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Der Untersberg fasziniert vor allem passionierte Wanderer. © Christian Heugl

Der Untersberg und seine Geheimnisse

Imposant und fast unnahbar streckt sich der Untersberg am Rande des Salzburger Beckens in die Höhe. Das neue Buch „Rauf auf den Untersberg“ widmet sich Touren und Mysterien des Gebirges. GUTE REISE sprach mit Autor Christian Heugl.

Geheimnisumwitterte Marmorbrüche. Vergessene Wanderrouten. Um den Untersberg ranken sich viele Mythen. Dem Salzburger Wanderexperten Christian Heugl gelingt mit seinem Buch „Rauf auf den Untersberg“, die Faszination einzufangen. Reich bebildert, voller Geschichten und mit Einkehrtipps und Infos zu Erreichbarkeit und Schwierigkeitsgrad – das Buch hat alles, was man sich von einer Lektüre über den Untersberg erhoffen kann.

Das Buch ist aber nicht nur für Untersberg-Neulinge. Auch Kenner werden das ein oder andere erfahren. „Viele Wege, die ich im Untersberg-Buch präsentiere, sind solche Routen, die absichtlich, oder unabsichtlich, in Vergessenheit geraten sind. Wobei das Wandergelände in den Kalkbergen, so wie der Untersberg einer ist, natürlich von Haus aus anspruchsvoller ist. Aber zum optimalen Einschätzen der Schwierigkeit sind die Touren ja alle nach der Schwierigkeitsskala 1 bis 6 des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) bewertet“, sagt Heugl.

Mit GUTE REISE sprach Heugl über Marmor, Touren, Hütten und vieles mehr.

Können Sie uns etwas über sich erzählen?

Ich bin Jahrgang 1957 und komme aus einer Salzburger Lehrerfamilie, in der die sportlichen Aktivitäten einen hohen Stellenwert eingenommen haben. Der Vater war oftmaliger österreichischer Leichtathletik-Meister in verschiedenen Laufdisziplinen, die Schwester errang viele österreichische Meistertitel als Schwimmathletin und ich habe beschlossen, dass ich mich den Bergen und der Natur zuwende. Das war von Anfang an meine Welt. Die Berge sind für mich kein Sportgerät – die Höhenmeter oder die Anzahl der Gipfel spielten kaum jemals eine Rolle –, das Faszinierende an den Bergen war von Anfang an das Unbekannte, das Neue, wie das Erforschen eines unbekannten Planeten.

Wie würden Sie jemandem, der noch nie dort war, den Untersberg beschreiben?

Der Untersberg ist so, wie er aussieht. Also mit Sicherheit kein Spaziergang, unter 1.000 Höhenmetern gibt es keine Tour vom Tal auf das Plateau. Aber zum Glück gibt es eine Seilbahn. Ideal zum Kennenlernen und vielleicht geeignet für ein erstes Tête-à-Tête. Wenn die konditionellen Voraussetzungen für eine lange Untersberg-Tour noch nicht passen, dann würde ich eine der zahlreichen Ziele rund um den Untersberg oder zu seinen Füßen vorschlagen.    

In dem Buch stellen Sie 46 Touren vor. Könnten Sie uns vielleicht zwei oder drei Ihrer persönlichen Favoriten verraten? Was gefällt Ihnen an denen besonders?

Das beste Ziel hängt stark von der Jahreszeit und der mentalen Einstellung ab. An manchen Tagen ist die Bio-Kurve ganz oben, dann würde ich eine Plateau-Querung in Erwägung ziehen. Das sind immer anspruchsvolle, tagesfüllende Touren. Aber das Glücksgefühl, wenn man dann endlich die einzige Quelle, den luftigen Gipfel oder das Stöhrhaus erreicht hat, ist einfach überwältigend. Quer über den Untersberg bleibt lange in Erinnerung.

Einen unglaublich hohen Erlebniswert hat auch der Eder-Steig, der von der Toni-Lenz-Hütte quer durch und an der Wand entlang zur Mittagsscharte hinauf verläuft.

Dann gibt es aber auch wieder Tage, an denen der großartige Naturerlebnisweg beim Aschauer-Weiher im Gemeindegebiet Bischofswiesen (Bayern) zur Ausschüttung von Glückshormonen völlig reicht. Im Sommer ist dann das Tüpferl auf dem i noch der Besuch im Naturbad-Aschauer-Weiher, dem größten und wahrscheinlich schönsten in ganz Oberbayern.   

Das Buch stellt auch verborgene Orte vor. Was wären ein paar dieser geheimen Juwelen?

Sehr geheimnisumwittert sind die Marmorbrüche und die Riesenquelle in Fürstenbrunn. Wenn man bedenkt, dass schon die Römer vor 2.000 Jahren den edlen Stein abbauten und dass die Salzburger Fürsterzbischöfe eigene Wasserreiter einstellten, um zum glasklaren Fürstenbrunner Wasser zu gelangen, ist das schon faszinierend. Unbedingt besuchenswert ist auch die einzige bewirtschaftete Alm am Untersberg beim Zehnkaser. Der Lusabeth-Kaser liegt etwas abseits neben dem Abstieg vom Stöhrhaus Richtung Bischofswiesen, aber der kleine Umweg zur Sennin ist mit Sicherheit ein Gewinn. Aber dann gibt es ja auch noch die Keramikerin Rita Schumacher in Hintergern, die Marxenhöhe, die Berchtesgadener Stollenwege, Maria am Berg und, und, und.

Was hat der Untersberg in Sachen Flora und Fauna zu bieten?

Am ergiebigsten ist die Blumenschau am Untersberg im Frühling und Frühsommer. Die ersten Blüten, die den lichten Wald in ein Blumenmeer verwandeln, sind die Schneerosen oberhalb von Marktschellenberg. Später dann überziehen leuchtend gelbe Platenigl aus der Familie der Primelgewächse die ersten aperen Felsen, wenig später leuchten die Enzianblüten aus der Wiese vor der Wallfahrtskirche Mariä Ettenberg. Auf der anderen Seite der Almbachklamm breitet sich dann wenig später ein betörender Maiglöckerl-Duft aus. An bestimmten kühl-feuchten, aber doch auch ausreichend lichten Stellen ist der überaus seltene und streng geschützte Frauenschuh zu Hause. Viel häufiger zu Gesicht bekommen die Untersberg-Wanderer die Akeleien und die Türkenbundlilien, die entlang der Wege bis in den Sommer hinein blühen.

    Könnten Sie uns etwas zum Untersberger Marmor verraten?

    Streng genommen handelt es sich, im Gegensatz zum Stein aus Carrera, gar nicht um Marmor. Der Beliebtheit tut das aber keinen Abbruch, der Untersberger Marmor wurde bereits in der römischen Zeit von Christi Geburt bis nach 400 mit Vorliebe für luxuriöse Villen und Tempelbauten verwendet. Die Salzburger Fürsterzbischöfe ließen die wichtigsten Kirchenfassaden sowie die repräsentativen Elemente der Residenzen und auch zahlreiche städtische Brunnen aus dem charakteristisch hellen Material errichten. Der Dom und der Residenzbrunnen sind die beiden bekanntesten Baudenkmäler. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Marmor aus Fürstenbrunn zu einem richtigen Exportschlager. Die Beschaffenheit und Qualität aus genau diesen Marmorbrüchen in Fürstenbrunn ist einzigartig. Das hat sich vermutlich auch der Kurzzeit-Herrscher in Salzburg (1810–1816), der bayerische Kronprinz Ludwig I., gedacht, der von diesem Material derart angetan war, dass er auch vor einer Urkundenfälschung nicht zurückschreckte, um im Besitz der Brüche zu bleiben. Wie auch immer, seit dieser Zeit ist der Untersberger Marmor an den schönsten Bauten in München und Umgebung tonnenweise vertreten. Ein vergleichsweise einfacheres und günstigeres Mitbringsel sind da schon die Marmorkugeln, wie sie etwa in der Kugelmühle vor der Almbachklamm oder im Untersbergmuseum in Fürstenbrunn erhältlich sind.   

    Vielleicht eine kurze Frage zum Schwierigkeitsgrad: Ist das Terrain für alle Menschen geeignet?

    Der Untersberg ist das Zentralgestirn, das vor allem die Bergsteiger anspricht. Rund herum kreisen aber ganz wunderbare Planeten, die sich bestens für gemütliche, familienfreundliche Spaziergänge eignen. Also haben der Untersberg und seine Vorberge für alle Bedürfnisse das richtige Ziel im Angebot. Die Beschreibungen im Buch sind aber so aufgebaut, dass mit wenigen Blicken die Anforderung und der Schwierigkeitsgrad erkennbar werden.  

    Wir würden unsere Leser ungern ohne Einkehrtipps losschicken. Welche sind die traditionsreichsten Hütten und welche Schmankerln darf man nicht verpassen?

    Die Qualität ist auf allen drei Untersberghütten (Toni-Lenz-Hütte, Stöhr-Haus, Zeppezauer-Haus) ganz ausgezeichnet. Nach dem langen Aufstieg oder der Querung überwiegt die Freude über ein zünftiges Essen und ein kühles Getränk. Alle strengen sich an, gekocht wird auf höchstem Niveau zwischen 1.400 und fast 1.900 Metern und die Hauben bringen die Gäste selber mit.

    Rund um den Untersberg gibt es in jeder Gemeinde gastronomische Höhepunkte. Wer allerdings mit dem Kaiser Karl persönlich an einem Tisch sitzen will, der noch dazu aus edelstem Fürstenbrunner Marmor geschaffen ist, der muss sich zum Gasthof Esterer in Fürstenbrunn begeben. Das einzigartige „Bratl in der Rein“ wird wohl auch der Grund sein, warum sich der Kaiser vom Esterer gar nicht mehr wegbewegen will.

    Rauf auf den Untersberg
    • Verlag Anton Pustet Salzburg
    • Umfang: 264 Seiten Abbildungen
    • durchgehend farbig bebildert
    • Format: 11,5 x 18 cm 
    • französische Broschur
    • ISBN: 978-3-7025-0970-5