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Kunststadt München: Beim Citytrip von GUTE REISE rückte eine Installation von Janet Echelman die Theatinerkirche und den Odeonsplatz ins bunte Licht. © Helmut Widmann

München mal anders

Hofbräuhaus, Marienplatz und Stachus sind ein Muss, aber München hat viel mehr zu bieten. Bewundern Sie mal die Sympathie-Stadt aus luftiger Höh’ und wandern Sie mit uns von der City bis zum Olympiagelände im Norden.

Ein traumhafter Tag kündigt sich schon am frühen Morgen an, wenn man den 360-Grad-Rundblick von der Dachterrasse des noblen Mandarin Oriental Hotels mitten in Münchens Altstadt genießt: wolkenloser blauer Himmel, wohin man schaut. Die beliebte Rooftop-Bar ist noch verwaist und der Pool wartet auf erste Gäste, die beim Schwimmen die fantas­tische Aussicht genießen wollen. Für Entspannung ist aber (noch) keine Zeit, denn München will erst mal erobert werden, und dabei geht es hoch hinaus.

Ausblicke in der Altstadt

Tritt man vor die Pforten des Luxushotels, lässt man das daneben befindliche Hofbräuhaus ausnahmsweise links liegen und steuert gleich auf den Marienplatz zu. Im absoluten Herzen der Stadt ragt der Turm des Neuen Rathauses in luftige Höh’ – die zweite Station der Erkundung Münchens von oben. Hier kann man mit seinen Kräften für die weitere Wan­derung noch haushalten: Hinauf auf 85 Meter Höhe geht es mit einem Aufzug in ­wenigen Sekunden, um sich dann am wohl besten Blick über das Häusermeer bis zum weit entfernten Horizont zu ­erfreuen. Zum Greifen nah ist die Frauenkirche mit ihren beiden charakteristischen Haubentürmchen sowie der Alte Peter, der Turm der ältesten Kirche ­Münchens. Übrigens ist auch dieser zu besteigen, und zwar über 300 Stufen.

Ich lenke aber meine Schritte jetzt zu ebener Erd’ durch die Altstadt und treffe Christiane Haack. Die Bayerin lebte lange in Indien und Kanada, kam schließlich zurück in ihre Heimat und zeigt heute Touristen München. Dabei sind Stadtwanderungen (siehe Infoteil auf der ­folgenden Doppelseite) stark im Trend. Wir folgen jetzt der Nord-Süd-Route und ­spazieren an der Residenz vorbei. Früher war hier das Nordende der alten Stadt, die von einer Befestigungsmauer umgeben war.

Kultur in Maxvorstadt

Während Freunde des klassischen Münchens gerne den Hofgarten und natürlich den Englischen Garten besuchen, führt mich Christiane nach Maxvorstadt. Dies war einst das erste Stadterweiterungs­gebiet, als das enge, mittelalterliche München für die Bewohner zu klein wurde. Heute erwarten uns in diesem Grätzel Kunst und Kultur „at its best“, davon kündet schon das moderne Headquarter von Siemens: Eine im Sommer wohltuende Wasserwand, ein Zen-artiger Innenhof mit großen runden Steinen und nicht ­zuletzt die zehn Meter hohe Skulptur „The Wings“ von Daniel Libeskind sind so etwas wie das Einfallstor ins Museumsviertel. Viele der ausgestellten Schätze verdankt man der Sammelleidenschaft der Wittelsbacher. In dieser Welt der Kunst kann man Tage, ja Wochen verbringen, so groß ist das Angebot der Alten und Neuen Pinakothek, des Lenbachhauses mit Meisterwerken der „Blaue Reiter“-Künstler, des Ägyptischen Museums, der Pinakothek der Moderne mit Matti Suuronens „Ufo“ davor oder des Museums Brandhorst mit einem eigenen Stockwerk großflächiger Arbeiten von Cy Twombly.

Neben Museen und Galerien haben sich in Maxvorstadt auch viele Einrichtungen der Wissenschaft angesiedelt, zum Beispiel die Technische Universität, wo uns der Weg wieder nach oben führt. Hat man keinen ortskundigen Begleiter, fragt man am besten gleich beim Portier nach der Dachterrasse. Dort wartet das Café im Vorhoelzer Forum nicht nur mit Kaffee und Kuchen oder einem von Studenten servierten Lunch, sondern auch mit einem Blick auf das Kunstareal, den Königsplatz sowie die Frauen- und die Theatinerkirche auf. Bei Föhn kann man am Horizont sogar die Alpen erkennen.

Schwabinger Charme

Ganz so weit werde ich es mit Christiane nicht schaffen, aber es geht nach der kurzen Pause weiter in den Norden, nämlich ins bekannte und beliebte Schwabing. Früher eine eigenständige Stadt, die erst im Jahr 1900 eingemeindet wurde, ist Schwabing seit Jahrzehnten das charmanteste Szenegrätzel Münchens. Den Anfang machten, wie so oft, Künstler, die von billigen Ateliers angezogen wurden, zum Beispiel die Maler Franz Marc und Wassily Kandinsky. Den weiteren Aufstieg Schwabings kennt man.

Wer heute noch Kunstluft schnuppern will, geht zum Beispiel in den Akthof, ­einen lauschigen Innenhof in der Türkenstraße. Wo früher Bier gebraut und Pferde eingestellt wurden, sind eine Malschule von akademischen Künstlern, ein Lyrikkabinett und ein Schmuckatelier beheimatet. Von der Kunstoase geht es in eine Naturoase: Drei Häuserblocks entfernt flanieren wir durch den Alten Nördlichen Friedhof, der von altehrwürdigen Jugendstilvillen umgeben ist. Der Friedhof wurde 1868 gegründet und schon nach kurzer Zeit aufgelassen. Ein Glück für die Münchner, haben sie doch dadurch statt der letzten Ruhe für ihre Toten eine Grünoase für die Bewohner gewonnen, bis heute. So sonnen sich Anrainer des Friedhofs auf Parkbänken, spielen Schulkinder auf Wiesen, genießen Picknicker die Ruhe inmitten der Großstadt und tummeln sich zutrauliche Eichkätzchen zwischen den Grabsteinen.

Was wäre die Lebensqualität Münchens ohne solche grünen Lungen, was wäre eine Stadtwanderung ohne solche erholsamen Pausen? Aber die Neugierde treibt einen weiter, schließlich betrete ich mit dem Oberwiesenfeld für mich Münchner Neuland. Früher diente das riesige Gelände dem Militär – für Artillerieübungen, als Exerzierplatz und als Flugplatz, von dem aus Zeppeline gestartet sind. All das mündete in der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. München lag darnieder und der Schutt der zerstörten Stadt wurde am Oberwiesenfeld abgelagert. Bis sich München genau hier neu erfinden sollte, dauerte es noch eine Zeit lang. Denn es war erst Anfang der 1970er-Jahren, als auf den Schutthügeln der Olympiapark errichtet wurde.

Vor genau 50 Jahren: „Mia San Olympia“

Anlass dafür war die Austragung der Olympischen Sommerspiele im August und September 1972. Ein Ereignis, mit dem München die Gastfreundschaft entdeckt hat, mit dem die Isar-Metropole weltweit im Rampenlicht stand und sich insgesamt verändert hat. Nachhaltig, denn das ehemalige Olympiage­lände, um einiges größer als hundert Fußballfelder, ist heute ein beliebtes Erholungsgebiet. Viel Grün, Hügel, Spazierwege, ein See und Sportstätten erwecken den Eindruck, als wäre es hier immer so schön gewesen.

Wer sich auf der Stadtwanderroute quer durch die Stadt dem Olympiapark nähert, durchquert zuerst eine idyllische Schrebergartensiedlung. Dort machen wir einen kleinen Abstecher zur kleinen Ost-West-Friedenskirche, die eher an eine Hütte ­erinnert. Sie wurde in den 1950er-Jahren vom legendären ­russischen Eremiten Väterchen Timofei errichtet, der ein salo­monisches Alter von 110 Jahren erreichte. Vor einigen Jahren bezeichnete der damalige Oberbürgermeister von München, Christian Ude, das Kirchlein übrigens als den „charmantesten Schwarzbau Münchens“. Wie wahr. Wem jetzt nach einer kleinen Einkehr ist, der überquert den Olympiaberg, genießt vom Aussichtspunkt das Panorama und besucht den Biergarten der Olympia Alm. Hier hat ja alles ein Olympia vorangestellt, grad die Brezen bleibt Brezen und die Weisse eben Bier.

Rauf auf Münchens höchste Haarnadel

Gestärkt geht es zur letzten Station unserer Höhentour. Von Weitem sichtbar, ragt der 291 Meter hohe, 1968 eröffnete Olympiaturm in den blauen Himmel. Mit dem Lift erreicht man 185 Meter, knapp über dem Restaurant, das sich um die eigene Achse dreht. Zu Fuß geht es noch bis auf 192 Meter. Von oben erkennt man am besten die Größe des Olympiaparks, schaut ins Oval des Olympiastadions und bewundert die kühne Architektur der BMW-Welt von Coop Himmelb(l)au. Adrenalinmäßig zu toppen wäre das nur mehr mit einer Klettertour aufs Zeltdach des Olympiastadions oder einem Flug mit dem Flying Fox. Ich habe aber eine gute Ausrede: Man muss sich ja auch etwas für die nächste Münchenreise aufheben!
Infos unter www.muenchen.travel

GUTE TIPPS

Bäckerei Julius Brantner
Köstliche Wegzehrung: Die Bäckerei in Schwabing hat nur ein paar Sorten in den Regalen, die sind aber von höchster Qualität.
Infos unter www.julius-brantner.de

Eis von Ballabeni
Gleich vis-à-vis dem Museum Brandhorst ist eine Eisgreißlerei beheimatet: mit besten Zutaten, traditionellen Sorten und neuen Kreationen.
Infos unter www.ballabeni.de

Rooftop-Bar TU München
Nicht leicht zu finden, aber nicht versäumen! Auf dem Dach der TU München in der Arcisstraße 21 genießt man von der Café-Terrasse den Blick auf die Pinakotheken.

Geführte Touren
Wer München zu Fuß erleben will, nimmt am besten an einer der regelmäßig durchgeführten Touren teil, zum Beispiel der Nord-Süd- oder der Ost-West-Passage. Preis: 25 Euro pro Person (Getränk inkludiert). Ein privater Guide kostet für eine Tour von bis zu drei Stunden ab 155 Euro für bis zu zehn Personen.
Infos unter www.einfach-muenchen.de/fuehrung-stadtwandern

Zu Fuss durch München
Ein Stadtführer der besonderen Art: Marko Roeskes „Zu Fuß durch München“ (Droste-Verlag) lädt zu zwölf Spaziergängen quer durch alle Gegenden der Stadt. Mit Routenplänen, Kultur- und Einkehrtipps.

Event-Jahr
Keine andere Veranstaltung hat München so nachhaltig geprägt und verändert wie die Olympischen Spiele im Jahr 1972. Deshalb steht die Stadt das ganze Jahr über ganz im Zeichen von Olympia. Das Programm umfasst u. a. zehn Theater- und Musikaufführungen, 39 Ausstellungen, 14 Gedenkveranstaltungen und 53 Vorträge und Führungen.
Infos unter www.einfach-muenchen.de/olympia-50 und www.muenchen1972-2022.de

Mandarin Oriental Hotel
Das 5-Sterne-Luxushotel liegt mitten in der Altstadt, ein paar Schritte vom Hofbräuhaus entfernt. Das renommierte Mandarin Oriental gilt als ideales Hideaway für einen stilvollen Städtetrip. Im ausgezeich­neten Restaurant Matsuhisa wird man lukullisch verwöhnt und an der Rooftop-Bar genießt man stimmungsvolle Sommerabende. Zimmer ab 600 Euro/Nacht.
Infos unter www.mandarinoriental.de/munich