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Der Skadar-See im Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro. © iStockphoto

Ich tauche ein ins Fremde

Ralph-Raymond Braun ist ein erfolgreicher Reisebuchautor. Er verrät, wie er seine Bücher schreibt, welche Sehnsucht ihn dabei antreibt und warum Onlineratgeber für ihn keine Konkurrenz sind.

Der eine mag das Meer, der andere die Berge, der Dritte liebt es warm, der Vierte kalt, der Nächste will Action und der Übernächste endlich Ruhe. Jeder muss selbst finden, was zu seinen Vorstellungen und Reiseerwartungen passt – und ein ­guter Reisebegleiter kann dabei helfen“, ist Ralph-Raymond Braun überzeugt.

Ist ein Reiseführer ein guter Begleiter oder Geldverschwendung?
Wenn ich dächte, es wäre Geldverschwendung, würde ich keine schreiben. Im Übrigen, wer damit unterwegs ist, spart oft den vielfachen Gegenwert des Buchs: durch gute Tipps und die Tatsache, das zu erleben, was einen wirklich begeistern kann.

Wie haben sich Reiseführer neuen Reisegewohnheiten angepasst?
Sie antworten auf die Bedürfnisse ihrer Zeit. Heute werden Reisen kürzer, die Auswahl der Bücher größer. Das Bedürfnis nach Orientierung im Sinne von „Was muss ich gesehen haben?“ ist aber gestiegen.

Was zeichnet einen Reiseführer aus?
Er sollte übersichtlich sein, fundierte Infos, praktische Tipps, Tourenvorschläge und Karten zur Orientierung haben. Und er muss unterhaltsam geschrieben sein.

Was können Web-Ratgeber wie etwa Google, Tripadvisor und Co nicht bieten?
Unsere Leser müssen sich nicht stundenlang durch Dutzende, oft gefakte Besprechungen kämpfen. Wir fassen Infos aus vielen Quellen zusammen, bringen sie auf den Punkt. Und wir bieten Überblick, Orientierung und Anregungen über das Best-of hinaus. 

Was sonst?
Bei uns kann man sich Platz und Bewertung nicht kaufen! Wir haben auch alles, über das wir schreiben, getestet und vor Ort angesehen. Es gibt aber Bereiche, in denen der klassische Reiseführer den Internetportalen und Apps unterlegen ist: Fahrpläne, aktuelle Öffnungszeiten und Preise zum Beispiel. 

Wie versuchen Sie zeitgemäß zu bleiben?
Wenn Sie damit meinen, stets im Trend zu sein und jedem Hype hinterherzujagen, so strebe ich das gar nicht erst an. Wichtiger scheint mir, dass der Text auch in zehn Jahren aktuell ist. Das lässt sich natürlich bei den Pyramiden leichter umsetzen als bei Restauranttipps. 

Wie groß ist der Druck der ständigen Aktualität?
Der Druck der Verlage, den Reiseführer fürs E-Publishing fortlaufend zu aktualisieren, wächst. Das läuft meiner Arbeitsweise zuwider. Wenn ich mich mit einem Gebiet beschäftige, tauche ich ein, lese z. B. auch Romane über das Land, höre Musik und sehe Filme von dort an. 

Print stirbt angeblich. Spiegelt sich das in Ihrer Arbeit?
Neue, speziell fürs E-Publishing nötige Arbeit wird heute den Autoren abverlangt. Aber der gedruckte Reiseführer zeigt sich erstaunlich überlebensfähig. Rund 98 Prozent meiner Autorenhonorare resultieren noch aus den Printausgaben. Und ich denke, bei den Verlagen verhält es sich nicht anders.

Wie viel Aufwand steckt in einem Buch?
Für die Erstauflage mindestens ein Jahr, für die dicken Wälzer auch mehr. Für jede Überarbeitung kommen dann noch zwei bis sechs Monate dazu, je nachdem, ob es sich um eine kleine Insel oder ein ganzes Land handelt.

Rentiert sich die Arbeit finanziell?
Wer schnell viel verdienen möchte, sollte es lassen. Wobei Reiseführer wegen ihrer höheren Auflagen und weil sie oft Dauerseller werden, finanziell durchaus lukrativ sein können. Es kommt auf das Gebiet an, über das man schreibt. Darum geht es mir aber nicht. Ich schreibe über ein Land, weil ich es verstehen, es atmen will, lebe in diesem Land. Das macht für mich die Faszination dieses Berufs mit aus. 

Welcher ist Ihr Lieblingsreiseführer?
Der Baedeckers „Egypt“ von 1929. Und die Klassiker wie Herodot, Strabo oder Ibn Battūta. Zeitlose Favoriten aus dem letzten Jahrhundert sind die Reisereportagen von Egon Erwin Kisch, Joseph Roth und Annemarie Schwarzenbach. 

Welche Sehnsucht verbinden Sie mit dem Reisen?
Im Kontrast mit dem Fremden auch die eigene Kultur und sich selbst besser kennenzulernen. 

Wie hat der Besuch fremder Länder Ihr Weltbild verändert?
Zufällig und ohne eigenen Verdienst wurde ich in Deutschland geboren, darf ohne existenzielle Sorgen zur richtigen Zeit am richtigen Ort leben: Dieses Glück wurde nur einer Minderheit der Menschen zuteil.

Wie sieht Ihr Urlaub aus?
Ich besuche gute Freunde in Regionen und Ländern, zu denen ich keine Reiseführer plane.

Reisetippvom Profi

Ralph-Raymond Braun studierte Politik, Geschichte und Deutsch und kam über eine Karriere als Reise-leiter zum Schreiben von mehr als zwanzig Reise-führer, z. B. über Griechenland, die Türkei, Irland oder Ägypten. Sein neuester Streich beleuchtet das unbekannteste Land Europas: Albanien. „Es hat alles, was ein Urlaubsland braucht: feine Strände, schroffe Berge, Weltkulturerbe, bewegte Geschichte, gutes Essen, freundliche Bewohner und günstige Preise.“ 

„Albanien: Ausflüge nach Montenegro, Kosovo und Nordmazedonien“, Michael Müller Verlag, 22,60 €