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Wer malerische Strände liebt, wird Gozo lieben. © iStockphoto

Juwel im Mittelmeer

Gozo, die kleine Nachbarinsel von Malta, ist ein Geheimtipp für Entdecker und Genießer. 

Langsam nähert sich die Fähre dem Hafen Mġarr. Es ist die Anlaufstelle für alle, die von Malta nach Gozo übersetzen. Viel Zeit, um zu Seebären zu werden, gibt es aber nicht. Die Reise dauert nur knappe zwanzig ­Minuten. Die Zeit reicht gerade, um das türkisblaue Wasser und die Meeresluft zu genießen. Der Hafen ist voller weißer Boote, von kleinen Fischerkuttern bis zu überdimensionierten und teuren Jachten. Über allen thront die Kapelle „Unsere Liebe Frau von Lourdes“, ein imposanter sakraler Bau und eine von Hunderten Kirchen auf Malta und Gozo.

Nach kultureller Erleuchtung steht momentan aber nicht der Sinn, gilt es doch, ein weltlicheres Bedürfnis zu befriedigen: den Hunger. Rein ins Auto und ab zum erstbesten Imbissstand. Ein Pastizzi muss her und die köstlichen gefüllten Teigtaschen gibt es glücklicherweise an jeder Ecke. Bei der Füllung hat man die Qual der Wahl: Von Ricotta bis gehackte Erbsen reicht die Auswahl. Schmackhaft ist beides, für die Malteser ist vor allem eines wichtig: Brennheiß muss es sein. Kalte Pastizzi sind ein echtes No-Go. Dazu gibt es das Nationalgetränk Maltas: Kinnie. Die bittere Kräuterlimonade ist so etwas wie das maltesische Pendant zu unserem Almdudler, nur viel beliebter und, so ehrlich muss man sein, wesentlich erfrischender.

Gozos weisses Gold

Gozo ist mit dem Auto gut erkundbar. Einerseits hat es nicht den hektischen Verkehr der dicht besiedelten Nachbarinsel Malta, sondern ist ursprünglicher und ruhiger. Andererseits ist nichts wirklich weit weg. Gozo ist mit 67 km2 so groß wie Floridsdorf und Simmering zusammen. Kein Wunder also, dass wir unser Ziel, die Xwejni Salzpfannen, schon in knapp zwanzig Minuten erreichen, obwohl sie auf der anderen Seite der Insel liegen. Hier erntet die Familie Cini seit Generationen das weiße Gold. Dutzende von Salzbecken sind im Schachbrettmuster angeordnet; das Verfahren hat eine jahrhundertealte Tradition. Auf der anderen Straßenseite befindet sich eine winzige Hütte, vor der ein älterer Herr steht, dem die Sonne nach Jahrzehnten ein tiefes Braun unwiderruflich in die Haut gebrannt hat. Er winkt die Besucher mit einem fast zahnlosen Grinsen herbei.

„Für gutes Salz braucht man nur drei Zutaten: Sonne, Meerwasser und die Erde“, erklärt der Patriarch der Cini-Familie, während seine Enkeltochter Proben herumreicht. „Man kann es nur im Sommer ernten, weil es beim Prozess heiß sein muss.“ Mit einer Motorpumpe wird das Meerwasser zuerst in große, dann in immer kleinere Becken gepumpt. Nach und nach kondensiert das Wasser, bis letzten Endes nur noch Salz übrig bleibt. Das dauert rund eine Woche. Der letzte Schritt ist, das Salz mit Tüchern zu bedecken und zwei Tage in der mediterranen Sonne zu trocknen. Der Betrieb ist ein Familienunternehmen, obwohl die Enkeltochter mit einem Jura-Studium liebäugelt. Den Großvater scheint es nicht zu stören, so ist das halt mit der Jugend.

Schon seit der Römerzeit schätzt man Gozo für eine ganze Reihe von Produkten, allen voran Honig, Wein und Ziegen- sowie Schafkäse. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Auch Gemüse und Obst spielen eine Hauptrolle und bei einer Fahrt quer über die Insel sieht man Olivenhaine, Weingüter, Tomatenplantagen und mehr. Zwar produziert man keine riesigen Mengen, die Qualität der Produkte begeisterte aber die Römer ebenso wie Johanniter, Muslime, die Franzosen und die Briten, die sich in Malta die Klinke in die Hand gaben. Die als Cittadella bekannte Festung nahe der Stadt Victoria ist ein imposanter Zeitzeuge dieser bewegten Geschichte. Mitten in der Festung befindet sich das Restaurant Ta’ Rikardu.

Gozo liebt Käse

Das Lokal ist repräsentativ für die gozitanische Küche. Der Inhaber Rikardu produziert seinen eigenen Wein, macht selbst Schaf- und Ziegenkäse und züchtet auch eigene Kaninchen, die sowohl auf Gozo als auch Malta sehr beliebt sind. Stolz ist er vor allem auf den eigenen Käse, bei dem sich der Chef höchstpersönlich um den gesamten Prozess kümmert. Mehr als 100 Ziegen und Schafe hat er und schon vor neun Uhr morgens hat er die gesamte Milch in Käse verwandelt. Rikardu produziert auch Ġbejna. Das sind Käsehäppchen, die entweder frisch, in Olivenöl eingelegt oder mit Pfeffer verarbeitet bei keiner Mahlzeit fehlen dürfen. Die Küche im Restaurant ist typisch Gozo. Minimalistisch sind alle Gerichte, es gibt Ravioli gefüllt mit Rikardus Käse, dazu Salat, Brot, Oliven, Kapern und Kunserva, das maltesische Tomatenpüree. Abgerundet wird das Mahl mit Cabernet Sauvignon oder Grenache aus eigenem Anbau. Schnickschnack sucht man auf gozitanischen Tellern vergeblich.

Brotbäcker und Bierbrauer

Auch Brot ist nicht einfach nur Brot auf Gozo. Die lokale Spezialität hört auf den Namen Ftira und ist ein im Holzofen gebackenes Sauerteigbrot. Das wird oft mit allerlei Zutaten von Käse bis Kartoffeln gefüllt und als eigene Mahlzeit gereicht. Gebacken wird das Brot in riesigen Öfen, die bis zu viereinhalb Quadratmeter ­Innenraum haben. Dort bäckt es neben spartanisch belegten Pizzen. Und den ganzen Tag kommen Menschen aus der Nachbarschaft, um ihren Snack abzu­holen. Eine der bekanntesten Adressen ist die Mekren Bakery in Nadur. Am besten schmeckt Ftira mit einem Bier aus der ­allerersten Brauerei Gozos, die seit ein paar Jahren auf Expansionskurs ist: der Lord Chambray Brewery. Vom fruchtigen Pale Ale bis zum Lager ist die Auswahl des ­jungen Betriebs schon ganz beachtlich.

Der Legende nach hat sich einst Odysseus auf die Insel Gozo verirrt, um sieben Jahre besinnungslos dem Charme der Nymphe Kalypso zu erliegen. Vielleicht ist der Grieche ja in Wirklichkeit den kulinarischen Verlockungen der Insel verfallen. Realistischer wäre es.