+43 1 740 32-0willkommen@gutereise.eu
Das Anfiteatro Romano de Mérida ist bestens erhalten und dient heute als Bühne für Livekonzerte. © Extremadura Tourist Board

Extremadura: Geheim und fein

Kulinarische und kulturelle Schätze ohne Ende: Trotzdem wartet die dünn besiedelte, karge Extremadura immer noch darauf, von Reisenden entdeckt zu werden. Dabei ist die Region berühmt für ihr römisches Erbe, mächtige Burgen, weite Eichenwälder und frei laufende Schweine. 

Eine scheinbar endlose Weite aus Kork- und Steineichen, das ist die Heimat der schlanken schwarzen Ibérico-Schweine im Südwesten Spaniens. Wegen ihrer schwarzen Klauen nannte man sie früher Pata negra. Sie streifen in kleinen Rotten täglich bis zu zehn Kilometer durch die lichten Eichenhaine, die Dehesas – weit mehr als die Mastschweine der Fleisch­industrie in ihrem ganzen Leben. 

Bevor diese iberischen Weideschweine auf der Schlachtbank landen, müssen sie massenhaft Eicheln fressen. Täglich bis zu zehn Kilo der Früchte, insgesamt rund 800 Kilo Eicheln. Erst das verleiht dem Schinken seinen würzigen Geschmack. Doch an die Eicheln kommen sie nur, wenn diese zwischen November und Jänner von den Bäumen fallen. Daher leben die Ibérico-Schweine mit etwas Glück beim Geburtstermin bis zu zwei Jahre. 

Gastronomisches Erbe 

„Ibérico-Schinken ist heute in Europa ein geschütztes Produkt. Er hat mit Serrano-Schinken rein gar nichts zu tun. Dieser stammt von in Massentierhaltung gezüchteten Duroc-Schweinen“, warnt Pepe Alba. Der Schinkenexperte macht mit „Turismo del Jamón“ das gastronomische Erbe der Extremadura zum besonderen Erlebnis. Bevor er seine Leidenschaft zum Beruf machte, verkaufte Pepe Versicherungen und handelte mit Papierwaren. 

Er schneidet mit einem langen Messer ­gekonnt dünne, mundgerechte Stücke von einer sieben Kilo schweren Hinterkeule des Jamón Ibérico. „Diese Keule kostet rund 400 Euro, obwohl die Hälfte davon Knochen und gelbliches Fett sind. Doch sie ist es wert: Der Ibérico schmilzt scheinbar auf der Zunge“, verrät er. 

Profi-Schinkenschneider

Als Meister seines Fachs legt er stets alle Stücke dekorativ auf einem Tablett ab. In seiner Schule „El Jamón hecho Arte“ ­unterrichtet Pepe, wie man in 90 Minuten ein Hinterbein in unzählige dünne saftige Streifen verwandelt. Für ihn ist Jamón Ibérico ein Kunstwerk, das allerhöchsten Genuss garantiert. „An jedem Bein hängt eine Banderole. Ihre Farbe verrät die Qualitätsstufe, der Strichcode Herkunft, Aufzucht- und Verarbeitungsort“, erklärt Pepe. „Jedes Bein wird zuerst mit der Hand mit viel Meersalz eingerieben. Danach muss es bis zu drei Jahre streng kontrolliert an der Luft reifen. Da verliert es mindestens ein Viertel des Gewichts.“ Dieser Schinken gehört hier wie Rotwein, Oliven und Weißbrot zu jedem Essen.

Gassengewirr von Zafra

Damit bei der Produktion der Delikatesse keine Schweinereien passieren, kontrolliert die Vereinigung der spanischen ­Ibérico-Züchter alle Produktionsschritte: vom Stammbaum über die Fütterung bis zum Verkauf. Sie hat ihren Sitz in Zafra. Die Kleinstadt an der Sierra del Castellar überrascht mit einem Gassengewirr und unzähligen weiß getünchten Häusern, ­deren Balkone mit Blumen geschmückt sind. Unübersehbar ist die alte Festung ­Alcázar aus dem 15. Jahrhundert, die heute ein edles Parador-Hotel beherbergt. Zafra ist bekannt für den ältesten Viehmarkt Spaniens, aber auch für sein Olivenöl. 

Bodegas Toribio 

Nur wenige Kilometer südlich von Zafra liegt das verschlafene Dorf Puebla de Sancho Pérez. Hier residiert die Bodegas Toribio Viña Puebla. Winzer Casimiro Toribio baut in seinen Weingärten, die sich auf einer sonnigen Hochebene in 600 Metern Höhe befinden, vor allem ­roten Tempranillo und weißen Macabeo an; außerdem die purpurrote Traubenrarität Garnacha Tintorera. Sie dient meistens als wundersamer Cuvée-Veredler, vor ­allem um blasse Rotweine mit reichlich Farbe zu versorgen. Der Familienbetrieb setzt auf Nachhaltigkeit und höchste Qualität. Das ist keine Selbstverständlichkeit in der Extremadura, denn die ­Region ist seit den 1970er-Jahren vor ­allem als Lieferant von Billigwein für den Export bekannt. 

Theater und Aquädukte

Den Wein brachten vor 2.000 Jahren die Römer auf die iberische Halbinsel. Die Eroberer legten eine Handelsstraße an, die Sevilla mit Salamanca verband. Ein Knotenpunkt war Mérida, damals die Hauptstadt der Provinz Lusitania. An die große Geschichte erinnern heute noch ein imposantes Amphitheater, eine riesige Gladiatorenarena, zwei Aquädukte sowie einige Tempel und Herrenhäuser. Das Nationalmuseum für römische Kunst ist ein architektonisches Meisterwerk der Neuzeit. Auch die Bauwerke der Araber sind überall zu sehen. Die Plaza de España ist gesäumt von Häusern mit Renaissancefassaden und maurischen Bogenfenstern, umrahmt von bunten Kacheln. Besonders imposant ist die Wehranlage Alcazaba mit ihren zehn Meter hohen Mauern am Ufer des Rio Guadiana. Den trägen Fluss überspannt nicht nur die alte steinerne Puente Romano, sondern nicht weit entfernt die stählerne Puente Lusitania des Architekten Santiago Calatrava. 

Kochschule Espezia

Vor allem in der Altstadt gibt es zahllose Restaurants, die typische Gerichte der Region servieren. Zum Beispiel Migas ­extremeñas (Hirtengericht aus Brot) und Köstlichkeiten vom Ibérico-Schwein wie geschmorte Schweinebäckchen. 

Bei Cristina und Josefina kann man deren Zubereitung erlernen. „Die Kochschule Espezia ist der beste Ort, um das Vergnügen eines guten Essens mit dem gemeinsamen Kochen von regionalen Spezialitäten zu verbinden“, sind beide überzeugt. Sie können ganz wunderbar kochen, aber auch erklären, worauf es bei jedem der Rezepte ankommt. 

Ihre Philosophie lautet: „Niemand wird als großartiger Koch geboren, aber man kann es lernen.“ Sie sprechen aus eigener Erfahrung. Beide arbeiteten viele Jahre als Sekretärinnen, bevor sie wegen der globalen Finanzkrise 2008 ihre Kochleidenschaft zum Beruf machen mussten. 

Stadt der Konquistadoren

Die wirtschaftliche Not hat die Menschen in der Extremadura schon immer zu schweren Entscheidungen gezwungen. So wagten einst unzählige junge Abenteurer die Seereise über den Atlantik, um die Neue Welt im Namen von Gott, König und Vaterland zu erobern. Allein von der Kleinstadt Trujillo brachen 634 Männer zur gefährlichen Seereise auf. Viele von ihnen kehrten mit Taschen voller Gold und unglaublichen Geschichten zurück. Der bekannteste war Francisco Pizarro. Auf der riesigen, absolut schattenlosen Plaza Mayor erinnert eine Statue an den blutrünstigen Konquistador. 

Am Hügel liegt das alte steinerne Haus seiner Familie, die mit der Schweinezucht ihr Brot verdiente. Nicht weit davon ­erhebt sich die riesige Burgfestung. Sie liegt wie ein grauer Fels in einem ufer­losen Meer der Trockenheit. 

UNESCO-Weltkulturerbe

Auch die Stadt Cáceres war einst im Amerika-Fieber. Seither liegt ihre mittelalterliche Altstadt an der Ruta de la Plata (Silberroute). Beeindruckend ist, wie gut ihre vielen Kirchen, maurischen Paläste, Stadtpalais und gepflasterten Gassen noch erhalten sind. Die UNESCO hat daher das alte Barrio Monumental zum kulturellen Welterbe erhoben. Auf dieses und die zahlreichen Terrakottadächer der Stadt hat man vom hohen Glockenturm der Iglesia de San Francisco Javier einen traumhaften Ausblick. Besonders bei Sonnenuntergang ist das ein Erlebnis. 

Übrigens: Im vornehmen Palacio de los Golfines de Abajo residierten einst die ­katholischen Könige Spaniens auf der Durchreise. Das hätte diese sehenswerte Stadt bereits bekannt machen können. 

Beliebte Filmkulisse

Doch das erledigte vor wenigen Jahren schließlich der Zufall. Erst die beliebte Fernsehserie „Game of Thrones“ hat ­Cáceres auf die globale Landkarte des Massentourismus gezaubert. Hollywood nutzte die historische Altstadt als Kulisse für die fiktive Stadt King’s Landing. Ganz eindeutig: Der Torre de Bujaco, der Arco de la Estrella und der Palacio de los Golfines de Abajo sind nicht nur für die Serienfans unwiderstehlich. 

Weitere Infos: www.turismoextremadura.com