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Ingrid Noll © Renate Barth

Ingrid Noll: Grand Dame der Literatur

Krimiautorin Ingrid Noll sprach mit GUTE REISE über den besten Reisebegleiter, ihren Lieblingsplatz in Österreich und Reiseerlebnisse, die nachdenklich machen.

Ingrid Noll (83) zählt zu den erfolgreichsten Krimiautoren der Gegenwart. Ihre Bücher, durchwegs Bestseller, wurden in 27 Sprachen übersetzt. Die Deutsche wurde 1935 in Shanghai geboren und studierte später in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Erst als ihre drei Kinder erwachsen und außer Haus waren, begann sie mit dem Schreiben. Der Beginn einer großen Karriere. Ingrid Nolls aktueller Krimi heißt „Goldschatz“ und ist im Diogenes Verlag erschienen.

Die erste Reise, an die ich mich erinnere?
Da ich 1935 in Shanghai geboren wurde, fanden meine ersten Reisen in Asien statt. Ich war noch sehr klein, als wir nach Vietnam, damals Französisch-Indochina, reisten. Auf der Bahnfahrt sah ich am Rand des Urwaldes zum ersten Mal splitternackte Menschen, die mich überaus faszinierten.

Eine Reise, die in meinem Leben Spuren hinterlassen hat?
Die Flucht aus Shanghai 1949 – knapp vor dem Einzug von Maos Truppen.

Die besten Reisebegleiter?
Das sind Abenteuerlust, Optimismus, ein bisschen Vorsicht, ein waches Auge und Freude an Kultur, Natur und der Begegnung mit interessanten Menschen.

Wohin es mich zieht, wenn es mir nicht gut geht?
Dann zieht es mich nach Hause.

Eine Reise, die ich am liebsten ganz vergessen würde?
Die erwähnte Reise von Shanghai nach Genua auf einem Seelenverkäufer. Das Schiff war kaum seetüchtig, mir war unentwegt speiübel. Schon beim Gedanken an diese Schaukelei wird mir schlecht. 

Wo war ich das erste Mal am Meer?
Als verliebte Studentin auf Ibiza fand ich das Meer zum ersten Mal großartig. 

Wohin würde ich nie reisen?
In die Arktis.

Welches Reiseerlebnis mich am meisten erheitert hat?
Es sind immer wieder sprachliche Missverständnisse, die mich erheitern. Man fragt nach einem Obstladen und wird in einen buddhistischen Tempel geführt. 

Welches Reiseerlebnis mich nachdenklich gemacht hat?
In Istanbul sah ich Behinderte, die nicht ausgegrenzt wurden. Einen beinamputierten, aber fröhlichen Mann hatte man zum Beispiel in aufgestapelte Autoreifen gesteckt, wo er vor einer Moschee Postkarten verkaufte und so am turbulenten Leben teilnehmen konnte. 

Drei Dinge, die nie in meinem Gepäck fehlen dürfen?
In meinen Koffer gehören immer eine winzige Reiseapotheke, ein Taschenmesser und die bequemsten Schuhe.

Was haben mich meine Reisen gelehrt?
Vorurteile zu Hause zu lassen. 

Wo ist der Lieblingsplatz in Österreich?
Das ist die Wiener Dachterrasse einer wunderbaren Kollegin. 

Welches Reiseland lege ich jedem ans Herz?
Es ist nicht originell, doch Italien ist immer wieder wunderschön, auch unbekanntere kleine Orte, zum Beispiel in Apulien. 

Wie viele Tage im Jahr bin ich im Ausland?
Mein Mann ist 88, und ich werde in diesem Jahr 84, da gibt es leider keine Auslandsreisen mehr.

Mit welcher Landessitte ich das größte Problem hatte?
Eigentlich war ich immer neugierig auf unbekannte Gerichte, aber bei Fischaugen und Hühnerfüßen verging mir der Appetit.