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Der Glacier Express ist die schönste Art von Zermatt nach St. Moritz zu reisen. ©Glacier Express/Stefan Schlumpf

Eine Fahrt mit dem Glacier Express

Der langsamste Schnellzug der Welt: So nennt man den Glacier Express liebevoll. Es gibt sicher schnellere Arten zu reisen, aber darauf kommt es hier nicht an. Der Star der Fahrt ist das einmalige Alpenpanorama zwischen Zermatt und St. Moritz. Doch auch die 291 Brücken und 91 Tunnels können beeindrucken.

Der Bahnhof in Zermatt ist schneebedeckt, die Sonne scheint über dem Matterhorn. Perfekte Bedingungen für eine Fahrt mit dem Glacier Express. Die einzige Sorge vor der Abfahrt ist, ob vielleicht Wolken oder gar Nebel das Vergnügen trüben könnten. Doch von Schlechtwetter keine Spur, es herrscht Postkartenwetter.

Zug mit Tradition

Am 25. Juni 1930 nahm der Glacier Express als durchgehender Zug zwischen Zermatt und St. Moritz seinen Betrieb auf. Damals waren noch Dampflokomotiven im Einsatz, ab 1941 dann elektrische Züge und die Fahrt dauerte elf Stunden. Heute legt der Express die Strecke in genussvollen acht Stunden zurück. Die Nachfrage ist damals wie heute hoch. Zwischen Juli und September begrüßt das Personal 20.000 Personen, viele davon asiatischer Herkunft.

Der erste Streckenabschnitt zwischen Zermatt und Visp ist geprägt von spannenden kleinen Ortschaften, den allgegenwärtigen Bergen und vielen Entdeckungen. Der aufmerksame Fahrgast kann Weinreben entdecken und erspäht Ziegen ebenso wie Pferde mit langen buschigen Haaren. Das Land wird langsam sanfter, der Schnee wird weniger und verschwindet letztendlich ganz. In Visp liegt kein Schnee, dafür offenbart sich ein sympathischer kleiner Ort, der allerdings nur eine Nebenrolle auf dieser Fahrt spielt.

Durch Visp zum Furka-Basistunnel

Nach Visp düsen wir in gemütlichem Tempo durch die Stadt Brig und weiter Richtung Nordosten. Rechts sehen wir den Landschaftspark Binntal, der unter anderem mit satten Wiesen und einem wunderbaren See beeindruckt.

Immer wieder sehen wir steinalte Bauernhütten vom Zug aus. Das Lärchenholz wurde in der Regel schon vor Jahrzehnten von der Sonne schwarzgebrannt und viele stehen auf den Granitstelzen, die für die Region kennzeichnend sind. Die Häuser waren deshalb auf diesen gebaut, da die Mäuse so keinen Zugang zu Haus und Nahrung finden konnten. Nach der grünen Insel, umgeben von Gebirgen, übernimmt wieder die Alpenlandschaft das Kommando und der Zug beginnt langsam dem höchsten Punkt entgegenzusteuern: dem Oberalppass.

Doch davor steht noch ein echtes Highlight auf dem Fahrplan: der Furka-Basistunnel. Er ist der längste und imposanteste der 91 Tunnel zwischen Zermatt und St. Moritz. Bei über 15 Kilometern Länge hat man auch einige Zeit, ihn zu genießen. Dieser Tunnel macht es seit 1982 möglich, die Strecke ganzjährig zu befahren. Bis dahin musste der Dienst zwischen Oktober und Juni eingestellt werden.

Mit dem Zahnrad ganz nach oben

Nach dem Tunnel durchqueren wir die Region um Andermatt, ein tief verschneites Paradies und ein relativer Geheimtipp für Winterurlauber. Am Fuße des Sankt-Gotthard-Massivs sehen wir Langläufer, Skifahrer und viele mehr. Der Blick richtet sich jedoch nach vorne, denn in Kürze erreichen wir den Oberalppass.

Um auf die 2.033 Meter Seehöhe zu kommen, braucht der Zug aber ein wenig Hilfe. Nach Andermatt wird auf die Zahnradstrecke gewechselt. Diese ist insgesamt 23 Kilometer lang und der Glacier Express wird auf einer Zahnradstange emporgezogen. Das Klicken des Zugs auf dem Zahnrad ist von da an unser ständiger Begleiter. Ganz oben angekommen, wird es still im Zug. Alle sind damit beschäftigt, die Aussicht und das tolle Panorama zu genießen, und versuchen sich an spektakulären Fotografien, nicht immer ganz leicht durch die Fensterscheiben.

Durch die Rheinschlucht nach Chur

Zwischendurch meldet sich die Bordverköstigung. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü, als Hauptspeise Rindsgeschnetzeltes und zum Nachtisch eine Käseplatte. Da erwartet man sich natürlich so einiges von den Schweizern und wird nicht enttäuscht. Frisch gestärkt nehmen die Gäste ihre Plätze an den Fenstern ein und verfolgen die malerische Abfahrt vom Pass. Zwischen Gipfeln, Felsen und Skigebieten fährt der Zug dem nächsten Höhepunkt entgegen: der Rheintalschlucht.

Die Schlucht zwischen Reichenau und Ilanz zählt zu den einzigartigsten Landschaften der Alpen. Wilde Schluchten und Felsformationen zum Niederknien begeistern die Reisenden und so manch einer hegt schon Ambitionen als Kanute oder Wanderer hierher zurückzukehren. Die Zugfahrt wird von einem Audioguide begleitet, dem man via Kopfhörer lauschen kann. Hier erfahren wir, dass es in der Schlucht sogar Orchideen geben soll. Ein mehr als empfehlenswertes Naturspektakel.

Der nächste große Bahnhof ist Chur, Hauptort des Kantons Graubünden. Mehr zu Chur können Sie hier lesen.

Über die Megabrücke nach St. Moritz

Weiter geht’s zu der längsten Brücke auf der Strecke, dem Solisviadukt. Die stattlichen 164 Meter sind beeindruckend, der tiefe Abgrund rundherum ist es ebenfalls. Langsam, aber sicher nähern wir uns dem Ziel: St. Moritz. Die luxuriöse Alpenstadt ist von einer tollen Landschaft umgeben. Das Engadin hat weite Flächen zwischen hohen Bergen zu bieten und ist bei der aktuellen Schneekulisse ein Traum. Nach acht Stunden kommen wir in St. Moritz an. Die Speicher in den Handys und Kameras sind voll und allen brausen die vielen Eindrücke durch den Kopf. Und das werden sie sicher noch länger.

Neuerungen zum Jubiläum

Der Glacier Express feiert 2020 sein 90. Jubiläum. Dazu werden zwischen 2019 und 2021 alle Panoramawagen überholt und erhalten ein neues Design sowie ein technisches Update, topmodernes Infotainment-System inklusive. Vor allem die Fotografen werden sich freuen: Es wird möglich sein, die Fenster im Barwagen wie auch die Senkfenster bei den Eingangstüren zu öffnen um ohne lästige Spiegelungen fotografieren zu können.

Zuvor debütiert die neue Excellence Class. Ab 2. März 2019 gibt es in der neuen Luxusklasse garantierte Fensterplätze mit Panoramaaussicht, persönlichem Service, Bar im Wagen und Loungebestuhlung. Fünf-Gänge-Gourmetmenü und Champagner werden die Reise dann auch gastronomisch auf einen neuen Level heben. Eine neue Glacier Bar im Zug samt goldenen Kompass an der Decke, der jede Richtungsänderung mitverfolgen lässt, ist ebenso angedacht.