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Fündig geworden: Lela und Ivana sind ein erfolgreiches Duo. © Karlic Tartufi

Trüffeltraum Istrien

Die kroatische Halbinsel hat sich zum wahren Schlaraffenland gemausert, mit der Trüffel an der Spitze des Genuss-Olymps. GUTE REISE begab sich auf Jagd nach dem „schwarzen und weißen Gold“ in die istrischen Wälder. 

"Bravo, Lela, bravo!“ Immer ­wieder ruft Ivana quer durch den Wald ihrem Lieblingshund ­anspornende Kommandos zu. Lela ist auf der Suche nach den heiß begehrten Trüffeln, die im istrischen Boden verborgen sind. Die 13 Jahre alte Hundedame ist der Star unter den Trüffel­suchern, und Stars wollen umschmeichelt werden. Im Lauf geht es durch den ­Eichenwald unweit von Paladine und nahe des Butoniga-Stausees, wir springen über Wurzeln und niedrige Sträucher und versuchen, auf dem nassen Terrain nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Sonne schickt vereinzelt Lichtstrahlen durch das Astgeflecht über uns. Auch wenn Ivana Lela nicht aus den Augen ­verlieren darf, so kommt sie doch zum ­Erzählen: „Ich bin die dritte Generation der Trüffeljäger-Familie Karlic. In meiner Familie jagen alle: Oma, Mama, Papa, mein Bruder und auch mein Freund.“

Auf einmal ist es aus mit dem Plaudern, jetzt wird es ernst. Lela beginnt ein paar Meter vor uns wie wild zu graben. Jetzt muss Ivana schnell sein. Sie stürmt zum Hund, wirft sich auf die Knie und reißt ihn zur Seite. Da in der feuchten Erde muss der Schatz verborgen sein. Den hätte Lela gern, die Köstlichkeit ist aber für andere bestimmt. Ivana gräbt selbst mit ihren frisch manikürten Fingernägeln, während sie Lela mit der anderen Hand wegdrückt. Dann darf wieder die Hündin kurz die Krallen in den Boden vergraben.

Der besondere Bodenschatz

Es herrscht ein intensives Gerangel zwischen Mensch und Tier auf dem matschigen Waldboden, den schließlich Ivana gewinnt. Triumphierend hält sie eine vier Zentimeter große Trüffelknolle in der Hand, die gleich im Schutz ihrer Hosentasche verschwindet.

Im Landesinneren von Istrien ist das ganze Jahr über Trüffelzeit: „Schwarze Trüffel gibt es bei uns immer“, erzählt Ivana. „Die noch begehrtere Weiße Trüffel findet man aber nur zwischen September und Jänner.“ Bei der Gelegenheit gibt es gleich ein weiteres Kapitel in Sachen Trüffel-ABC: „Vergiss das mit den Trüffelschweinen, das ist nur ein PR-Gag. Auf Trüffeljagd geht man mit Hunden.“ Und die werden mehr als zwei Jahre lang sorgsam ausgebildet und trainiert.

Die Familie Karlic hat bei ihren Touren in die Trüffelwälder acht Hunde im Einsatz. Jeder von diesen Vierbeinern hat einen symbolischen Wert von rund 7.000 Euro. Nicht ohne Stolz erzählt Ivana: „Weib­liche Trüffelhunde sind bei der Jagd viel, viel besser, die lassen sich nämlich nicht so leicht ablenken wie männliche.“ Wie ist das eigentlich, wenn man täglich mit Trüffeln zu tun hat, wenn man dauernd diesen besonderen Duft in der Nase und diesen intensiven Geschmack auf der Zunge hat? Kann man sich da sattessen? „Aber geh“, sagt Ivana, „ich liebe doch meine Hunde, die Natur und die Trüffeln. Am liebsten habe ich unsere Pljukanci mit frischer Weißer Trüffel, nach einem ­alten Rezept meiner Oma. Sie ist 78 Jahre alt und jagt immer noch jeden Tag in den Wäldern.“

Ihr Mann, Ivanas Großvater, begann vor 45 Jahren mit der Trüffelsuche und legte damals den Grundstein für das heute ­florierende Familienunternehmen Karlic. Damals krähte noch kaum ein Hahn nach diesem unter der Erde wachsenden Pilz. Heute ist alles anders, heute ist die Trüffel in allen Haubenküchen so begehrt wie Kaviar.

Zu den Wegbereitern der istrischen Trüffelrevolution zählt auch Giancarlo Zigante, der ein paar Hügel weiter in Livade ein Genussparadies sein Eigen nennt. Der größte Trüffelfund aller Zeiten hat ihn ins „Guiness-Buch der Rekorde“ gebracht – und ihm den Ruf des „Trüffelkönigs“. 

Istriens Exportkaiser

Dagegen mauserten sich die Karlic zum „Export­kaiser“. Denn niemand verkauft hier mehr ­frische Trüffeln, ob Schwarz oder Weiß, als die Familie von Ivana. „Sogar bis nach Japan und in die USA ­exportieren wir“, sagt sie voller Stolz. 

Aber natürlich schmeckt jede Köstlichkeit dort am besten, wo sie wächst und gedeiht. Das ist bei der Trüffel nicht anders. Und in Istrien muss man keine teuren ­Feinschmeckerrestaurants aufsuchen, um in den Trüffelhimmel aufzusteigen. Hier kann man hervorragende Trüffelgerichte in den allereinfachsten Konobas am Land mit hoher Qualität genießen. Oft stammt die edle Zutat von Karlic. „Aber natürlich schafft das unsere Familie nicht alleine“, erzählt Ivana am Ende der Trüffeljagdtour, die sie das ganze Jahr über und an fast jedem Tag für Inte­ressierte anbietet. „Wir haben in der Gegend ein Netz von rund 400 lizenzierten Trüffeljägern, von denen wir die beste Ware zukaufen.“ 

Trüffel passt zu allem

Als Belohnung für unsere strapaziöse Ochsentour durch den Wald serviert Ivana im stylishen Verkostungstempel alle mit Trüffel veredelten Köstlich­keiten: von verschiedensten Vorspeisen wie Wurst oder Käse über Eierspeise mit Trüffeln bis zu Süßgebäck mit dem speziellen Aroma und Geschmack. Auch Honig, Olivenöl sowie Aceto ­Balsamico mit Weißen Trüffeln werden gereicht. Zum Verdauen gibt es Brände und Likör mit Trüffelgeschmack. Im schönsten Schlaraffenland sitzen wir hier, der Blick wandert durch die riesigen Glasfronten der Tasting Lounge hinaus in die istrische Landschaft und auf die gegenüber­liegenden Hügel. Währenddessen schlummert Lela in ihrem Zwinger sanft dahin, die Tour hat die alte Lady ermüdet. Jetzt flüstere ich ihr als Abschied leise zu: „Bravo, Lela, bravo!“

Tipp: Der Kroatien-Profi

Von Istrien bis nach Dubrovnik im Süden: GRUBER-reisen ist ein wahrer Kroatien-Spezialist. Auf dem Programm stehen Bus- und Flugreisen ebenso wie Angebote für Selbstfahrer. Professionelle Beratung unter Telefon 0316/708 999 oder per E-Mail an buchung@gruberreisen.at.

INSIDERTIPP

Istrien pur: Was Rad-Enthusiast Lorenzo an seiner Heimat so begeistert.

GUTE REISE: Hast du einen Lieblingsplatz in Istrien?
Lorenzo Ausenak: Es gibt so viele unterschiedliche und ganz besondere, dass ich mindestens zwei erwähnen muss: Rovinj und Grožnjan. Beide Städte sind sehr fotogen und sehr romantisch. Wer hierherkommt, verliebt sich in diese wunderschönen Orte und möchte immer wieder zurückkehren. 

Verrätst du dein Lieblingsrestaurant?
Ja, es ist die Trattoria Vodnjanka in Pula. Auf den Teller kommen nur traditionelle istrische Gerichte aus täglich frischen Zutaten vom Grün- und Fischmarkt und aus der Metzgerei. Hier gibt es nicht viele -Touristen und die Preise sind moderat. Übrigens hat der Besitzer einen guten Sinn für Humor. Was will man mehr?

Was sind deine Lieblingsspeisen?
Alles mit frischen Trüffeln, dann der getrocknete Schinken (Pršut), istrischer Ziegenkäse, Pljukanci (Pasta), Maneštra (Gemüseeintopf), Jota (Suppe), Kobasice (luftgetrocknete Wurst) und Fisch. Oh, es gibt so viele großartige Speisen! Dazu noch den großartigen Malvasia-Weißwein oder den Teran-Rotwein. Dazu noch das beste Olivenöl der Welt.

Welche Radtour ist besonders?
Sicher das felsige und wilde Kap Kamenjak. Entweder liebt man es vom ersten Moment an oder man hasst es. Aber 99 % lieben es! Für Familien mit Kleinkindern ist jedoch die flache Marlera-Tour entlang der Küste östlich von Medulin besser geeignet.

Lorenzo Ausenak (51) gründete in Medulin vor mehr als zehn Jahren das renommierte Rental Center, wo er rund 300 hochwertige Fahrräder (Renn-, City-, Mountain- und E-Bikes) vermietet und auch Touren anbietet. Mit einem tollen Service: Die Fahrräder werden an jeden Urlaubsort in ganz Istrien geliefert und dann wieder abgeholt.