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Baggerschaufel für Baggerschaufel wird die Erde für immer verändert. Hier ein Marmorbergwerk in Italien. © Nikolaus Geyrhalter

Kinostart: „Erde“ von Nikolaus Geyrhalter

Ab 17. Mai in heimischen Kinos: Der neue Film des Regisseurs von „Homo Sapiens“ und „Über die Jahre“ setzt sich mit den Veränderungen, die der Mensch dem Planeten aufzwingt, auseinander. Zwischen Minen und Großbaustellen zeichnet Nikolaus Geyrhalter ein ernüchterndes Bild.

Am Brennerbasistunnel entsteht die längste Eisenbahnverbindung der Welt. Im italienischen Carrara werden heute hundert Mal mehr Marmorblöcke abgetragen als vor 30 Jahren. Auf einer Riesenbaustelle im kalifornischen San Fernando Valley werden buchstäblich Berge geschliffen, um Platz für Grundstücke zu schaffen. In sieben Kapiteln erzählt der Film „Erde“ von Nikolaus Geyrhalter von der Jagd des Menschen nach Rohstoffen und Lebensraum.

Auch die Menschen kommen dabei zu Wort. Jene Arbeiter, die mit Baggern, Bohrern und Dynamit dem Planeten Tonne für Tonne abringen. Manche sind fasziniert vom eigenen Kampf gegen die Erde und fühlen sich wie Astronauten, die dort hinkommen, wo noch nie ein Mensch gewesen ist. Andere zeigen Demut, Respekt und so etwas wie Resignation angesichts der unwiderruflichen Veränderungen, die sie verursachen.

Zum Nachdenken bewegen

Francesco Muscolini, Arbeiter in einer italienischen Marmormine, vergleicht seinen Job etwa mit einer Droge.  „Es ist eine Leidenschaft. Es ist ein Adrenalinkick. Im Steinbruch zu arbeiten, bei all den Gefahren, die diese Arbeit birgt, da steigt dein Adrenalinspiegel ziemlich, du fühlst dich sehr aufgeputscht, sehr high, sehr energiegeladen. Und du kannst nicht mehr ohne.“ Gleichzeitig ist ihm der hohe Preis der Arbeit bewusst. „Der Berg will seinen Marmor nicht preisgeben, das ist ganz einfach so, weil das die Natur ist. Es tut uns leid, den Berg zu ruinieren – denn in Wahrheit tun wir das ja.“

Geyrhalter geht es im Film nicht darum, die Menschen, die auf Baustellen und in Minen arbeiten an den Pranger zu stellen. „Tatsache ist, dass wir alle Mitverursacher sind, dass unsere Art zu leben ohne diese Narben in der Erdkruste kaum zu verwirklichen wäre. Auf keinen Fall ging es mir darum, die Leute, die dort arbeiten, zur Rechenschaft zu ziehen, ihnen ist am wenigsten Verantwortung zuzuschreiben“, sagt Geyrhalter in einem Interview.

Stattdessen schafft es der Film, wie die meisten Werke Geyrhalters, zum Nachdenken anzuregen. „Betrachtet man die Erde als Organismus, dann ist die Erdkruste als Haut das filigranste Organ. Ich wollte mir die Wunden genauer ansehen, die wir der Erde zufügen. Mir war wichtig, Orte und Handlungen zu zeigen, die Assoziationen auslösen und nachdenklich machen. Wenn man sich in diesen großen Minen und auf Baustellen bewegt, dann ist man zunächst überwältigt und kann nur schwer fassen, in welchen Dimensionen wir Menschen in kurzer Zeit gravierende Veränderungen der Erdoberfläche verursachen.“

Ein packender Film, den Menschen, die sich für das Thema interessieren, nicht verpassen sollten.