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Der romantische Canal Grande ist das beliebteste Fotomotiv von Triest. © iStockphoto

Bella Triestina

Die Hafenstadt Triest ist ein Schmelztiegel der Kulturen und erinnert irgendwie an Wien – nicht nur wegen der Liebe zum Kaffee.

Nirgendwo sonst in Italien wird mehr Kaffee getrunken als in Triest. Und sein Genuss wird hier auch gern zelebriert. So gibt es rund 70 Arten, Kaffee zu trinken. Sie reichen vom Capo in bicchiere (Espresso im Glas mit etwas Milch) über den Caffè viennese (Wiener Cappuccino mit Schlagobers und Zimt) bis zum ­Marocchino (Schokoladenkaffee mit aufgeschäumter Milch).

Weltbekannt sind die Röstereien Hausbrandt und Illy. Ernesto Hausbrandt verbesserte einst die von Luigi Bezzera erfundene Espressomaschine und Illy hat eine Kaffee-Universität gegründet, die Produzenten und Baristas alle Aspekte des Getränks in Theorie und Praxis vermittelt.

Kaffeemetropole

Eine weitere Kaffee-Institution ist die kleine Rösterei La Triestina in der Via di Cavana. Im vollgeräumten Geschäft faucht die Espressomaschine den ganzen Tag und der verführerische Duft der gerösteten Bohnen sorgt für gute Laune. Der Espresso des Hauses ist großartig. Ein Symbol für die Kaffeehauskultur ist das Tommaseo.

Das älteste Caffè der Stadt wurde 1830 mit edlen Wandspiegeln, Thonet-Stühlen und stuckverzierten Decken eröffnet. Es liegt vor dem Molo Audace, der über 200 Meter in die Adria reicht. Der ehemalige Anlegeplatz für Handels- und Kriegsschiffe ist eine beliebte Flaniermeile abseits des Trubels. Vor allem zu Sonnenuntergang.

Am Canal Grande

Gegenüber erstreckt sich das bekannteste Postkarten-Motiv von Triest: der Canal Grande. Er ist das Herz des Borgo Teresiano, das Maria Theresia auf ehemaligen Salzgärten erbauen ließ. Der breite Kanal reicht rund 300 Meter vom Meer bis zur Piazza Sant’Antonio Nuovo. Der Stadtteil der Händler ist heute ein beliebtes Einkaufsviertel, in dem Lokale am Wasser und in der Via San Nicolò zum Aperitif laden. 

Der Wohlstand Triests wuchs rasant mit einem Freihandelspatent, das Triest im 18. Jahrhundert als Umschlag­platz für Waren aus Amerika adelte. Vor allem der Kaffeehandel und das Wissen um das Rösten der Bohnen zog Kaufleute aus ganz Europa an. Schon damals hörte man auf den Straßen Deutsch, Italienisch, Griechisch und slawische Sprachen. Die unterschied­lichen Kulturen haben Triest zu einer weltoffenen Stadt gemacht. Zu
einem wahren ­Schmelztiegel – auch kulinarisch. 

Wahre Gemütlichkeit

Die friulanische Küche vereint die Traditionen Österreichs, Italiens und Sloweniens. Die Spezialisten dafür sind in über 50 Buffet-Restaurants, die vor allem deftige, lokale Gerichte servieren, zu finden. Das Buffet Siora Rosa an der Piazza Attilio Hortis zum Beispiel serviert Porcina (Eintopf), frittierte Sardinen, Brotnockerln mit Gulasch, gepökelte Zunge und Jota, eine Suppe mit Bohnen, Sauerkraut und Kartoffeln. Ein Hit ist auch das Buffet Da Pepi in der Via della Cassa di Risparmio. Während die meisten Buffets lokale Hausmannskost zelebrieren, bringt Da Pepi das Fleisch in aller Vielfalt auf den Teller: Von der Schnauze bis zum Bauch, vom Schinken bis zur Schweins­stelze ist alles dabei. Meist garniert mit frischem Kren. 

Auf ein Schwätzchen

Nur einen Katzensprung vom Canal Grande entfernt liegen zwei Institutionen der Stadt an der Piazza San Giovanni. In der kleinen Enoteca Gran Malabar lässt der Krimiautor Veit Heinichen seinen brummigen Commissario Laurenti ein und aus gehen. Und auch er ist in der bestsortierten Weinbar von Triest öfter anzutreffen. Schließlich ist diese Bar ein wunderbarer Ort der Geselligkeit, an dem es sich lange aushalten lässt. Auf der einen Seite des Treffs stapeln sich alle interessanten Weine der Region im bis zur Decke reichenden Regal. Ein Paradies für Fans des edlen Tropfens. Zum Glas Wein reicht man einen Teller mit köstlichem Prosciutto sowie Käse aus dem nahen Karst als kulinarische Unterlage. 

Die andere Seite der Bar ist dem Kaffeegenuss vorbehalten. Sie bietet all Platz, die auf einen Espresso und ein Schwätzchen mit den Gästen vorbeischauen. 

Klein-Wien am Meer

Gleich neben der Malabar ist die alte Drogheria Vittorio Toso, seit 1906 geschätzt für Gewürze und Heilpflanzen. Als Schaufenster-Deko dienen zig Naturschwämme. Wer das Geschäft betritt, macht einen Sprung in die Vergangenheit. In Triest war der Platz schon immer recht knapp. Die alte Hafenstadt liegt eingezwängt zwischen dem Meer und den Anhöhen des Karsts, der die Grenze zu Slowenien bildet. Auf den ersten Blick schaut Triest nicht typisch italienisch aus. Die historischen Gebäude erinnern mehr an Wien. Kein Wunder, schließlich war Triest rund 500 Jahre der wichtigste Hafen Österreich-Ungarns. 

Schönste Aussicht

Auf der Piazza Unità d’Italia mischt sich Wiener Ringstraßenprunk mit der italienischen Gelassenheit. Das prächtige Rathaus und mächtige Handelshäuser begrenzen den zum Meer offenen Platz. Der liegt exakt dort, wo früher das alte Hafenbecken war. Unzählige in den Boden eingelassene blaue Lämpchen ­erinnern ­daran, bis wohin das Wasser der Adria einst reichte. In der Nacht sorgen sie für ein glitzerndes Farbenspiel. 

Die Stadt ist fast 2.000 Jahre alt. Daran erinnert am Fuße des Colle di San Giusto das Amphitheater Teatro Romano, das einst am Meeresufer lag. Heute dient es im Sommer als Spielstätte für ein Open-Air-Festival. 

Über kleine Treppen und Gäss­chen kommt man nach wenigen Minuten zur Burg und Kathedrale. Für Lauffaule: Es gibt im Parkhaus einen Lift, der auf den befestigten Hügel hinaufführt. Von der mittel­alterlichen Burg Castello di San Giusto aus genießt man einen herrlichen Ausblick über Stadt, Hafen und Karst. 

Rauf auf den Karst

Mit der alten Straßenbahn Tram di Opicina geht es von der Piazza Oberdan rund fünf Kilometer hinauf auf den Karst. Die Strecke verzeichnet einen Höhenunterschied von 329 Metern, das Gefälle hat bis zu 26 Prozent. In Opicina hat man einen fantastischen Blick auf den Golf. 

An den sonnigen Hängen des Karsts gedeihen Spitzenweine wie Terrano (Rotwein) und ­Vitovska (Weißwein). Und der Refosco ist wie die Menschen: unkompliziert. Top-Winzer sind Benjamin Zidarich, Edi Kante, Sandi Skerk und Matej Lupinc – alle aus Prepotto.

Gigantische Grotte

Der Karst beherbergt auch ein Naturwunder: eine der größten Tropfsteinhöhlen der Welt. Wenige Kilometer von Triest lädt die Grotta Gigante zum Staunen ein. Sie steht auch im Buch der Rekorde. Allein die Grande Caverna ist gewaltig. Die Kammer hat eine Höhe von 98 Metern, ist 167 Meter lang und 76 Meter breit. Ein Naturjuwel.