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Volosko in der Kvarner Bucht. © iStockphoto

Istrien: Im Rausch der Sinne

Eine aufstrebende Kulinarik-Szene und alte Hotels mit Stil machen Istrien und die Kvarner-Region zum Genussziel. 

Ganz im Trend: Während die einen den ultimativen Reisegenuss in weiter Ferne suchen und viele Strapazen in Kauf nehmen, Jetlag inbegriffen, finden immer mehr Menschen ihre paradiesischen Urlaubsplätze quasi vor der Haustür, nämlich in Istrien. Die Halbinsel in Kroatien ist bequem in wenigen Autostunden erreichbar und vielfältig, wie andernorts ganze Länder. So ist die Adria hier ein Traum an Sauberkeit, sorgt mit ihrem Farbenspiel von Azurblau bis Helltürkis für echte Lust am Schwimmen. Aktive finden das bestausgebaute Rad- und Mountainbike-Netz Kroatiens, und neuerdings steht auch das Wandern unter der kräftigen Sonne auf dem Ferienprogramm. Oder Reiten, ­Golfen und Tauchen. 

Neues Trüffelmekka 

Speziell in diesem Teil des Landes kommen seit einigen Jahren die absoluten Feinspitze auf ihre Kosten. Denn die Eichenwälder der Halbinsel sind mittlerweile das neue Trüffelmekka Europas. Alljährlich im Herbst entdecken die Suchhunde der über 1.500 Trüffelbauern wahre Gaumenschätze im lockeren Boden, die dann ein ganzes Jahr lang in den Restaurants auf dem Teller der Feinspitze landen.

Was bescheiden mit einer Handvoll Restaurants für die ­nahen Italiener begann, ist heute dem Gault Millau alljährlich ein Haubenregen wert. Immer mehr Gastronomen sagen Cevapcici und Spanferkel Adieu und kredenzen stattdessen ­altistrische Rezepte, stets von Trüffeln gekrönt. Dazu gehören etwa Fuži, handgemachte ­Nudeln, die je nach Saison mit Wildspargel, Reh oder Pilzen serviert werden. Oder köstliche Meeresfrüchte wie Seezungen aus Novigrad, Austern aus dem Limski-Fjord und Scampi vom Kvarner. 

Kulinarische Hotspots

Die urigsten Restaurants Istriens sind die rustikalen Konobas: einfache Landgasthäuser, die – mit allerlei Krimskrams und bunten Bildern dekoriert – eine fast muse­ale Atmosphäre ausstrahlen. Kernstück einer echten Konoba ist der mächtige Kamin, wo der Meister des Hauses wie anno dazumal sämtliche Speisen am offenen Feuer zubereitet. Etwa bei Anton Kernjus von der „Konoba Astarea“ in Brtonigla nahe Umag, wo Steaks, Scampi, eine frische Minestra-Gemüsesuppe oder auch der Apfelstrudel in der heißen Asche auf den Punkt gegart zu ihrer Hochblüte kommen. Zu wahren Höhenflügen verführen auch die Gerichte aus Wildspargel. Anton Kernjus kocht dabei mit seiner Frau stets, was die Natur gerade so zu ­bieten hat, und ist dabei durchaus selbstbewusst in seinen Empfehlungen. Was ­bedeutet, dass man vor dem Besuch einen Fastentag einlegen sollte, um die Menge an Köstlichkeiten zu schaffen. 

In den letzten Jahren entwickelte sich aber auch eine sehr ambitionierte Szene aus kreativen und hochwertigen Restaurants. Ein echtes Muss für Liebhaber von Trüffelgerichten aller Art ist ein Besuch im Restaurant „Nono“ im Badeort Umag. Hier passt einfach alles. Die Atmosphäre auf der überdachten Terrasse, die Tischkultur wie auch die Köstlichkeiten, die auf den Teller kommen. Die Fuži-Nudeln mit Scampi könnten nicht besser sein, ebenso das feine Steak mit Trüffeln oder die herrlichen Strudel danach. 

Spezialitäten aus dem Meer

Sein mediterranes Gegenstück hat das „Nono“ im Restaurant „Damir e Ornella“ in Novigrad. Wenn Damir Beletić das Messer wetzt, halten selbst erfahrene Gourmets den Atem an. Der Patron der kleinen Trattoria zersäbelt einem japanischen ­Sashimi-Meister gleich den Branzino und andere Meeresspezialitäten direkt vor den ­Augen der Gäste. Angerichtet in einer fein abgestimmten Cuvée aus Olivenöl verführen seine Köstlichkeiten selbst welterfahrene Genießer wie den Triester Espressokönig Illy oder den Benetton-Clan zu kulinarischen ­Bootsausflügen nach Kroatien. 

Glanz der Belle Époche

Auf der anderen Seite der Halbinsel beginnt die Kvarner-Bucht. Und damit das zweite Genussepizentrum in Kroatien. An ihrem ­oberen Ende ist die Märchenstadt Opatija, als ehemaliger, nostalgischer k.-u.-k.-Badeort Abbazia, ein einzigartiges Kleinod an der Adria: ein historisches Freiluftensemble prachtvoller Jugendstilvillen und -hotels à la Ringstraße, nur unterbrochen von duftenden subtropischen Gärten. 

Iginio Ritter von Scarpa hätte wohl seine Freude, könnte er heute „sein“ Abbazia noch erleben. Denn der Romantiker und Industrielle war es, der 1844 mit dem Bau der klassizistischen Villa Angiolina den Grundstein für den Erfolg der altösterreichischen Riviera an der Adria legte. Mit rauschenden Festen und verklärt-romantischen Gesellschaften zog der Ort immer mehr Prominenz der Habsburgermonarchie an. Den endgültigen Durchbruch schaffte das heutige Opatija, als die k. u. k. Südbahn-Gesellschaft den Ort an das Bahnnetz und damit an Wien und Triest anschloss. Fortan machte Abbazia Bad Ischl, Karlsbad und sogar Monte Carlo und Nizza Konkurrenz. Alle, die Rang und Namen in der damaligen Gesellschaft hatten, ­kamen. Billroth erforschte die medizinischen Besonderheiten der Meeresklima-Kuren, Kaiser Franz Joseph traf hier Kaiser Wilhelm II., Gustav Mahler, Giacomo Puccini, Franz Lehár und James Joyce ließen sich von der subtropischen Idylle inspirieren. 

Gelungene Renaissance

Mit der Neuorientierung Kroatiens nutzte der Ort seine Chance zur Renaissance des ehemaligen Glanzes. Die alten Hotels und Villen wurden renoviert und mit modernstem Luxus in historischer Kulisse zu perfekten Ferienplätzen ausgebaut. Heute erholen sich Gourmets und stilbewusste Gäste an den ausgebauten Steinstränden von Opatija. Dort gibt es stille Winkel und auch ultraschicke Beachclubs im Stile Ibizas. 

Die Restaurants der Opatija Riviera sind längst ernst zu nehmende Mitstreiter um Hauben und Kulinarikpreise. So ist das „Kukuriku“ im kleinen Städtchen Kastav oberhalb Opatijas ein Mekka der Slow-Food-Gourmet-Hedonisten und im noblen „Bevanda“ speist man im jüngst in den elitären Kreis der euro­päischen Jeunes Restaurateurs aufgenommenen ­Top-Restaurant in maritimer Poleposition direkt am Wasser. 

Die alte Kaiser-Franz-Joseph-Promenade verläuft damals wie heute über zwölf Kilometer und verbindet alle Orte der Riviera. An ihrer schönsten Stelle, zwischen dem Stadtzentrum und dem verträumten Volosko, liegt mit dem Adria-Relax-Resort Miramar der gelungenste Hideaway auf historischem Boden.