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Panoramablick auf die alte Speicherstadt, die neue HafenCity sowie den neuen Strandkai. © iStockphoto

Hamburg: Das Tor zur Welt

Die alte Hansestadt, reich durch den Handel mit Bier, Kaffee und Gewürzen, ist heute Europas Knotenpunkt der globalen Wirtschaft.

Die Zeiten sind längst vorbei, als es auf dem ­alten Fischmarkt nur frische Ware aus dem Meer gab. Nur wenige Euro kosten appetitlich hergerichtete Körbe mit Südfrüchten. „Ich gebe dir zum Obstkorb gratis noch ein Kilo Bananen dazu!“, schreit der Verkäufer dem verdutzten Passanten nach. Definitiv eine Schnäppchen.

„Kauft kein exotisches Obst. Da bekommt ihr nur Durchfall“, warnt Schoko Johnny von der Rampe seines Lieferwagens herab. Der magere Marktschreier verhökert jedoch selbst Ware, die so aussieht, als ob sie schon einmal von seinem Lkw gefallen wäre. Der kilometerlange Markt in Altona ist jeden Sonntagmorgen der perfekte Ort für all jene, die wieder einmal knapp bei Kasse sind und auch mit Ware zweiter Klasse oder gar Ramsch kein Problem haben.

Je näher der Marktschluss kommt, desto ­billiger wird alles: egal ob Fisch, Zierpflanze, Obst, Gemüse, Schokolade, Kleider oder praktische Küchenhelfer. 

Ritueller Frühschoppen

Der traditionsreiche Fischmarkt ist längst eine Touristenattraktion, wo sich Hamburg selbst zwischen Klischee und Wahnsinn zelebriert. Da serviert „Rasta-Barista“ zu pumpendem Reggae tanzend seine Kaffeekrea­tionen. Und „Aale-Dieter“, ein in die Jahre ­gekommenes Hamburger Original im blau-gestreiften Fischerhemd, präsentiert seine geräucherten Schätze aus dem Meer als kleine Weltwunder. „Iss einen Aal. Dann wirst du wieder zur Rakete!“, ruft er einer Blondine mit bereits starker Schlagseite zu. Die winkt nur müde ab. Sie will lieber noch ein Bier und ein Fischbrötchen dazu. 

Party in der Fischhalle 

Jeden Sonntag frühmorgens stranden am Elbufer bei Altona unzählige Nachtschwärmer. Denn in der alten Fischhalle geht die Party weiter. Nonstop von fünf Uhr früh bis Marktschluss um halb zehn spielen Bands. Kostenlos. Auch eine versprengte Hochzeitsgesellschaft, vor Stunden noch elegant herausgeputzt, nutzt die Gelegenheit zum letzten Tanz. 

Wem die laute ­Musik in der ehemaligen Auktionshalle auf den Geist geht, findet am nahen Pier so etwas wie Stille. Bei Sonnenaufgang wächst die Menge rasant an und viele schießen Selfies von dem, was nach einer langen Nacht von ihnen noch übrig ist.

Sündige Vergnügungsmeile 

Die meisten Feierbiester haben eine Party- oder Kneipentour über die Reeperbahn in St. Pauli hinter sich. Diese ist mit 300 Kneipen, Clubs und Discos sowie 50 Bordellen Deutschlands größte Amüsiermeile. Sobald die Leuchtreklame alles schön in Farbe taucht, haben die Reeperbahn und die „Große Freiheit“ eine magische Anziehungskraft auf Nachtschwärmer aus aller Welt. Ein Türsteher bekennt freimütig: „Die Leute suchen hier eine Nacht lang ihren Spaß, aber definitiv keine Liebe.“ Nirgendwo sonst in Deutschland wird so viel, so schnell getrunken wie im weltbekannten Kiez. Als besonderen Service gibt es sogar „hard drinks to go“. 

Alles in Laufweite 

Nur wenige Straßen weiter zeigt St. Pauli ein anderes Gesicht. Zwischen Paul-Roosen-Straße und Schulterblatt reihen sich gemütliche Lokale, Bars und Galerien ­aneinander. Im „Krug“ gibt es exzellente
Weine und rustikales Essen. Gegenüber im „St. Pauli-Archiv“ liegt die Geschichte und Gegenwart des Stadtteils bestens ­dokumentiert vor. Zu empfehlen ist auch das „Möwe Sturzflug“, eine gemütliche Bar mit roten Wänden, Samtsofas und ­interessanten Cocktailkreationen.

Die Reichste Stadt

„Hamburg liegt an zwei Flüssen. Die Elbe ist dazu da, um Geld zu machen. Die ­Alster, um es wieder auszugeben“, sagt City-Guide Tomas Kaiser. „Einst wurde die Hansestadt mit dem Handel von Bier, Kaffee und Gewürzen reich. Heute ist der Überseehafen ein Warendrehkreuz der Globalisierung und weiterhin Motor für den Wohlstand.“ Hamburg ist – zumindest statistisch – die reichste Stadt Deutschlands. Nirgendwo sonst gibt es eine höhere Millionärsdichte. Sichtbares Zeichen sind vor allem die noblen Villen an der Äußeren Alster. Davor stehen oft ein, zwei, drei Luxuskarossen.

Backstein-Expressionismus

Auch ohne einen König oder Fürsten war die deutsche Hansestadt stets ­wohlhabend. Das ist zum Beispiel im Hamburger Rathaus kaum zu übersehen: Wer eine Führung macht, erblickt viel goldbeladenen Prunk. Selbstbewusstsein war schon immer Teil der DNA der weltoffenen Kaufleute, Reeder, Makler und Spediteure.

Ein sichtbares Symbol ihres Wohlstands ist auch das Kontorhaus-Viertel. Die ­riesigen Backsteinbauten mit Tausenden weißen Holzfenstern sind seit dem Jahr 2015 UNESCO-Weltkulturerbe. „Für das Chilehaus ließ Henry B. Sloman, der sein Vermögen mit Salpeterhandel verdiente, insgesamt 69 Häuser abreißen“, weiß City-Guide Kaiser. „Seine Fassade zieren fast fünf Millionen rote Hartbrandziegel.“ Alles Ausschussware, die allenfalls für Schweineställe oder Fuß­boden-Pflasterungen gut genug gewesen wäre. Das bekannte einst Architekt Fritz Höger, der auch beim nahen Sprinkenhof – im Jahr 1932 das größte Bürogebäude der Welt – seine Finger im Spiel hatte. Sein legendäres rundes Treppenhaus ist ein beliebtes Fotomotiv. Es ist aber leider nur bei einer Führung zu bewundern.

Landmark Elbphilharmonie

Die Speicherstadt an der Elbe ist ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Experte Kaiser: „Mit ihrem Verbindungsnetz aus Straßen, Kanälen und Brücken ist sie der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Ab 1883 war sie Teil des Hamburger Freihafens, um Importgüter wie zum Beispiel Kaffee, Tee und Gewürze zollfrei zu lagern und zu verarbeiten.“ 

Heute ist die Speicherstadt mit ihren zahlreichen Museen auch ein echtes Kulturquartier. Sie beherbergt auch die Elbphilharmonie, die ähnlich der Freiheitsstatue in New York die Gäste bereits von Weitem begrüßt. Der gewaltige Glaspalast steht auf einem ehemaligen Kakaolager, dem Kaiserspeicher A. Je nach Licht und Wetterlage erscheint die ­wellenartige, futuristische Fassade des neuen Hamburger Wahrzeichens in unterschiedlichen Farben. 

Mit der 82 Meter langen Rolltreppe „Tube“ geht es hinauf zum Foyer und zur Rundum-Besucher-Terrasse. Letztere bietet einen herrlichen Blick auf die Altstadt, den Elbe-Hafen und die aufregende Architektur der neuen HafenCity.

Megaprojekt HafenCity

Das riesige Stadtentwicklungsgebiet an der Elbe versucht Wohnen, Arbeiten und Freizeit am Wasser innovativ zu verbinden. Für Architektur-Fans ist Hamburgs neue Brücke zwischen Tradition und Zukunft ein sehenswerter Traum. Das stetig wachsende Design-Quartier scheint einem Prospekt entnommen: Faszinierende Gebäudekreationen beherbergen im Erdgeschoß schicke Läden und Restaurants und auf dem Dach gelegentlich eine Bar. Kreuzfahrtschiffe legen fast täglich am Cruise Center HafenCity an. Die symbolische Krönung der HafenCity soll der 200 Meter hohe Elbtower werden. Die Pläne liegen schon bereit.

Viertel der Kreativen

Von dieser maritimen Stadt der Zukunft geht es mit der U-Bahn in nur wenigen Minuten bis zum Jungfernstieg. An der Flaniermeile am Ufer der Binnenalster führten früher betuchte Familien sonntags ihre unverheirateten Töchter (Jungfern) aus. Heute lockt eine schicke Shoppingwelt vor allem alle jene an, die das nötige Geld für die Luxuswaren haben. Wie aus einer anderen Zeit erscheint da das angrenzende Gängeviertel. Im engen Gassengewirr wohnten einst mehr als 10.000 Arbeiter. Nur zwölf Häuser sind erhalten geblieben. Sie sind Stadtgeschichte aus Backstein und seit ihrer Besetzung durch ein Künstlerkollektiv neue Heimat für Hamburgs Kreativszene. 

Ein anderes Sanierungsgebiet Hamburgs heißt Sternschanze. Es liegt rund um die Anarcho-Hochburg Rote Flora. Die ex­treme Dichte an dilettantischem Graffiti sorgt im Schanzenviertel weiterhin für einen eigenwilligen Schmuddel-Look. Doch locken Kneipen wie „Galopper des Jahres“, „Katze“ oder „GoldFischGlas“ in den mittlerweile stark angesagten Kiez. 

Die alten Schanzenhöfe beherbergen etwa die „Ratsherrn Brauerei“, die „Elbgold Rösterei“ und die „Bullerei“, das hippe Restaurant von TV-Koch Tim Mälzer. 

Frische Matjes vom Stand

Authentisch, typisch und zeitgemäß erscheint die Stadt noch am Isemarkt (Di, Fr 9–14 Uhr), mit fast einem Kilometer der längste Wochenmarkt der Stadt. Er liegt direkt unter dem Hochbahnviadukt zwischen den beiden U-Bahn-Haltestellen Hoheluftbrücke und Eppendorfer Baum. Rund 200 Stände bieten frisches Gemüse und Obst, Fleisch und Fisch, Textilien und Kunsthandwerk. 

Fantastisch ist der frische Matjes – mit oder ohne Hausfrauensauce – bei „Fisch Schloh“. Oder auch bei „Fischfeinkost Kalinowski“: Dort beantwortet ein ehemaliger Thaiboxer mit faszinierenden Tattoos mit buddhistischer Geduld alle Fragen wie etwa worauf es wirklich ankommt. Schließlich ist Fischbrötchen nicht gleich Fischbrötchen! 

Beliebt sind auch Hamburgs Fischklassiker von Daniel Wischer. Der Delikatessenladen mit mehreren Filialen in der Stadt ist ein Unikat: Von Krabben über Frikadellen bis hin zum Lachs – hier bleiben keine Wünsche offen.