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Auf den Kapverden sind lächelnde Menschen ein erfreulich häufiger Anblick. © Helmut Widmann

Boa Vista: Die Insel des Lächelns

Die Kapverdier leben nach dem Motto „no stress“. Deshalb haben sie viel Zeit für gute Laune, ganz nach der Devise: „Always smiling!“

Es ist Verliebtheit auf den ersten Blick. Beim Anflug auf Boa ­Vista taucht im Kabinenfenster eine traumhafte Sandinsel mitten im blauen Atlantik auf. Nach sieben Stunden Flug und 5.000 Kilometern ­betrete ich afrikanischen Boden. Und aus der Verliebtheit wird rasend schnell ­Liebe. Verursacht durch ein Schild am Flughafen der kapverdischen Insel. Dieser erinnert eher an ein kleines Fort in der Prärie und empfängt mich mit den Worten: „This airport loves you and we hope that you love us too!“ Angesichts eines solchen Willkommensgrußes ist man mal sprachlos. 

„Afrika Light“ im Atlantik

Doch man findet schnell die Worte wieder, wenn man auf Kapverdier trifft. Überall ein Grinsen und Lachen, ein Grüßen und Winken. Boa Vista, zu Deutsch „Schöner Anblick“ und nur eineinhalb Mal so groß wie Wien, ist die östlichste Kapverden-­Insel, 455 Kilometer vom afrikanischen Festland, dem Senegal, entfernt. Lange Zeit war sie ein unbewohntes, für Menschen uninteressantes, einsames Eiland. Bis vor mehr als 500 Jahren die Portugiesen kamen. Salz machte die Inselherren reich, aber auf Kosten schwarzer Sklaven, die hierher verschleppt wurden. Ihre Leidensgeschichte ist stets gegenwärtig, als ich die erste Erkundungsfahrt über die Insel mache. 

Heute gibt es fast keine asphaltierten Straßen. Wenn man nicht gerade den Querfeldeinweg wählt, fährt man über Kopfsteinpflasterstraßen, die noch von den Sklaven gebaut wurden. Die Tour geht durch eine karge, wüstenhafte Landschaft, bewohnt vor allem von wilden Eseln, Ziegen und so manchen Affen, die schnell zwischen Büschen verschwinden. Es ist gerade der Reichtum einer unberührten Natur, der Boa Vista als Schatz blieb, nachdem die Salzminen verebbten und aufgegeben werden mussten. Endlose Sandstrände und ein ewiger Sommer machen die erst seit 1975 unabhängigen Kapverden zu einer neuen Traumdestination, nicht allzu fern von Europa.

Besondere Gäste: Wale und Schildkröten

Freunde der Meereswelt kommen aus zwei Gründen hierher: Wale und Schildkröten. Die nordatlantischen Buckelwale, wahre Giganten mit einer Länge von bis zu 18 Metern und einem stattlichen Gewicht von bis zu 30 Tonnen, wandern vom Polarmeer in den Süden. Von Jänner bis Mai sind die Riesen von den Stränden Boa Vistas aus zu beobachten – oder man sticht mit einer Whale Watching Tour in See. 

Von Juni bis Oktober besuchen Tausende Unechte Karettschildkröten Boa Vista. Die Kapverden sind nämlich die drittgrößte Brutstätte, nach dem Oman und Florida. Sie werden bis zu 120 Zentimeter lang, sind bis zu 100 Kilogramm schwer und legen ihre Eier in den heißen Sandstrand. Ab November startet schließlich eine andere Saison, nämlich die der Surfer (siehe Tipps rechts). Die Reviere gewinnen immer mehr Fans unter den Wassersportlern. So kann man die Insel vom Meer aus bewundern, wie etwa die Hauptstadt Sal Rei. Unbedingt zu empfehlen ist dort aber ein Landgang. 

Denn wenn die Inseljugend am Hafen Besucher erspäht, machen sie sich ein besonderes Vergnügen, ihre Sprungkünste ins Wasser zu präsentieren. Auf Tuchfühlung mit den Kapverdiern kommt man bei einer Einkehr in Lokalen mit so kreativen Namen wie „Boavista Social Club“, in Anlehnung an Wim Wenders legendären Kubafilm.

Man fühlt sich tatsächlich wie in der Karibik, wenn man die Insel erkundet. Im Gegensatz zum erschlosseneren Westen ist der Norden vor allem eines: ein geschütztes Naturparadies. Im Hinterland liegen reizvolle Dörfer mit bunten Häusern. Frauen balancieren auf ihrem Weg zu gemeinschaftlichen Waschplätzen große Wäschebottiche auf dem Kopf und aus Bars klingen Melodien der hier typischen Saudade-Lieder, die an Portugals Fado erinnern. In den Süden, zur Praia de Santa Mónica mit pudrig weißen, 18 Kilometer langen Stränden, kommt man nur mit Geländeautos. Hier werden neue Hotels gebaut, Golfplatz inklusive. Boa Vista wird sich also in den nächsten zehn Jahren verändern. Deshalb empfehle ich als beste Reisezeit: genau jetzt! 

Gute Tipps Boa Vista

Chillen: Beach Bar Perola de Chaves

Am Traumstrand unweit des Riu Palace hat Gastronomin Cristina ein geschmackvolles Hideaway geschaffen. Ihre offene Beach Bar aus weiß getünchtem Holz bietet tolle Cocktails, kreative Snacks für zwischendurch und romantische Dinner mit Livemusik. 

Ausflüge: Wüste Viana
Die Sahara im Kleinen: So nennt man die Viana im Landesinneren von Boa Vista. Die hellen Dünen erstrecken sich über eine Fläche von 500 Hektar. Am besten sich im Viana Club stärken, und dann kann man zum Beispiel mit einem Board die hohen Sandberge runtersurfen.

Stadt der Töpfer
Handwerkskunst wird auf den Kapverden großgeschrieben. In Rabil, der ehemaligen Hauptstadt von Boa Vista, ist die Keramik zu Hause. Eine Töpferschule lädt zum Besuch. Hier kann man den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken. Zu kaufen gibt es landestypische Produkte wie Schalen oder Pflanzkübel, genauso aber Reisesouvenirs wie kleine Schildkröten aus Ton.

Paradies für Kitesurfer
Ein stetiger, starker Wind herrscht für Sportler vor allem zwischen November und April. Die perfekte Zeit für Kitesurfer. Insbesondere im Westen herrschen ideale Bedingungen. Von einem Surf Center beim Riu Karamboa aus kann man in den Atlantik stechen und die Sal Rei vorgelagerte Insel umrunden.

Naturschutz
Die Wissenschafter der 2013 gegründeten Vereinigung Bios Cabo Verde kümmern sich, unterstützt von der TUI Care Foundation, um den Schutz von Walen, Schildkröten und Vögeln, und sind ideale Anlaufstelle für engagierte Inselbesucher.

Lesen: Der Inselführer
„Insel der endlosen weißen Strände und Sandwüsten“ nennen Anabela und Jorge Valente ihr Boa-Vista-Buch im Untertitel. Auf 128 Seiten bieten sie jede Menge aktuelle Informationen und tauchen tief ein in das Leben der Insulaner. Im Verlag Belavista sind auch Bücher zu sechs anderen Inseln der Kapverden erschienen sowie der Sprachführer „Kreol für jedermann“.