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Nicht nur Super-Yachten, auch die bunten Fischerboote prägen Nizzas Hafenbild. © Shutterstock

Weekend in Nizza

Das Fernweh ist wieder besonders stark, die Urlaubszeit aber nur knapp bemessen? Ein Trip nach Nizza geht immer. In kürzester Zeit holt man hier das Maximum an Erlebnissen und Genuss für sich heraus.

Wir haben es ausprobiert und sind über ein verlängertes Wochenende in die größte Metro­pole an der Cote d’Azur geflogen. In nur anderthalb Flugstunden ist man am Meer, hat Staub gegen Strand, Häuserschluchten gegen Uferpromenade, Grau gegen Blau und die eigene Tapete gegen französische Gardinen ausgetauscht. Nizza ist ein Geheimtipp, wenn man eine Garantie auf Sonne und Wärme haben will, denn beides gibt es hier das ganze Jahr über. Sowie Palmen, blühenden Ginster und gefüllte Schanigärten. 

Charme abseits des Jetsets

Das champagnertrunkene Jetset-Publikum und die Filmstars der 1950er- und 1960er-Jahre, die die Städtchen entlang der Küste zu legendären Nobelorten machten, sind längst nicht mehr hier. Auch beim berühmten Hotel Negresco an der Promenade des Anglais ist der Lack glanzvoller Zeiten etwas abgeblättert.

Und trotzdem fühlen wir uns auch ein bisschen wie Stars, als wir am Flughafen in Nizza ankommen und uns die Sonnenbrillen aufsetzen. Unser Scheinwerfer ist das gleißende Sonnenlicht, die Palmen stehen für uns Spalier, ein mild-würziger Duft vom Mittelmeer weht uns um die Nase und die blumenumrankten Springbrunnen beruhigen unser Gemüt. Magnifique! 

Nizza ist zwar eine der größeren Städte Frankreichs, doch noch immer klein genug, um alle Facetten der Stadt an einem verlängerten Wochenende anzutesten. Alles ist herrlich nah beisammen und der öffentliche Strand quasi mitten im Zen­trum: Einfach vom Marktplatz geradeaus, durch die Stadtmauer durch, ein Mal den Zebrastreifen queren – und voilà, schon ist man „im“ Meer. 

Unser Urlaubsprogramm beginnt mit Genuss – und eignet sich auch für nicht so ambitionierte Gourmets zum Nachmachen. Vormittags durch die Gassen der  Altstadt bummeln, zu Mittag ein langes Päuschen im Café de Turin, um sich dort stilecht französisch bei einem Glas Rosé, Austern und einem frischen Baguette zu stärken.

Dann ab zum Strand und sich je nach Jahreszeit in die Fluten stürzen oder auch nur kokett mit den Wellen flirten. Ein Mittagsschläfchen am Kieselstrand ist Teil des Pflichtprogramms. Wir haben uns auch das noch versüßt und eine Schachtel bunte Makronen eingepackt. Die besten gibt es übrigens beim „Kunst­bäcker“ Eric Kayser. 

Genuss ohne Ende

Und am Abend? Geht es natürlich weiter mit dem Genießen. Neben den noblen Fischrestaurants gibt es auch eine fantastische regionale Küche mit einer bunten Gastroszene. Ein echter Glückstreffer ist das „La Merenda“ mitten in der Innenstadt. In diesem kleinen Lokal mit gemütlichen Holzsesseln und rot-weiß karierten Tischtüchern kocht ein ehemaliger Spitzenkoch, dem der Rummel der großen Hotels und Gastrotempel zu viel wurde und der hier „sein eigenes Süppchen“ kocht.

Wer einen der wenigen Tische ­bekommt – und das ist nicht ganz einfach, denn reservieren kann man hier nicht –, hat das Gefühl, etwas Besonderes zu sein: einer der auserwählten Gäste, die vom Koch persönlich in seinem Wohnzimmer verwöhnt werden. Vor dem Lokal steht übrigens sein Fahrrad, mit dem er jeden Morgen zum Markt fährt und frische ­Zutaten für seine Gerichte holt.

 Eine weitere Entdeckung ist die Pizza. Dass Nizza nur einen Steinwurf von Italien entfernt liegt, fällt nicht nur am südländischen Stadtbild auf – an den Fassaden der Häuser, den quer gespannten Wäscheleinen oder den grünen Fensterläden –, sondern auch in puncto Kulinarik. Denn die Pizza ist hier ebenso heimisch. Allerdings in einer etwas abgeänderten Form, als Pissaladière, die anstatt mit ­Tomaten mit Zwiebelkompott gegessen wird, oft auch kalt oder lauwarm zum Aperitif.

Ein weiteres Gericht, das man hier probiert haben muss, ist die Socca, DAS typische Gericht der Stadt, her­gestellt aus Kichererbsenmehl und auf ­einem Holzofen zubereitet. Als Vorspeise werden Oliven und Croû­tons mit Anchovis-Tapenade gereicht. Und zum ­Abschluss gibt’s die berühmte Tourte de blettes, einen süßen Mangoldkuchen. Fantastisch! 

Paradies für Flaneure 

Mit vollen Bäuchen machen wir einen Verdauungsspaziergang über den Stadtberg mit seinen großen Parks und Grünflächen, wo gechillt, gespielt, getanzt und musiziert wird. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf das azurfarbene Meer, je nach Wetter sogar bis nach Korsika. In der Ferne erkennt man – klein wie Pünktchen – die vielen Boote einer Segelschule, die Kurs auf das nahe Monaco nehmen. 

Wir flanieren durch enge Gässchen, durch die sich neben uns zahlreiche Mopeds quetschen, und promenieren erhabenen Hauptes, mit dem Kopf stets Richtung Sonnenschein, über großzügige Plätze wie den fürstlichen Place Garibaldi oder den Place Masséna, der in elegantem Schachbrettmuster gepflastert ist.

Wer schwindelfrei ist, steigt hier in das Riesenrad und erhascht einen der schönsten Ausblicke über die Stadt. Beim Place Masséna ­beginnt eine der beliebtesten Einkaufsmeilen der Stadt: die Avenue Jean-Médecin. Fast alle bekannten Modelabels verführen zum Shoppen, auch das berühmte Kaufhaus Galeries Lafayette ist vertreten.

Wir aber ziehen weiter und lassen uns auf dem Cours Saleya, dem sogenannten Blumenmarkt, nieder und trinken unser erstes „Pression“, wie man in Frankreich das Bier vom Fass nennt. Auf dem bekanntesten Platz der Stadt finden regelmäßig Märkte statt mit Antiquitäten, Gemüse, Kunst, Fisch und natürlich den Blumen, die dem Platz auch seinen Namen verleihen und zum ganzjährigen, frühlingshaften Charme Nizzas beitragen. 

Betörende Duftwelten 

Dann duftet es überall nach Mimosen, Ginster und Lavendel. Oder strömt dieser liebliche Duft doch aus dem kleinen Fragonard-Laden? Der weltbekannte Parfumeur aus Grasse hat hier am Platz auch ein Geschäft. Wer hier reinkommt, dem weht der Duft der Provence um die Nase: Lavendelfelder, Orangenbäume und Olivenhaine.

Man findet neben den beliebten und exklusiven Seifen auch andere hochwertige Körperpflegeprodukte in kunstvoll-verspielten Designer-Flacons und ­andere schöne Dinge für sein Zuhause. Ein wahres Muss für Duftexperten. 

Etwas benommen von den herrlichen ­Gerüchen wanken wir ins nächste Bistro und lassen sowohl Düfte als auch Stimmung der Stadt auf uns wirken. Zum Parfum­odeur mischt sich schnell wieder ein salziges Meereslüfterl mit Fischnote. Die vielfältigen Gerüche haben nicht nur die Fantasie, sondern auch den Magen ­angeregt. Als hätte es der Kellner geahnt, stellt er uns als Appetizer eine Schale ­marinierter Oliven hin – klein und schwarz, wie sie hier üblich sind. 

Wo die Kunst zu Hause ist

Aber auf eines darf man natürlich auch nicht vergessen, wenn man nach Nizza kommt: auf die ebenso traditionsreiche wie lebendige Kulturszene. Das Licht der Stadt hat bekanntlich nicht nur Sonnenanbeter angezogen, sondern auch große Künstler. Große Museen sind eine einzige Huldigung an Maler wie Henri Matisse oder Marc Chagall. 

Ein echtes Kulturhighlight ist das ­Mamac, das Museum für moderne Kunst – prominent im Zentrum und aufgrund seiner Größe und Architektur kaum zu übersehen. Auch sehr zentral, gleich ­neben dem Marktplatz, befindet sich das kleine, aber feine Museum of Photography Charles Nègre, das große Namen der Fotokunst zeigt, sowohl zeitgenössische als auch historische.

Weiter oben auf einer Anhöhe liegt in einem idyllischen Park das Musée Matisse, das dem großen Künstler gewidmet ist. Allein das wunderschöne Gebäude und die prachtvolle Anlage sind schon einen Besuch wert. 

Ausflug entlang der Côte 

Selbst ein Wochenende ist nicht zu kurz, um über den Tellerrand von Nizza zu ­blicken, denn die Stadt ist die ideale ­Basis für Ausflüge und Sport jeglicher Art. ­Neben Wassersport kann man im Hinterland auch superb klettern, wandern, bergsteigen, Ski fahren, mountainbiken etc.

Es empfiehlt sich auch eine Fahrt mit dem Zug (Lignes d’Azur) die ganze Côte d’Azur entlang und ein Stopp je nach Lust und Laune in den mondänen Küstenorten Cannes, Saint-Tropez oder Monte-Carlo. Wir ­haben uns auch in die Bahn nach Monaco gesetzt und einen ­Tagesausflug zu den Garibaldis gemacht, die hoch über der Stadt in einem Palast thronen. Genau ­genommen ist die Stadt eine einzige Steilküste, an dessen Abhang sich die Hochhäuser türmen und schachteln. Unten im Hafen reiht sich eine ­Luxusyacht an die andere. 

Und schon wieder fühlen wir uns wie kleine Stars und versuchen, das ehemalige Flair der Cote d’Azur zu erahnen. Doch auch die Gegenwart hat hier so viel zu bieten und lässt einen binnen kürzester Zeit in den Genießermodus verfallen.

Informationen unter www.explorenicecotedazur.com/en

GUTE TIPPS 

Genuss

Le Safari
Ein etwas gehobeneres Lokal mit echter Niçoiser Küche. Obwohl es sich am Touristenplatz schlechthin befindet, ist es auch bei den Einheimischen äußerst beliebt. Es wird vor allem serviert, was aus dem Meer kommt.

www.restaurantsafari.fr 

La Merenda
Der Chefkoch vom Negresco Dominique Le Stanc, geehrt mit zwei Michelin-Sternen, hat der schillernden Top-Gourmetszene den Rücken gekehrt, um selbst ein kleines, feines Lokal zu eröffnen und sich wieder auf das Kochen selbst zu konzentrieren. Sehr süßes und französisches Lokal mit einer Handvoll winziger Tische und rot-weiß karierten Tischdecken. Geöffnet Montag bis Freitag. Kein Telefon, Reservierung vor Ort oder über Instagram und Facebook. 4, Rue Raoul Bosio – 06300 Nice
www.lamerenda.net

Chez Pipo
Sehr unkompliziert, rustikal und lebendig. Ein Lokal mit absolut authentischer regionaler Küche. Hier gibt es die beste Socca (Kirchererbsenpfannkuchen) der Stadt.

www.chezpipo.fr

Kultur

Musée d’Art Moderne 
et d’Art Contemporain Das Mamac beheimatet in imposanter, moderner Architektur u. a. eine Pop-Art- und New-Realism-Kollektion sowie Werke der französischen Künstler Yves Klein und Niki de Saint Phalle.
www.mamac-nice.org 

Musée Matisse
Dieses Museum zeigt das Werk des Künstlers aus all seinen Schaffensperioden und befindet sich in einer wunderschönen Villa im Ortsteil Cimiez.
www.musee-matisse-nice.org

Shopping

Nicolas Alziari
DIE Adresse, wenn’s um die Olive geht. Neben besten Ölen und Oliven auch Seifen, Cremes, Holzschüsseln und vieles mehr. 
www.alziari.com.fr 

Fragonard
Düfte! Hier gibt es besondere Produkte, die nicht nur der Nase, sondern auch dem Auge schmeicheln.
www.fragonard.com 

Patisserie Lac 
Die beste Patisserie der Stadt mit feinsten Schokoladen, Tartes und Makronen. 
www.patisseries-lac.com 

Ausflug

Meereskunde in Monaco
Wer den Abstecher nach Monaco wagt, darf am Ozeanographischen Museum und am Institut für Meereskunde nicht vorbeigehen. Das Museum ist eine Liebeserklärung ans Meer und seine Bewohner. Das Gebäude kommt einem Fürstenpalast gleich (wurde auch von Fürst Albert gegründet) und ist direkt über dem Meer in die Steilküste hineingebaut. Die Lage ist kaum zu toppen. Apropos: Am Dach des Museums befindet sich außerdem ein herrliches Restaurant mit Sonnendeck und Panoramablick.
www.visitmonaco.com/de 
musee.oceano.org