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Stadt am Wasser: Zürich, globales Zentrum der Bank- und Finanzwirtschaft liegt an Zürichsee, Limmat und Sihl. © iStockphoto

Zürich auf Abwegen

Kreativ und trendy: Zürich setzt auf den Wandel und nutzt alte Industrie-Architektur völlig neu. Mit Erfolg. 

Zürich, die wohl einzige Metropole der Schweiz begeistert mit einer fantastischen Lage. Überall schimmert das klare Wasser so schön grünblau: am Zürichsee und an den Flüssen Limmat und Sihl. Und erst das Klima: Es ist mild, angenehm wie der niedrige Steuersatz. Das zieht auch die Menschen mit etwas Geld an. So heißt das Seeufer östlich von Zürich auch im Volksmund „Goldküste“. Sie ist gespickt ist mit Luxusvillen. Tina Turner hat zum Beispiel im nahen Küsnacht ihr „kleines Märchenschloss“. Kaum zu glauben, dass hier vor hundert Jahren noch Fabriken standen.

In der Seidenindustrie waren 50.000 Menschen tätig (an diese Blütezeit erinnert im Landesmuseum das Archiv der Seidenfirma Abraham). Auch der Schiffsbau sorgte für volle Kassen. Längst sind die Werften und Industrieanlagen geschlossen, abgerissen oder umgebaut. Denn Zürich ist stets im Wandel. Heute regiert das Bankwesen, und die riesige Schiffsbauhalle präsentiert sich als neuer Kultur- und Freizeittempel. Beherbergt das Schauspielhaus Zürich, Kinos, das Nobelrestaurant La Salle und die Trendbar. Das nennt man eine gelungene Nachnutzung. Ebenfalls in Zürich West sind in alte Eisenbahnviadukt-Bögen über hundert Lokale und Boutiquen sowie eine große Markthalle eingezogen. Und in der alten Brauerei Hürlimann kann man jetzt wunderbar vom Alltag abschalten. Ohne Alkohol, sie beherbergt ein Spa. Die durchdesignte Biederkeit gibt es auch: Um den 126 Meter hohen Glaspalast Prime Tower entstand mit viel Beton und wenigen Bäumen eine schöne Welt des smarten Wohnens und Arbeitens. Für mehr Begeisterung sorgte einige Jahre zuvor der Umbau des Bahnhofs Stadelhofen durch den spanische Architekt Santiago Calatrava. Er verlieh der spätklassizistischen Station das Aussehen einer Kathedrale.

Wo revolutionäre ideen geboren wurden

Zürich war schon immer ein guter Platz für Querdenker. Der Religionsreformator Huldrych Zwingli erklärte nicht nur den Schweizern im 16. Jahrhundert, dass der Glaube an Gott und Geld definitiv kein Widerspruch ist. Er wäre heute bestimmt ein gefeierter Influencer. Weniger trendy erscheinen derzeit Ideen von Wladimir Iljitsch Lenin. Er bastelte in der Spiegelgasse am geistigen Sprengstoff für die russische Revolution. Im nahen Cabaret Voltaire erblickte der Dadaismus, eine recht schräge künstlerische und literarische Bewegung, das Licht der Welt. Das Graphische ­Kabinett im Kunsthaus beherbergt ein Archiv. Auch die Zürcher Schule der Konkreten, eine Kunstströmung der Malerei, überraschte einst mit einem anderen Blick auf die Welt. Ebenso wie Ernährungsexperte Christian Bärtsch, der mitten in der Stadt eiweißreiche Energieriegel aus Insekten produziert.

Malerische Plätze in der Altstadt

Die Stadt der Banken und der Schokolade überrascht. Nicht ­nur wegen der über 50 Museen und Theater. Das Seeufer ist mit Parks gespickt und in der Altstadt begeistern kleine Oasen wie der Lindenhof über der Limmat. Oder der Schanzengraben, ein Kanal vom See bis zum Bahnhof. Das Männerbad ist einfach herrlich. Parallel dazu verläuft die eineinhalb Kilometer lange Bahnhofstraße über einem zugeschütteten Wassergraben. Die noble Einkaufsmeile ist das wohl teuerste Pflaster der Stadt – was die Geschäftsmiete betrifft. Einen Katzensprung entfernt liegt der Paradeplatz. Unter ihm lagern in den Tresoren der Banken Goldschätze. An einer Ecke laden Schoko-Kreationen der Confiserie Sprüngli zum Naschen ein. Besonders beliebt sind die Luxemburgerli, eine Antwort auf die Macarons. 

Zürich ist eine Stadt der kurzen Wege, die Öffis funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk. Mit der Zürich Card –  sie gilt für Zug, Straßenbahn und Schiff – ist man günstig unterwegs.