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Am Grassmarket wurden Vieh und Pferde gehandelt. Heute ist in den zahl­reichen Shops und Pubs das Vergnügen angesagt. © iStockphoto

Edinburgh: Hinter dem Kilt

Sie liegt nicht in den Highlands und ist auch nicht die größte Stadt Schottlands. Den etwas angestaubten Charme Edinburghs haben Zauber-Romane und die kreative Gastroszene aber in ein neues Licht gerückt.

Es regnet nie in Edinburgh. Stoisch spricht man lieber von flüssiger Sonne. Die „liquid sun“ kann es auch heute wieder. Gegenüber der ewigen Rivalin Glasgow, der größeren Arbeiterstadt, hat sich Edinburgh immer für kultivierter gehalten. In Schottlands Hauptstadt steht das größte Dichter-Monument des Landes! Sir Walter Scott, hierzulande bekannt für die Ritter-Story „Ivanhoe“, wurde in Sichtweite des alles beherrschenden Edinburgh Castle ein Denkmal errichtet, das 64 seiner Charaktere abbildet.

Die exakt 287 Stufen zur Spitze des im gotischen Stil errichteten „Scott Monument“ lohnen sich – bis zum Firth of Forth, der weiten Mündung des „Forth“ in die Nordsee, schweift der Blick. Der Park um das Denkmal liegt im Herzen der Stadt. Von hier lässt sich entweder die Altstadt rund um die St. Giles-Kirche erkunden oder das moderne Edinburgh unterhalb der Princes Street. 

Die letzten Jahre haben der schottischen Metropole mit den ­imposanten Stadthäusern der Georgianischen Epoche neuen Schwung verliehen. Restaurants wie „The Granary“ oder „Timberyard“ stehen für diesen Wandel. Die von frischem Lachs oder Lamm dominierte schottische ­Küche bekommt hier ein modernes Gesicht.

Dazu serviert man in dem weiß gekalkten Lokal mit der Holztram-Decke reihenweise Bioweine aus Österreich. Wem kleine Portionen und Saucenkleckse im Fünf-Gang-Menü weniger geben, der hat auch spätnachts noch die Chance auf einen Burger im „Feed!“. Gebackener Schweinebauch und Süßkartoffeln sorgen dafür, dass die Kalorienzufuhr stimmt Denn auch ohne den legendären frittierten Mars-Riegel stimmt das ­Klischee: Man frittiert gerne in Schottland. 

Kulisse für Harry Potter

Gestärkt schlendert man dann durch die Straße, die in den letzten Jahren für steigende Nächtigungszahlen gesorgt hat. Die gebogene Victoria Street gilt als Vorbild für die „Winkelgasse“ der Harry-Potter-Romane. Einige der Geschäfte scheinen tatsächlich aus versunkenen Tagen zu stammen, als es hier auch einen Zauberer gab, den die Bevölkerung den „Wizard of the West Bow“ nannte. Teile der Potter-Romane entstanden auch in den Cafés von Edinburgh, inspirieren ließ sich J. K. Rowling unter anderem von der noblen George Heriot’s School unweit des Schlosses, um das die seit 1497 als Schottlands Hauptstadt fungierende Siedlung entstand – die Schule fungiert als Vorbild für das fiktive Internat Hogwarts.

Ganz in der Nähe befindet sich der Friedhof und die alte Hinrichtungsstätte Grassmarket. Einen beträchtlichen Charme bezieht „Embra“, wie es die Schotten aussprechen, aus den Relikten, die mitten in die knapp eine halbe Million Einwohner zählende Stadt reichen. Und die müssen nicht nur historischer Art sein. Denn den besten Blick auf die Stadt hat man vom ehemaligen Vulkan Arthur’s Seat, der mit seinen 251 Metern auch das Ziel der beliebtesten Jogging-Runde darstellt.

Nicola „Niki“ McGinn kennt zwar auch diese Natur­oase, „ihr“ Edinburgh befindet sich aber auf der anderen Seite der Stadt. Die Schottin, die für die Whiskyfirma Chivas Brothers tätig ist, führt uns auf der Suche nach einer Bar schnell nach Stockbridge. Hier zeigt sich die vitale Seite der schottischen Stadt am schönsten. Es finden sich Vintage-Mode und Schallplatten („Vox Box“). Pause vom Shopping macht man bei einem kräftigen Espresso von Sprio’s, gleich gegenüber von Julie Danskins Buchhandels-Schmuckkästchen Golden Hare Books in der St. Stephen Street. 

Die Gasse hat es als „Indie Road“ fast zur nationalen Berühmtheit gebracht, weil hier ausschließlich kleine Läden den Kaufhaus-Ketten den Kampf erklärt haben. Mit dem „Stockfest“ im September hat man sogar ein eigenes Festival der Kreativität ins Leben gerufen. Auch Edinburghs weltberühmte Bar „Bramble“ hat hier einen Ableger mit dem „Last Word Salon“. 

Auf ein Bier mit Niki McGinn eingekehrt, fällt vor allem eines auf: Wie klischeefrei der Blick in die schottische Abendsonne ist. Kilt-Träger wird man auch in der nahe gelegenen Ann Street vergeblich suchen. Die teure Wohnstraße zählt mit ihrem Hauch von London-Mayfair zu den noblen Adressen wie auch die Heriot Row, in der Anrainer einem auch ungefragt mitteilen, dass hier einst „Schatzinsel“-Autor Robert Louis Stevenson residierte. Schließlich geht es auch im modernen Edinburgh nicht ohne Hinweise auf die kulturelle Vergangenheit. Damit man nicht am Ende mit Glasgow verwechselt wird.