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Luzern und Vierwaldstättersee - Himmlische Melange

Es ist nicht viel mehr als ein Katzensprung vom Gipfel des Drachenbergs Pilatus auf 2.128 Metern Seehöhe bis runter zur Postkartenstadt am See mit mediterranem Flair. Ein Ausflug nach Luzern bietet das Beste aus zwei Welten.

Wo beginnt man eine Schweizer Erkundung ganz klassisch? Natürlich mit dem Berg. Vor allem dann, wenn der Weg auf den Luzerner Hausberg Pilatus ein so besonderer ist, wie mit der steilsten Zahnradbahn der Welt. Die im Jahr 1890 eröffnete Talstation von Alpnachstad atmet genauso viel Geschichte wie die roten Waggons aus Holz mit samtbezogenen Bänken. Mit dem Pfiff zur Abfahrt beginnt die halbstündige Fahrt nach Pilatus Kulm – mit einer Steigung von bis zu 48 Prozent.

Auf den Spuren der Drachen

Alte Legenden erzählen von Drachen, die früher hier gelebt hätten. Vor lauter Angst wurde den Menschen lange Zeit der Aufstieg auf den Berg verboten. Das war einmal – und so tuckert die Zahnradbahn heute mit uns Meter für Meter höher, durch Tunnels, entlang schroffer Felsen und blühender Wiesen, wo flinke Gämsen unseren Blicken enteilen. Zurück ins Tal schauend wird das Panorama des Vierwaldstättersees immer imposanter. Nach einer über 4,6 Kilometer langen Fahrt und mehr als 1.600 Metern Höhenunterschied erreicht die Bahn die Bergstation. Wer ganz nach oben will, lässt das 1890 eröffnete Grand Hotel Pilatus-Kulm links liegen. Ein schmaler Pfad führt bis zum Gipfel auf 2.128 Meter, der einen mit einem optischen Genuss allererster Güte belohnt: Die Aussicht reicht über die Schweizer Alpen bis zum Schwarzwald und Jura.

Wieder ins Tal geht es – nach der historischen Bergfahrt – ganz modern, nämlich mit der Panorama-Gondelbahn nach Kriens bei Luzern, wo wir nicht lange nach dem „Gipfelsieg“ in eine Stadt voller Postkarteneindrücke eintauchen. Schon von Weitem sichtbar, überspannt die alte Kapellbrücke mit dem achteckigen Wasserturm, dem Luzerner Wahrzeichen, den Fluss Reuss. Mehr als 200 Meter ist die 1365 errichtete Verbindung zwischen einem kleinen Fischerdorf und einem Besitz der Benediktiner lang – und berühmt für ihre Galerie, einen Bilderzyklus unter dem Laubengang mit Motiven aus der Geschichte der Schweiz und der Stadt.

Meisterwerk über der Reuss

Als vor 29 Jahren ein Brand auf der Brücke wütete, wurden von den 110 Bildern 80 ein Raub der Flammen. Ungebrochen ist aber nach wie vor die Faszination, wenn man über dieses hölzerne Meisterwerk spaziert. Während im Fluss die Schwäne majestätisch ihre Runden ziehen und im blauen Himmel Alpensegler, von denen 33 Paare im Wasserturm nisten, tollkühne Luftakrobatik vollführen, führt unser Weg in die heimelige Altstadt der 82.000-Seelen-Stadt. Hinein geht es in das Gewirr enger Gässchen, wo viele reich geschmückte Zunfthäuser vom alten Wohlstand der Stadt zeugen. So ziert das Pfisternhaus der Bäcker gleich 59 Wappen. Weiter geht es zu zwei kleinen, prominenten Plätzen: Der Kornmarkt war einst das politische und wirtschaftliche Zentrum. Dort steht, bewacht von einem 43 Meter hohen, trutzigen Turm, das alte Rathaus, in einer ganz eigenen Mischung aus zwei Stilen: Während der Bau aus dem 17. Jahrhundert nämlich die Renaissance zitiert und so die enge Verbundenheit Luzerns mit Italien ausdrückt, erinnert der mächtige Dachstuhl an den von Schweizer Bauernhäusern.

Keine zwei Gehminuten entfernt, direkt an der Peterskapelle, befinden wir uns auf dem Kapellplatz – und damit auf ureigenstem Boden der Luzerner Fasnacht. Hier thront als Attraktion der berühmteste von 225 Brunnen der Stadt, den eine bunte Säule mit der Figur des Bruders Fritschi an der Spitze ziert. Dabei handelt es sich quasi um den Urvater der närrischen Zeit. Ihm zum Gedenken wird ­jedes Jahr genau an dieser Stelle die ­Fasnacht eingeläutet, am „schmutzigen Donnerstag“, 50 Tage vor Ostern, genau um 5 Uhr morgens. Zahlreiche Gäste aus aller Welt lassen sich dieses Spektakel, das so berühmt ist wie die Guggenmusik aus Basel, nicht entgehen.

Startschuss für die Fasnacht

Ich dagegen lasse mir nicht den Weg zum Ufer des Vierwaldstättersees entgehen. In den Schaufenstern von gut bewachten Edelläden glänzt alles, was unter den Schweizer Uhrenmanufakturen Rang und Namen hat. Wenn man aus dem Gassengewirr der Altstadt heraustritt, streift der Blick hinüber zur imposanten Fassade des Hotels Schweizerhof. Das prächtige Grand Hotel aus dem Jahr 1845 gilt ­sozusagen als Geburtsort des luxuriösen Tourismus am Vierwaldstättersee. Dessen sanfte Wellen breiten sich vor einem aus, wenn man am Nationalquai wandelt.

Vis-à-vis, am gegenüberliegenden Ufer, wo die Reuss aus dem See und weiter gen Norden fließt, winkt das moderne Luzern mit dem 1998 eröffneten, gigantischen Bauwerk des Kultur- und Kongresszentrums mit Konzertsaal und ­Kunstmuseum nach Plänen von Jean Nouvel. Hier hatte der überall gefeierte Stararchitekt jedoch gleich zwei Niederlagen hintereinander einstecken müssen. Zuerst wollte Nouvel direkt über den Vierwaldstättersee bauen, scheiterte aber am Einspruch der Eidgenossen. Dann kam ihm die Idee, das Wasser mit zwei Kanälen in den Bau hineinzuholen. Genialer Gedanke, doch er hatte nicht mit der Tollpatschigkeit mancher Menschen gerechnet. Bei der feierlichen Eröffnung mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado fielen gleich vier Besucher in die Kanäle, darunter sogar Nouvels Schwiegermutter! Seither schützen Geländer an den Kanälen andere vor einem Missgeschick.

Ein solches Problem hat man nicht an Bord eines Schiffs, der Reling sei dank. Empfehlenswert ist die mehrstündige Rundfahrt, um die Gegend, die Uferlandschaften und die Bergpanoramen zu erkunden. Nicht versäumen sollte man zum Beispiel Küssnacht mit der Hohlen Gasse, berühmt geworden durch Friedrich Schillers Drama „Wilhelm Tell“. Auf der südlichen Seite des Sees, der angesichts seiner Uferlänge von 150 Kilometern auch mit dem Auto an einem Ausflugstag umrundet werden kann, erhebt sich das Massiv des Bürgenstocks. Mit der im Jahr 1882 eingeweihten Bahn geht es hinauf zum Kurort mit seinen Luxushotels. Historischen Boden betritt man ganz im Osten des Sees: Hier sollen die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden ihr Bündnis geschlossen und den Rütlischwur geleistet haben. Auch ich schwöre hier: nämlich wiederzukommen.
Infos unter www.MySwitzerland.com und www.luzern.com

Luxus PUR in Vitznau

Vitznau liegt eine halbe Autostunde östlich von Luzern. Der malerische 1.400-Seelen-Ort direkt am See wäre eigentlich ein verschlafenes Dorf, wäre da nicht das Park Hotel Vitznau und sein Besitzer Peter Pühringer. Der erfolgreiche Unternehmer zählt zu den reichsten Österreichern und besitzt unter anderem in Wien das Palais ­Coburg. Das altehrwürdige Park Hotel Vitznau wurde im Jahr 1867 als kleine Pension Pfyffer eröffnet und in den ­ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem Grand Hotel vergrößert. Nachdem Peter Pühringer das Prunkstück im Jahr 2009 erworben hatte, investierte er mehr als fünf­hundert Millionen Franken, wie kolportiert wird, sodass sein Hotel heute zu den luxuriösesten in der ganzen Schweiz zählt.

Woher der Hausherr kommt, ist schon an den Namen mancher Suiten wie „Theater in der Josefstadt“ und „Kammerspiele“ ersichtlich. Als Mäzen und Visionär hat Peter Pühringer aber für die Gegend noch so manche Pläne, um die Region von Vitznau kulturell nachhaltig zu bereichern. Mehr darüber lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben von GUTE REISE.  
Infos unter www.parkhotel-vitznau.ch