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Triest ist immer eine Reise wert. Wer das moderne Triest schätzt, wird die spannende literarische Reise zur Jahrhundertwende genießen. © Getty Images

Krimireise ins Triest der Jahrhundertwende

Der Roman „Dampfer ab Triest“ lädt zu einer spannenden Zeitreise ins Triest des Jahres 1907 ein. Der Krimi führt an Bord des historischen Schiffs Thalia durch das Mittelmeer. GUTE REISE sprach dazu mit Autor Günter Neuwirth.

Nach einem gescheiterten Attentat auf den Grafen von Urbanau ermittelt Inspektor Bruno Zabini, ein waschechter, kaffeeliebender Triestiner, undercover auf einer Mittelmeerkreuzfahrt. Seine Aufgabe: die feine Gesellschaft beschützen. Dabei lernt er die Reize des luxuriösen Reisens ebenso kennen wie dessen Tücken.

„Dampfer ab Triest“ ist ein packender historischer Krimi, der in die Zeiten der k. u. k. Monarchie entführt. Mit Triest sowie dem historischen Kreuzfahrtschiff Thalia als Kulisse liefert der Roman nicht nur ein umfassend recherchiertes Zeitbild, er macht auch Lust darauf, mehr über die Jahrhundertwende zu lernen und die wunderbar geschilderten Schauplätze sobald als möglich zu besuchen und zu erforschen. GUTE REISE sprach mit Autor Günter Neuwirth.

GUTE REISE: Wie entstand die Idee, einen Roman rund um das Triest der Donaumonarchie sowie die Anfänge der Mittelmeerkreuzfahrt zu schreiben?

Günter Neuwirth: Wie bei jedem Roman spielten mehrere Ideen zusammen, die nach und nach eine in sich stimmige Geschichte formten. Einerseits beschäftige ich mich seit Jahrzehnten mit den historischen Entwicklungen Mitteleuropas, andererseits interessiert mich die Geschichte der Technik, also auch der Dampfschifffahrt, und dann gibt es natürlich die überaus faszinierende Vergangenheit dieser Stadt an der oberen Adria. Triest war um 1900 eine der lebendigsten Städte der Welt. Triest war ein Schnittpunkt der Kulturen, eine weltoffene Metropole, ein europäischer Handelsplatz und ein Leuchtturm der Geistesgeschichte, aber auch die vorderste Front im Kampf des Nationalismus und ein Ort der staatlichen Tyrannei. Die Donaumonarchie war alles andere als ein fortschrittlicher und toleranter Staat im heutigen Sinn. Diese Gemengelage spornte mich an, mir eine gute Geschichte auszudenken. Der Anfang der Mittelmeerkreuzfahrt mit der „Yacht für Vergnügungsfahrten“ Thalia war für mich ein hochwillkommener Kristallisationspunkt, die Geschichte zu verankern.

Haben Sie selbst Erfahrungen mit Triest gesammelt? Wenn ja, hätten Sie vielleicht ein paar Tipps für Menschen, die mit der Stadt noch nicht vertraut sind?

Natürlich war ich wiederholt in Triest und werde hoffentlich noch oft hinkommen. Aber es ist nicht die Stadt alleine, die mir vertraut ist. Ich bin Bewohner eines europäischen Großraums, nämlich der Region Alpe-Adria. Die Südostalpen sind historisch, kulturell und kulinarisch ohne die Adria nicht denkbar, und umgekehrt gilt das ebenso. Meine Tipps für die Entdeckung der Stadt: Nehmen Sie sich Zeit. Trinken Sie Kaffee. Essen Sie Fisch. Und fahren oder wandern Sie in das nahegelegene Opicina, um vom Berghang den Blick über den Golf von Triest schweifen zu lassen.

Die Donaumonarchie fasziniert und beschäftigt bis heute viele Schriftsteller. Was ist für Sie spannend an der Epoche?

Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder als Vorläufer für die Europäische Union genannt worden. Bei aller historischer Unschärfe dieses Vergleichs trägt er doch einen Funken Wahrheit in sich. Man denke nur an Stefan Zweig, diesen urösterreichischen Dichter. In der Donaumonarchie geistig geprägt, vertrat Zweig zeitlebens den kosmopolitischen Gedanken. Nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit den Gewaltexzessen des nationalistischen Wahnsinns ist aus heutiger Sicht die Donaumonarchie, bei allen Unzulänglichkeiten, ein Staat gewesen, in dem viele Völker, Religionen, Sprachen und Kulturen zumindest ein Zeit lang gedeihlich miteinander gelebt haben. Das finde ich spannend.

Ihre letzten Romane spielten in Wien. Waren der Orts- und der Zeitwechsel eine Herausforderung oder große Umstellung?

Es war beides, Herausforderung und Umstellung. Die Bilanz an Arbeitszeit pro Romanseite hat sich gravierend geändert. Die Wiener Krimis habe ich im Vergleich aus dem Handgelenk geschüttelt, den historischen Stoff habe ich mir mit einer absurd hohen und durch keinerlei Honorarabrechnung bezahlbaren Anzahl an Arbeitsstunden erschlossen. Diese Arbeit hat mein literarisches Leben mit unermesslichem Glück, Sinn und Reichtum erfüllt. Ganz egal, was da noch kommt, ganz egal, ob die Menschen den Roman mögen oder nicht, mir hat die Arbeit daran Freude bereitet. Und ich hoffe sehr, dass von dieser Einstellung etwas in den Text geflossen ist, und die Menschen diese Freude beim Lesen zumindest ein bisschen fühlen.

Wie kann man sich die Recherchearbeit für so ein Buch vorstellen? Wo haben Sie Inspiration gefunden?

Die Recherche ist das Salz in der Suppe, von der ich mich ernähre. Eine interessante Handlung, spannende Figuren und eine tolle Geschichte erwarte ich von meinen Romanen. Ich will mein Publikum schließlich unterhalten, zum Nachdenken anregen, vielleicht sogar überraschen, aber all das muss in ein solide recherchiertes Umfeld eingebettet sein. Für die Recherche unerlässlich sind Online-Archive. So gibt es etwa digitalisierte Zeitungen aus der Zeit auf der Website der Triester Biblioteca Civica. Und ich habe mir in den Buchläden Triests nach und nach eine hübsche Sammlung von hauptsächlich italienischen Büchern angeschafft. Darin zu schmökern ist ein steter Quell an Inspiration.

Das Buch spielt auf der Thalia, einem der ersten Kreuzfahrtschiffe überhaupt. Sind Sie generell an Kreuzfahrten und deren Geschichte interessiert oder reizte Sie das Schiff als Tatort?

Die Kreuzfahrten der Gegenwart sind mir suspekt, ich kriege es mit der Angst zu tun, wenn ich Fotos aus Venedig oder Dubrovnik sehe, wenn dort Gigaliner einlaufen. Angst um die adriatischen Städte, die vor allem dieses sind: alt und klein. Ich mag auch den Lärmtourismus in den winterlichen Bergen meiner Heimat nicht. Beim Reisen versuche ich, mich an meine Reiseziele anzupassen, nicht umgekehrt. Aber ich bin da wohl der individualistische Schriftsteller. Was mich an der Fahrt der Thalia außerordentlich reizte, war die kleine, in sich geschlossene Welt von 160 Passagieren und 40 Besatzungsmitgliedern auf den Weiten des Meeres.

Die Fahrt geht durch weite Teile des Mittelmeers, und wir kommen nach Ragusa, Otranto, durch Griechenland bis zur Türkei. Haben Sie einen Lieblingsort am Mittelmeer?

Leider kenne ich noch viel zu wenige Orte am Mittelmeer und viele werde ich nie betreten, aber ich kenne einige. In meiner Studienzeit war ich mehrmals auf den Ägäischen Inseln und auf Kreta, in den letzten Jahren habe ich vor allem die kroatische Küste bereist und viele schöne Orte entdeckt. Es gibt so viel zu erleben, also muss ich sagen: Mein Lieblingsort am Mittelmeer ist das Mittelmeer.

Wird Ihr nächstes Buch wieder nach Wien zurückkehren oder haben Sie weitere literarische Szenenwechsel geplant?

Da Romane eine erhebliche Arbeitszeit erfordern und es eine lange Vorlaufzeit vor der Veröffentlichung eines Buchs gibt, kann ich schon sagen, was als Nächstes kommt, nämlich das, woran ich derzeit arbeite. „Dampfer ab Triest“ war von Anfang an als Start einer Serie geplant, mein Ziel ist, gemeinsam mit dem Gmeiner-Verlag eine Trilogie mit dem Titel „Triest 1907“ herauszubringen. Arbeitstitel des nächsten Romans mit Inspektor Bruno Zabini ist: „Kaffee in Triest“. Ein koffeinhaltiger Roman!

Dampfer ab Triest
von Günter Neuwirth
Gmeiner Verlag
471 Seiten, 13,5 x 21 cm, Klappenbroschur Premium
Buch 16,– € / E-Book 11,99 €
ISBN 978-3-8392-2800-5