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Die schier endlosen Weiten von Texas symbolisieren Freiheit. © iStockphoto

Peter Rosei: Ich suche das Fremde

Der Schriftsteller Peter Rosei war immer in Bewegung, geleitet von unerschöpflicher Neugierde auf Landschaften und Städte, auf Menschen und ihre Geschichten. GUTE REISE verriet er, wie ihn das Reisen veränderte, ­warum er mit 18 nach Bosnien fuhr und was ihn an fremden Kulturen fasziniert.

Der Wiener Peter Rosei (73) schreibt seit 1972 Romane, Essays, Erzählungen und Gedichte. Der Schriftsteller legte 2005 mit „Wien Metropolis“ vielleicht sein bedeutendstes Werk vor: Wien ist das Paradigma für die europäische Nachkriegsgeschichte einer Metropole. Sein neues Buch versammelt erstmals seine unzähligen Reiseaufzeichnungen. Rosei zeigt sich als scharfer Beobachter, der Bilder, Gerüche und Klänge aufnimmt, sich dem Fremden geduldig annähert und begeistert ist von der Buntheit der weiten Welt.

Ihre literarischen Figuren sind fast ständig auf der Suche nach der Welt. Warum?
Ich selbst war im Leben viel unterwegs. Warum? Ich suche das Fremde auf – weil ich dort auch bin und mich finden kann.

Ihr neues Buch „Die große Straße“ versammelt Reiseaufzeichnungen aus fünf Jahrzehnten. Was gefällt Ihnen an der Fremde?
Es war nach fünfzig Jahren an der Zeit, meine Aufzeichnungen zu veröffentlichen, eine Art Summe zu ziehen. Das ergab dann auch ein Porträt, ein Selbstporträt …

Wie empfinden Sie das Unterwegssein?
Ich bin gern unterwegs. Das Leben ist dann intensiver. 

Was haben Sie immer dabei?
Ich reise mit so wenig Ballast wie möglich. Was fehlt, das kann ich dann meist unterwegs besorgen. 

Wie hat das Reisen Ihre Identität, Ihr Selbstbild beeinflusst?
Das Reisen verändert einen vielfältig. Vor allem die Fremde konfrontiert dich immer wieder mit dir selbst und du fragst dich: Bin das ich? 

Hilft der Blick aus der Ferne, um auch die Heimat besser zu verstehen?
Heimgekehrt siehst du die gewohnten Verhältnisse viel deutlicher.

Worin unterscheidet sich für Sie das Reisen vom Urlaubmachen?
Urlaub muss was Wunderschönes sein. Ich kenne das aber nicht. 

Ihr Vater war Eisenbahner in Wien. Hat das Ihre Reiselust als junger Mann beflügelt?
Mit 18 fuhr ich einmal mit der Bahn nach Bosnien, nach Gornji Vakuf – damals die Endstation. Weshalb Bosnien? Ich wusste kaum etwas darüber. Mein Bruder fuhr mit.

Die Neugier auf das Unbekannte war groß. Sie sind mit H. C. Artmann mit dem Moped sogar bis nach Venedig gefahren. Was haben Sie gesucht?
Freiheit vor allem. H. C. war in der Hinsicht für mich der ideale Reisegefährte. Freiheit heilt das Meiste. 

Nutzen Sie Reiseführer oder lassen Sie sich überraschen?
Meist habe ich einen Reiseführer, lese ihn dann aber erst auf der Heimfahrt.

Sie hielten sich länger in den USA, Russland und Japan auf. Was fasziniert Sie an fremden Kulturen?
Dass fremde Kulturen gar nicht so fremd sind, wenn man sich auf sie einlässt.

Sie waren in Paris, Tokio, in vielen anderen Städten der Welt. Welche Erinnerungen haben Sie etwa an Istanbul?
Zur Metropole am Bosporus fällt mir jetzt gerade nichts Spezifisches ein, eventuell der Staub und sein Geruch, mit Meer vermischt.

Wie sehen Sie das Phänomen Billigflieger und den damit wachsenden Massentourismus?
Leider ist das Glück, das da und dort zu finden ist, nicht unendlich teilbar.

Was nehmen Sie als Andenken mit nach Hause?
Die „Andenken“ habe ich im Kopf.

Welche Plätze mögen Sie in Wien besonders?
Ich habe etliche Bücher dazu geschrieben, zum Beispiel „Wien Metropolis“. Mal nachlesen! 

Buchtipp

„Die große Straße“, Residenz Verlag, 22 Euro