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Toskana-Feeling: Istriens Landschaften sind eine stimmungsvolle Kulisse für Radurlauber. Dieses Bauernhaus mit Pool von Novasol ist ein heißer Nächtigungstipp. © Novasol

Im Herzen von Istrien

Unterwegs auf der Radroute Parenzana: Wo vor 100 Jahren die Eisenbahn zwischen Triest und Poreč gemächlich dampfte, strampeln heute Radler. Landschaftlich am beeindruckendsten ist die Strecke zwischen den Traumstädten Grožnjan und Motovun. 

Es war einmal im Jahr 1902. Der Kaiser in seiner Residenz ahnte noch nichts vom Untergang ­seiner Doppelmonarchie, als in Triest ein neues Kapitel der K.-u.-k.-Eisenbahngeschichte aufgeschlagen wurde: Stolz fuhr der Lokführer aus der Stazione dello Stato den ersten Zug der Schmalspurbahn, die die pulsierende Hafenstadt mit dem verschlafenen Landesinneren von Istrien verband und die Endstation an der Küste in Poreč fand. Nach dessen italienischem Namen Parenzo wurde die Linie schließlich Parenzana genannt.

Eine Ewigkeit für 604 Kurven

Mindestens sieben Stunden brauchte die Eisenbahn damals für die 123 km lange Fahrt – eine gemächliche Bummelfahrt. Doch mit der neuen Strecke wurden die Bauern in den einsamen Dörfern Istriens endlich an die „weite Welt“ angeschlossen und konnten ihre Waren auch in Triest und an der Küste verkaufen. Die Langsamkeit der Züge, die sich in 604 Kurven an Hügeln entlang ihrem Ziel entgegenschlängeln mussten, besiegelte aber ihr schnelles Ende, nach nur 33 Jahren wurde der Betrieb auf der Parenzana eingestellt. Die Bahnlinie verfiel in einen jahrzehnte­langen Dornröschenschlaf und die Natur überwucherte die Geleise und die Trasse.

Bis vor 15 Jahren, als die Parenzana wie Phönix aus der Asche entstieg, nämlich als Drei-Länder-Radweg. Heute zählt die Strecke zu den interessantesten Routen für Radurlauber an der Adria, weil sie ­einen einzigartigen Mix aus Landschafts- und Kulturerlebnis bietet. Wer die Parenzana in seiner ganzen Länge befahren will, kann dies an einem anstrengenden Tag schaffen. Für ein gemütlicheres ­Raderlebnis sollte man aber eher drei bis vier Tage veranschlagen. Auf ­italienischer Seite steigt man am besten erst am Grenzort Muggia ein und fährt dann in Küstennähe oder direkt am Meer ohne viele ­Höhenunterschiede durch Slowenien – von Koper über Izola bis nach Piran und Portorož (siehe auch Reportage Seite  30) bis nach Kroatien. Hier beginnt der selektivere und damit auch spannendere Teil der Parenzana. 

Wer weniger Zeit hat und sich auf die ­absoluten Highlights konzentrieren will, dem sei der Abschnitt zwischen der Künstlerstadt Grožnjan und dem reich befestigten Bergdorf Motovun ans Herz gelegt. In Grožnjan hat man mit 293 m über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt der Parenzana erreicht. So wie ­viele andere auf den Hügelspitzen des Hinterlands von Istrien thronende Dörfer war Grožnjan nach den Weltkriegen und dem Exodus eines Großteils der italienischsprachigen Bewohner nahezu aus­gestorben. Bis in den 1960er-Jahren der Bildhauer Aleksandar Rukavina kam und mit ihm andere Künstler, die dem Städtchen neues Leben einhauchten. Heute ­erstrahlt Grožnjan in renoviertem Glanz, beheimatet zig Galerien und ist mit Festivals und Workshops vor allem Mekka für Musiker. Nach einem Bummel in den ­engen Gassen fährt man mit dem Rad den Stadthügel hinunter, biegt in die ­Parenzana ein und fährt in den Tunnel Kalcine, den ersten von mehreren der früheren Eisenbahn. Normalerweise werden diese, gesteuert von Bewegungsmeldern, beleuchtet: Das funktioniert nicht immer, also am besten Stirnlampen mitnehmen. 

Durch Tunnel, über Viadukte

Nach einem Blick zurück auf die Künstlerstadt erwartet einen der Genuss des schönsten Teils der Parenzana. Hier ist man zum Teil noch auf dem groben originalen Schotter unterwegs, auf dem vor fast 120 Jahren die Schienen gelegt wurden. In sanften Steigungen oder Abfahrten, über Viadukte und durch Wälder geht es 32 km bis nach Motovun. Immer wieder erfreut man sich an imposanten Ausblicken ins Mirna-Tal. Eidechsen springen eilig zur Seite ins Gras, mal verirrt sich eine Schlange auf den Weg, dann hoppelt wieder ein Hase, mit Glück erblickt man ein Reh auf ­einer Waldlichtung. Vögel zwitschern die Begleitmusik, dazu das allgegenwärtige laute Zirpen der Zikaden und man wird von ­unzähligen Schmetterlingen umtanzt. In den Eichenwäldern schlummern die köstlichen Trüffeln. Lianenwände, Olivenhaine und Kräutermeere säumen den Weg, dazu ein Farbenspiel aus rosa Tausendgüldenkraut, Kartäusernelke und Kronwicke, aus dem Gelb von Ochsenauge und Labkraut, aber auch Pflanzen mit bizarren Namen wie Christusdorn oder Karotte des Todes.

Es ist eine beschauliche, sanfte Landschaft, die sehr stark an die Toskana erinnert. Oder ans Piemont? Es wird ja kein Zufall sein, dass hier der halb verlassene Ort Završje auf Italienisch ­Piemonte heißt. Man sollte den Weg hinauf zu den Dörfern auf den Hügeln nicht scheuen, auch nicht nach Oprtalj, wo man sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt. Danach geht es hinunter nach Livade auf 12 m Seehöhe, der Trüffel-Hochburg Istriens. Am Gegenhang thront Motovun, das während der ganzen Fahrt ­immer wieder am Horizont aufgetaucht war. Die perfekt erhaltene Mittelalterstadt wird von einem 436 m langen Mauerring ­umgeben und ist lohnender Abschluss einer an Höhepunkten ­ohnehin reichen Fahrt. 

GUTE TIPPS

Konoba Oprtalj

Die authentische Küche des Genusslands Istrien kommt hier auf den Tisch. Unbedingt zu empfehlen: die traditionelle Pasta Pljukanci mit geriebener Trüffel aus den umliegenden Wäldern. Im Gastgarten speist man unter mächtigen Kastanien. Infos: www.facebook.com/Konoba-Oprtalj-Taverna-Portole-470499609756493 

Restoran Amodomio

Mediterrane Genüsse im Künstlerparadies Grožnjan, mit Pizza und vielem mehr. Bei der Tischauswahl hat man die Qual der Wahl: auf dem kleinen Stadtplatz mit historischen Steinhäusern oder auf der Rückseite mit einem tollen Blick ins Land. Infos: www.eistra.info/restoran-amodomio  

Miet- und Transportservice für Räder

Wer lieber „unbeschwert“ in den Radurlaub fährt, findet beim Rental Center in Medulin Istriens besten Anbieter für Leihräder. Lorenzo Ausenak und sein Team liefern die gemieteten Bikes in ganz Istrien überall hin, wo man sie braucht, inklusive Abholservice am Ende des Urlaubs. Zur Auswahl stehen rund 300 Räder, vom Carbon-Rennrad über City- und Mountainbikes bis hin zu hochqualitativen E-Bikes. Die Experten des Rental Centers bieten auch geführte Radtouren zu den schönsten Plätzen der Halbinsel an, vom Naturparadies Kap Kamenjak über eine Stadterkundung von Pula bis zur familienfreundlichen Marlera-Tour entlang der Küste. Infos: www.rentalcenter.hr 

Bauernhaus mit Pool direkt an der Parenzana

Wer das Landesinnere von Istrien erkunden und die Parenzana befahren will, für den hat Novasol das ideale Ferienobjekt: Direkt an der Radroute – auf dem Hügel von Biloslavi unweit von Grožnjan – liegt ein ehemaliges Bauernhaus (Nr. CIL751) für vier Personen mit einem 32 m2 großen Pool und einem eigenen Poolhaus für weitere zwei Personen. Die Renovierung des traumhaften Steinhauses mit idyllischer Panoramalage hat den traditionellen istrischen Flair erhalten. Hier lebt man mitten in der Natur mit vielen Outdoor-Möglichkeiten. Infos: www.novasol.at