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Bekannt aus vielen Western-Filmen: Das Monument Valley ist altes Stammesgebiet der Navajo. © Helmut Widmann

Wild wild West

Arizona ist ein Land für Entdecker. Wüsten, weite Prärien, tiefe Canyons und einsame Tafelberge, eine lebendige Indianerkultur und die legendäre Route 66 laden zum Roadtrip ein.

Es ist der reinste Backofen, wenn man in Phoenix im Hochsommer aus dem gekühlten Airport ins Freie tritt. 45 Grad im Schatten. Da bekommt das Wort Mittagshitze eine neue Dimension, eine nie verspürte Intensität. Der kurze Weg zum Mietwagen fühlt sich an wie ein Saunagang. Also schnell rein ins Auto, und was für eines.

Tag 1:Auf ins New-Age-Reich

Für den Roadtrip durch Arizona steht ein für die ländliche USA typischer, mächtiger SUV bereit: einmal unterwegs sein wie die „richtigen“ Amerikaner. Der ­Infiniti QX80 mit seinem 5,6-Liter-V8-­Motor bringt 405 PS auf die Straße, satter Sound inklusive. Es geht, vorbei an riesigen Kakteen am Straßenrand, auf der Interstate 17 Richtung Norden durch eine karge Landschaft. Der Verkehr nimmt schnell ab, am Horizont zeichnen sich Hügel und kleine Berge ab, der blaue Himmel ist mit Schönwetterwolken verziert. Das erste Etappenziel ist nach knapp 200 Kilometern erreicht: Sedona. Alleine die Kulisse mit den Red Rocks im warmen Abendlicht zieht einen schon in ihren Bann. Wie auch prominente ­Regisseure, die hier zig Hollywoodfilme gedreht haben. Für Künstler war und ist Sedona ein Ort der Inspiration. Der ­prominenteste unter ihnen war der Maler Max Ernst, der hier nach seiner Flucht vor den Nazis einige Jahre lebte. 

Schließlich wurde Sedona auch von der New-Age-Bewegung entdeckt. Angeblich soll es in dieser Gegend besonders starke Schwingungen geben, die die lang ­gezogene 10.000-Seelen-Stadt zu einem Kraftort allererster Güte machen. Ein Spaziergang entlang der Hauptstraße und der Blick in so manche Shop-Auslage offenbaren den intensiven Esoterik-Touch: Traumfänger, heilende Steine, Plakate von Psychic Readers und Kartenlegern sowie Flyer zu Touren an magische Plätze allerorts. Kein Wunder, dass die Nachtruhe – energiegeladen – geruhsam ausfällt.

Tag 2: Wo die Nasa probte

Gleich drei besondere Attraktionen stehen auf dem intensiven Tagesprogramm. Bei der einstündigen Fahrt gen Nordosten kommt man auch durch dichte Nadel­wälder, was dem Bild Arizonas als reinem Wüstenstaat eine überraschend grüne Zusatznote verleiht. Biegt man dann von der Interstate 40 nach Flagstaff rechts ab, erreicht man nach vier Kilometern den Eingang zum Walnut Canyon. Bevor die Park-Rangerin den Schlagbalken öffnet, wird die amerikanische Fahne gehisst. So viel Zeit muss natürlich sein. 

Der Canyon mit seinem ein Kilometer langen Rim Trail ist ein sanfter Einstieg in die Canyon-Welt Arizonas. In den überhängenden Steilwänden lebte vor tausend Jahren das Volk der Sinagua, die ihre Felsennester aber nach hundert Jahren wieder verließen. 

Statt einer strapaziösen Wanderung zum Talboden des Canyons geht es mit dem Auto weiter zum 60 Kilometer entfernten Meteor Crater – für die einen nur ein 170 Meter tiefes Loch mit 1,2 Kilometern zum gegenüberliegenden Rand, andere sind bei der Vorstellung ergriffen, welche Wucht hier vor 50.000 Jahren der Einschlag eines 40 Meter großen Meteoriten entfaltet hat. Lässt man den Blick über den Krater schweifen, meint man, am Mond zu stehen – war das mit ein Grund, dass Astronauten auch hier für ihre Mondflüge in den 1960er-Jahren trainierten?

Der Abschluss der Tagesetappe liegt 120 Kilometer weiter im Osten in Richtung der Grenze zu New Mexico. Die eineinhalb Stunden one way zahlen sich aus, denn der Petrified Forest ist wahrlich eine Besonderheit, ein Kunstwerk der Natur, durch das ein unendlich langer ­Scenic Drive führt. Links und rechts der Straße liegen Tausende versteinerte Baumriesen, mitten in einer Wüstenlandschaft, 1.800 Meter über dem Meeresspiegel. Der „versteinerte Wald“, 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärt, erstrahlt richtig kitschig im rötlichen Dämmerlicht. 

Tag 3: Bei den Navajo und Hopi

Kennen Sie den Song „Take it Easy“ der Country-Rock-Band Eagles aus den 1970er-Jahren? Damit wurde die Provinzstadt Winslow berühmt, noch mehr als durch ihre Lage an der alten Route 66 (siehe auch Seite 36). Von hier geht es jetzt hinauf in den Norden ins Gebiet der Navajo. Sie zählen rund 350.000 Köpfe und bewohnen das größte Indianerreservat der USA, fast so groß wie Österreich. Verkauf und Besitz von Alkohol sind im gesamten Reservat verboten, darüber wacht auch eine eigene Navajo-Polizei.

Am Horizont zeichnen sich drei, Mesas genannte Tafelberge ab. Hier befindet sich in einem Reservat innerhalb des Navajo-Gebiets die Heimat der Hopi. Wer die Hopi, das „friedliche Volk“, besuchen will, hat strenge Verhaltensregeln zu befolgen: keine Foto- oder Filmaufnahmen, kein Zeichnen oder Notizenmachen. Hart für einen Journalisten, aber natürlich respektiert man die Verbote. Hinter die Kulissen des einfachen Lebens der Hopi blickt man nur mit einem Guide. Chris führt einen zum Beispiel durch das mehr als 1.200 Jahre alte Dorf Walpi auf der First Mesa und erzählt dabei von den komplizierten Riten im Jahresverlauf. 

Nach einem herzlichen Abschied geht es wieder von der Mesa hinunter in die Ebene, vom Territorium der Hopi in das der Navajo. Jetzt ist es Zeit, die Uhr umzustellen, denn das Reservat hat eine andere Uhrzeit als das restliche Arizona. Nach einer Stunde erreicht man den Hubbell Trading Post im Städtchen Ganado. Hier ­atmet man noch die Luft der Vergangenheit, betritt man doch den ältesten, 1876 erbauten und bestens erhaltenen Handelsposten in der Navajo-Nation, ein geschichtsträchtiger Ort im Wilden Westen.

Tag 4: Western-Schauplätze

Nach einer Nacht in der Thunderbird Lodge, ebenso Navajo-Besitz, geht es zum nahe gelegenen Canyon de Chelly. Auch hier wurde Geschichte geschrieben, eine tragische. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in der unwegsamen Felsenwelt Indianer ihre letzte Zuflucht, bis General Kit Carson mit einem Regiment einfiel, nur mehr verbrannte Erde hinterließ und die Indianer auf einen 500 Kilometer langen Todesmarsch in die Wüste New Mexicos schickte. Heute ist der Canyon ein Ort der Ruhe und des Tiefdurchatmens, wenn man von einem der zahlreichen Aussichtsplätze in die Schluchten blickt.

Der Nachmittag gehört einer Landschaft, die für jeden untrennbar mit vielen Westernfilmen verbunden ist: dem Monument Valley. John Ford war hier und John ­Wayne ebenso. Jeder hat die Bilder der einsamen, bis zu 300 Meter hohen, schlanken Steinmonumente im Kopf – und jetzt stehen sie vor einem, zieren die unendliche Weite der Prärie. Großes Kino, kann man nur sagen.

Tage 5 & 6: Oase Lake Powell

Weiter geht es am frühen Morgen, mit ­einem Blick auf die klassische Western-Silhouette. Das Ziel: eine ganz andere Landschaft Arizonas, der Lake Powell. Bevor nach einer zweistündigen Fahrt das ungewohnte, große Blau auftaucht, steht eine der weltweit atemberaubendsten ­Naturwunder auf dem Programm, der Lower Antelope Canyon. Mit dem jungen Navajo Ian Johnson zwänge ich mich durch einen Spalt und steige Leitern ­hinunter in die Schlitzschlucht. Sturz­fluten eines kleinen Bergbächleins haben den engen, 600 Meter langen Canyon ­geschaffen. Die Licht- und Schattenspiele sind phänomenal. Wer davon nicht genug bekommen kann, besucht gleich den unweit davon befindlichen Upper Antelope Canyon. Spontan geht da aber gar nichts, ohne Reservierung hat man keine Chance.

Angesichts der drückenden Hitze tut jetzt der Lake Powell gut, ein Wunderwerk aus Menschenhand. In den 1960er-Jahren wurde der Colorado River an der Grenze zu Utah aufgestaut. 17 Jahre lang dauerte es, bis mitten in der Wüste eine Erholungsoase und ein beliebtes Wassersportrevier entstanden. Nicht versäumen sollte man eine Schiffstour durch die Windungen des Sees, oder man mietet gleich ein Hausboot und verbringt eine chillige Zeit auf dem Wasser. Bei so vielen Naturwundern in Arizona ist der 444 Kilometer lange Grand Canyon dann noch viel mehr als ein „Drüberstreuer“. Vom Lake Powell aus erreicht man den South Rim in zwei Stunden. Bis zu 1.800 Meter geht es dann hinunter zum Talgrund, bis zu 16 Kilometer entfernt ist das gegenüberliegende Plateau. Da bleibt einem schon mal leicht der Mund offen.

Tag 7: Abschied mit Route 66

Eine Woche Arizona fast vorbei. Statt ­zurück nach Phoenix fahre ich westwärts, auf der alten Route 66. Verschlafene Orte wie Williams oder Seligman huldigen der Nostalgie. Und dann geht es in den Norden, nach Nevada, nach Las Vegas. Aber das ist eine andere Geschichte.