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In Zermatt gehören die Straßen den Elektrotaxis. © Zermatt Tourismus

Zermatt: Die Nachhaltigkeit und der Tourismus

Fremdenverkehr und Umweltfreundlichkeit sind oftmals ein Widerspruch in sich. Gerade in beliebten Skiorten klappt es in Sachen Nachhaltigkeit oft nicht. Zermatt am Fuße des Matterhorns zeigt, wie es gehen kann.

Schon beim Verlassen des Zermatter Bahnhofs spürt man, dass etwas anders ist als sonst. Gleich darauf folgt die Erkenntnis: Nirgendwo stehen reihenweise Autos. Zermatt ist seit jeher autofrei. Private Pkws kommen nicht weiter als ins fünf Kilometer entfernte Täsch und die Straße bis Zermatt ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Problem ist das keines. In Täsch gibt’s genügend Parkplätze und der Zug zwischen den beiden Orten fährt im 20-Minuten-Takt.

Umweltschutz mit Charme

In Zermatt gibt es mehrere Möglichkeiten, um sich fortzubewegen. zu Fuß, per Pferdekutsche oder auch mit dem Fahrrad. Letzteres wird auch im Winter stark genützt und so sieht man zahlreiche dick eingepackte Drahteselreiter durch die Ortschaft düsen. Eine besonders spannende Innovation sind aber die E-Busse und vor allem die Elektrotaxis. Die charmant altmodisch aussehenden Taxis haben in Zermatt eine lange Tradition, die bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts reicht.

Die heutige Generation an Elektrotaxis hat ihren Ursprung in den 70ern, wird aus dem Hausnetz versorgt und ist vielen vielleicht aus dem Disney-Film „Condorman“ bekannt. Ende der 1970er hätte New York City seine 12.000 Wagen starke Taxiflotte fast nach Zermatter Vorbild gestaltet. Das scheiterte letztlich an der Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. In Zermatt funktionieren die Taxis aber wunderbar. Die Gäste werden am Bahnhof von Vertretern ihrer Hotels abgeholt und quer durch die Stadt hat sich ein intuitiver Verkehrsfluss entwickelt, in dem Fußgänger, Radfahrer und die tückisch leisen Taxis überraschend gut harmonieren.

Wie wichtig der Ort Umweltschutz nimmt, unterstreicht Simona Altwegg von Zermatt Tourismus. „Die Natur mit ihrer wundervollen Bergwelt ist unser Kapital. Da ist es naheliegend, dass uns deren Schutz am Herzen liegt. Nur wer die Natur kennt, erkennt deren Wert. Der Tourismus steht vor der Herausforderung, die Natur einerseits zu erhalten, sie andererseits aber auch erlebbar zu machen. Hier gilt es, ein gutes Gleichgewicht zu finden“, sagt Altwegg.

Nachhaltiger Strom bis nach ganz oben

Auch beim Strom bemüht man sich mit Erfolg um Sauberkeit. 70 Prozent des Strombedarfs werden mit Wasserkraft gedeckt, bei den E-Bussen sind es gar 100 Prozent. Mit den Komposten, die in Zermatt anfallen, wird eine nachhaltige Biogasanlage betrieben. Und: An diversen Orten, etwa an den Stationen der neuen Bergbahn aufs Klein Matterhorn, gibt es Solarenergie-Installationen.

Zahlreiche Gebäude sind Minergie-zertifiziert. Minergie ist eine geschützte Marke für nachhaltiges Bauen in der Schweiz. Darunter befinden sich etwa das Verwaltungszentrum, aber auch das Restaurant Matterhorn glacier paradise, das höchstgelegene Bergrestaurant der Welt auf 3.883 Metern Seehöhe. Diverse Hotels werden komplett mit Erdwärme versorgt und das Alters- und Pflegeheim St. Mauritius erhält die Abwärme der Kunsteisbahn.

Korrekter Umgang mit Energie

Zwei absolute Vorzeigeprojekte in Sachen Nachhaltigkeit sind die SAC-Hütte Monte Rosa und die Gornergrat-Bahn. Die Hütte der Sektion Monte Rosa des SAC (Schweizer Alpenclub), liebevoll Bergkristall genannt, ist dank Photovoltaikanlage, Wärmerückgewinnung und Wasserkreislauf weitestgehend autark. Am Fuße des Monte-Rosa-Massivs auf 2.883 Metern Seehöhe eine starke Leistung. Die Gornergrat-Bahn, die vom Dorfzentrum bis auf den 3.089 Meter hohen Gornergrat führt, zeichnet sich durch Energierückgewinnung aus. Zwei der herunterfahrenden Züge versorgen einen hinauffahrenden Zug mit der nötigen Energie.

Der Einsatz für die Umwelt setzt sich in vielen Bereichen fort. Restaurants bemühen sich darum, einen großen Teil ihrer Gerichte mit hauseigenen oder regionalen Produkten zu kochen. Das Abfallsystem ist preisgekrönt. Gäste werden auf dem Klimahörpfad, der in die Welt der Gletscher führt, via Audioguide mit Klimageschichten konfrontiert und nachhaltig aufgeklärt.

Damit die Alpen auch morgen noch strahlen

Künftige Generationen werden in Zermatt schon frühzeitig für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. Das Kinder-Maskottchen Wolli klärt Kinder bei einer Fahrt mit der Gornergratbahn und bei Wanderungen darüber auf, warum der Schutz unserer Natur so wichtig ist.

Die Natur und das wunderbare Alpenpanorama rund um Zermatt sind ein Geschenk. Allerdings eines, das sensibel und ohne nachhaltigen Schutz gefährdet ist. Die Zermatter zeigen vor, wie charmant und wirkungsvoll nachhaltiges Engagement sein kann und damit können sie definitiv ein Vorbild für Tourismusdestinationen im Alpenraum sein.