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Weltbekannt ist die Barockstadt Avola an der Ostküste Siziliens für ihre schönen Sandstrände und für ihren Wein, den Nero d’Avola. © Shutterstock

Buon appetito auf Sizilien

Die größte Mittelmeerinsel ist nicht nur reich an Kultur: Schwertfisch und Safran, Mandeln und Maulbeeren, süße Cannoli und fischiger Couscous sind die Zutaten einer kulinarischen Entdeckungsreise durch Sizilien.

Zitronen, überall Zitronen. Sie sind das Sinnbild Siziliens. Die Araber brachten sie vor 1.000 Jahren auf die sonnengeküsste Mittelmeerinsel, mit Johann Wolfgang von Goethe fanden sie Eingang in die Literatur. „Das Land, in dem die Zitronen blühen“, schwärmte der Dichter und Naturforscher einst. Vielleicht Tausende Zitronenbäume wachsen in dem 120 Hektar großen biologischen Hain, den Chiara Lo Bianco bewirtschaftet. Es ist ein kleines Paradies an der Ostküste bei Syrakus, voll singender Vögel, summender Bienen und bunter ­Schmetterlinge. Hier wachsen sowohl Valencia-Orangen als auch typisch sizilianische Zitrusfrüchte wie Tarocco-Orangen und Femminello-Zitronen. 

„Ich liebe den Geruch der Zitronen im Frühling“, sagt Chiara Lo Bianco. Inmitten ihres Zitrusfruchthains haben sie und ihr Mann ein kleines Bio-Hotel entstehen lassen. 

Traditionelle Rezepte

Gekocht wird nach den Rezepten der Mutter und mit dem Obst und Gemüse aus eigenem Anbau. „Der Geschmack und die Farbe sind einmalig“, ist die 39-Jährige begeistert. Das liege an der dunklen, mineralischen Erde des Ätna, welche die Pflanzen seit Jahrtausenden nähre, und an dem mediterranen Klima mit trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern. Der Überfluss an Obst und Gemüse war schon den alten Griechen bekannt. 

„Hier tragen die üppigen Bäume beständig Granatäpfel und Birnen und ­rötlich gesprenkelte Äpfel, saftige Feigen und pralle Oliven, glatt und dunkel“, schwärmte Homer. 

Griechen, Römer, Araber, Normannen und Spanier, alle haben sie auf Sizilien ihre Spuren hinterlassen – kulturell und kulinarisch. Doch es ist vor allem das ­arabische Erbe, das sizilianisches Essen so besonders macht. Sie brachten die allgegenwärtigen Melanzani und Zitrusfrüchte mit, sie verwendeten Safran zum Würzen und sie bauten auf den fruchtbaren Vulkanböden der Ebenen Mandeln und Pistazien an. 

Im Schatten des Ätna

Von Catania schwärmt nur selten jemand. Die Stadt im Schatten des Ätna ist laut, chaotisch und ungepflegt. Mit ihren Gebäuden aus dunklem Vulkangestein wirkt sie auf den ersten Blick abweisend. Hinter der Piazza del Duomo verbirgt sich aber einer der malerischsten Fischmärkte des gesamten Mittelmeerraums, La Pes­cheria, wo Fischhändler morgens lautstark ihre Ware anpreisen. Hier biegen sich die Tische unter der Last enthaupteter Schwertfische, rosaroter Garnelen und Sardinen auf Eis. Mutige schlürfen gleich auf dem Markt das blutrote Fleisch von Seeigeln.

Schwertfisch, pesce spada, gilt als der feinste und teuerste Mittelmeerfisch, die besten Exemplare werden zwischen Mai und Juli in der Straße von Messina gefangen. Die silbrigen Sardinen landen meist als Pasta con le sarde, Pasta mit einer Sauce aus im Ofen gegarten Sardinen, Pinienkernen, Rosinen, Safran und wildem Bergfenchel, auf den Tischen der Trattorien. Es ist dies das berühmteste
aller sizilianischen Nudelgerichte. 

Eine vegetarische Spezialität aus Catania heißt Pasta alla Norma (Nudeln mit gebratenen Melanzani, reifen Tomaten und gesalzenem Ricotta), die angeblich nach der Oper von Vincenzo Bellini benannt wurde. 

Eisparadies Noto

Das noble Noto mit seinen honigfarbenen, im Sonnenlicht golden schimmernden Häusern ist die prachtvollste Barockstadt Siziliens. Für seine Bewohner steht fest, dass es hier auch das beste Eis der Insel, ja ganz Italiens gibt. Und so ist es in Noto ganz normal, den Tag mit Eiscreme zu beginnen – entweder mit einer eisgefüllten Brioche oder mit einer Granita, einem zerstoßenen Eis, das mit Obstsaft, Kaffee oder Mandelmilch gemixt und mit einem Schlagobershäubchen verziert wird. Die köstliche Granita di gelsi (mit Maulbeeren) gibt es nur in den Sommermonaten. 

Nur wenige Kilometer von Noto entfernt liegt im Südosten Siziliens ein weiteres barockes Musterstädtchen, Modica. Hier klettern die Häuser förmlich an den steilen Kalksteinhängen empor. Weit über Sizilien hinaus ist die Kleinstadt für ihre dunkle Schokolade bekannt. Die mit Zimt, Vanille, Orangenschalen oder gar mit Chili und Pfeffer gewürzten Köstlichkeiten sind eine Hinterlassenschaft der spanischen Stadtherren, die dieses Rezept von den Azteken aus Mexiko mitbrachten.

Dolci sind die Königsdisziplin der sizilianischen Küche. Die Cassata ist eine Schichttorte, die aus Frischkäse, Biskuitkuchen, Mandelpaste, Zuckerglasur und kandierten Früchten besteht. In der Gegend von Taormina sind die Cannoli zu Hause. Die frittierten Teigrollen sind mit süßem Ricotta gefüllt und werden mit Orangenschalen, Pistazien oder Schokoladenstückchen verfeinert. 

Süße Verführung

„Lass die Waffe liegen, nimm die Cannoli“, wussten schon die Gangster im Mafiafilm „Der Pate“. Selbst in den schicksten Restaurants legt man Messer und Gabel weg, wenn die Cannoli serviert werden. Ebenfalls mit den Fingern isst man die
pikanten Arancini. Dabei handelt es sich um panierte Reisbällchen, die mit Fleisch, Erbsen, Tomaten und Käse gefüllt werden und ein beliebter Straßensnack sind. 

Arabische Wurzeln

Westlich von Siziliens Hauptstadt Palermo nähert sich Italien Nordafrika. Das sieht man, das hört man, das schmeckt man. Noch heute klingen die Namen vieler Orte arabisch und statt Fleisch und Pasta wird gerne der nach Zimt und Safran duftende Fisch-Couscous serviert. Dem Couscous ist ein Mal im Jahr – im September – ein ganzes Fest gewidmet, das im alten Fischerdorf San Vito Lo Capo stattfindet. 

Ein weiteres kulinarisches Erbe der Araber ist das Pesto alla Trapanese, zubereitet aus frischen Tomaten, Mandeln, Basilikum und Knoblauch. Die Speise verdankt ihren Namen dem auf einer Landzunge gelegenen historischen Ort Trapani, einer attraktiven Stadt miteleganten Barockbauten und einer herausgeputzten Fußgängerzone. Früher lebte man in Trapani von Korallen, Thunfisch und der Salzerzeugung; hier wurde der Dosenthunfisch erfunden. Überlebt hat nur die Salzindustrie. In den im Sonnenlicht glitzernden Salinen südlich der Stadt werden heute noch jährlich etwa 100.000 Tonnen Salz produziert – angeblich das ­geschmacksintensivste Salz Europas. „Erst dann bist du wirklich daheim auf Sizilien, wenn du sieben Handvoll Salz zu dir genommen hast“, lautet ein sizilianisches Sprichwort.

Der Schwarze Wein

Mit mehr als 120.000 Hektar Anbaufläche ist Sizilien Italiens größte Weinregion. Der bekannteste Wein, der Nero ­d’Avola, ist ein kräftiger Rotwein, der dem Syrah ähnelt und in den vergangenen Jahren zu einem richtigen Modewein geworden ist. In Marsala, südlich von Trapani, wird der berühmte gleich­namige Likörwein gekeltert und in den Variationen trocken, süß oder lieblich ausgeschenkt. Die Araber gaben der Stadt an der westlichsten Spitze Siziliens, nur 140 Kilometer von Tunesien entfernt, ihren Namen: Marsah-al-Allah, Hafen Gottes. 

Und göttlich, ja, so fühlt man sich bei einer kulinarischen Reise durch Sizilien. 

GUTE TIPPS Sizilien

Übernachten

In einem Zitrusfruchthain liegt La Casa di Melodas kleine Bio-Hotel von Chiara Lo Bianco, mit Speisen aus dem eigenen Anbau, Pool und zwölf Zimmern. Das Landgut befindet sich unweit der bekannten Barockstadt Syrakus, nur fünf Kilometer vom Meer entfernt.

Mitten in der Altstadt der Küstenstadt Trapani, nur fünf Gehminuten vom Hafen entfernt findet man das Hotel San Michele. Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, wunderbares Frühstück im Innenhof.

Essen

In einem stattlichen Barock-Palazzo gegenüber dem Dom von Ragusa liegt eines der besten Restaurants der Insel, Ristorante Duomo. Küchenchef Ciccio Sultano interpretiert sizilianische Klassiker auf moderne und unkonventionelle Art. Reservierung erforderlich! 

Dolci

Im Bergort Erice befindet sich die wohl berühmteste Konditorei Siziliens. Inhaberin ist Maria Grammatico, deren Leben im Buch „Bitter Almonds“ erzählt wurde. Köstliche sizilianische Marzipanfrüchte, Mandelgebäck und Nugat. Ein Klassiker!

In der Seitengasse Via Silvio Spaventa in Noto wird die beste Eiscreme weit und breit angerührt. Neben Klassikern wie Pistazie, Mandel und Orange sollte man auch die Hausspezialitäten im Dolceria Corrado Costanzo probieren: Gefrorenes aus Johannisbrot, Kaktusfeige sowie das mit Jasminblüten aromatisierte Maulbeereis. 

Das in vierter Generation geführte Caffè Sicilia in Noto ist weithin bekannt für seine tolle Granita (zerstoßenes Eis), die je nach Saison mit Wilderdbeeren, Maulbeeren oder Mandeln vermischt wird. Hier waren schon Robert De Niro, Giorgio Armani und Julia Roberts zu Gast.

Buchen

Sizilien-Rundreise: Acht Tage auf der Sonneninsel bietet Raiffeisen Reisen. Termine: 31. 5., 20. 9.,. 13. 10. Preis: ab € 999,– p. P. Von Wien aus geht es mit AUA nach Catania. Auf dem Programm stehen der Ätna und Taormina, Noto und Syrakus, Piazza Armerina und Cefalù, Palermo, Monreale und Agrigent. Infos: Telefon 0800 66 55 74 oder E-Mail info@raiffeisen-reisen.at.