafen Kapstadt in die Stadt kommen Sie am besten mit dem Taxi oder Uber. Innerhalb der Stadt fahren die öffentlichen MyCiTi--Busse regelmäßig, sicher
und günstig. Für die Sehenswürdigkeiten außerhalb des Stadtzentrums (Kirstenbosch, Weingüter in Constantia, Strände zwischen Camps Bay und Hout Bay) bietet sich der Hop-on-/Hop-off-Sightseeing-Bus gleichsam als praktische wie auch unterhaltsame Alternative an.