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Auf der Krämerbrücke in Erfurt. © Thüringer Tourismus GmbH/Gregor Lengler

Deutschlands Schatzkammer

Von Eisenach im Westen bis Altenburg im Osten: Thüringen begeistert mit seinen kulturellen Perlen entlang einer historischen Städtekette. Ob Wartburg, Krämerbrücke, Ekhof-Theater oder Bauhaus-Museum: Sie alle laden zu einer Zeitreise in die europäische Geschichte ein.

Thüringen ist klein, der Freistaat hat nur knapp über zwei Millionen Einwohner. Aber was ist schon Größe, wenn das Erbe der Kultur und Natur so enorm groß ist? Thüringen war einst ein Flicken­teppich, wo Fürsten, Herzöge und Grafen mit Freude untereinander mit Glanz und Pracht konkurrierten; wo die wohl größten Genies ihrer Zeit wie Goethe, Schiller und Bach Geschichte schrieben; wo einst Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte; wo die Via Regia die Städte erblühen ließ; wo das Bauhaus die Vorstellung von Design und Architektur veränderte; wo das unendliche Sternenzelt noch heute im dienstältesten Planetarium der Welt begreifbar wird. Eine Reise nach Thüringen birgt viele Überraschungen, die es zu entdecken gilt. Gleich einer Schatzkammer. 

Rad- und Wanderparadies

Um die prägende Verbindung von Kultur und Natur in Thüringen aufzuspüren, eignen sich die Rad- und Wanderwege in der Region bestens. Scheinbar nur einen Katzensprung entfernt von der Wartburg liegt der Nationalpark Hainich, heute Weltnaturerbe. Der Hainich gehört zu den letzten Überbleibseln der Urwälder, die einst weite Teile Mitteleuropas bedeckten. 

Mythos Wartburg 

Ein Turm mit Zinnen, dicke Mauern und etwas Fachwerk: Die Wartburg erscheint wie aus dem Bilderbuch. Das UNESCO-Weltkulturerbe liegt hoch über Eisenach im Thüringer Wald. Goethe hat sie einst beschrieben, Wagner sie im Tannhäuser verehrt und Martin Luther sie berühmt gemacht. Der streitbare Mönch fand auf der Wartburg Schutz vor kaiserlichem Bann und päpstlicher Ächtung, als er das Neue Testament erstmals ins Deutsche übersetzte. Die Luther-Bibel ist heute der größte Schatz des Hauses. Doch auch der reich ausgestattete Festsaal strahlte schon immer eine Faszination aus. So ließ ihn Bayernkönig Ludwig II. auf Schloss Neuschwanstein nachbauen. Ein Hin-gucker sind auch die von Maler Moritz von Schwind geschmückten Räume. Die Fresken zeigen die Geschichten und Legenden der Wartburg. Sehenswert ist außerdem die Elisabeth-Kemenate mit den herrlichen Mosaiken.

Barockes Universum

Die ehemalige Residenzstadt Gotha birgt viele Kulturschätze. Da ist vor allem das imposante Schloss Friedenstein zu nennen, das seinen Namen der friedlichen Vision seines Herzogs „Ernst des Frommen“ nach den Kriegsjahren des 17. Jahrhunderts verdankt. Im Westturm der barocken Anlage beherbergt es das Ekhof-Theater, das älteste Barocktheater mit einer funktionstüchtigen hölzernen Bühnenmaschinerie. Schon damals erlaubte besagte Technik, in weniger als acht Sekunden das Bühnenbild zu wechseln. Die bemalten Kulissen werden noch immer mit Seilen und Rollen mit Muskelkraft bewegt. Beim alljährlichen Ekhof-Festival kann man diesem Schauspiel folgen. Windmaschine, Donnerschacht und eine raffinierte Lichtregie versprechen abwechslungsreiche Aufführungen. Das Bühnenereignis findet 2021 von 2. Juli bis 28. August statt.  

Treffpunkt Brücke

Studentisches Flair und eine kreative Lokalszene zeichnen Erfurt aus. Ein historisch wertvolles Wahrzeichen ist die Krämerbrücke. Ihren Namen verdankt die bebaute Brückenstraße den Händlern, auch Krämer genannt, die ihren „Kram“ an der Via Regia, der Handelsstraße von Ost nach West, den Reisenden im Mittelalter verkauften. Heute gleicht das Lebensgefühl der Menschen, die hier wohnen, einem liebenswerten Mikrokosmos. 32 Fachwerkhäuser, 32 kleine Welten und Platz genug für ungewöhnliche Geschäftsideen, Kunsthandwerker und Kreative: Vom Schmuckdesign bis hin zum Puppenbauer – hier bastelt man an einem geglückten Lebensentwurf. Das inspiriert auch die Besucher.  

Die Wiege des Bauhaus

Im Umfeld einer gesellschaft-lichen wie auch politischen Neuorientierung entwickelte sich in Weimar der wirkungsvollste Kultur-Exportschlager Deutschlands: das Bauhaus. 1919 von Walter Gropius gegründet, war es Ideenschule und Experimentierfeld des modernen Designs. Für Aufsehen sorgten da die Wiege von Peter Keler, die Teekanne von Marianne Brandt und die Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld. Zum 100-Jahre--Jubiläum eröffnete 2019 daher in Weimar das neue Bauhaus-Museum, welches die älteste Bauhaus-Sammlung der Welt wieder erlebbar macht. Einen Besuch wert ist das Haus Am Horn, welches, 1923 als Musterhaus gebaut, heute ebenso zum UNESCO-Welterbe zählt wie die Gebäude der Bauhaus-Universität Weimar. Apropos UNESCO: Neben dem Bauhaus zählen zu diesem auch zahlreiche Objekte der Weimarer Klassik, bekannt geworden durch seine Dichterfürsten Goethe und Schiller, die Weimar als ihren Wohnsitz auserkoren hatten.

Radweg Städtekette

Der rund 230 Kilometer lange Radfernweg Thüringer Städtekette verbindet elegant die Weltkultur und Natur Thüringens. Alle Städte – Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, Jena, Gera, Altenburg – sind an das Streckennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Damit können auch Abschnitte des Radfernwegs Thüringer Städtekette bequem abgefahren werden. Ein Tipp für Kulturfans und Tourenradler. Ein passender Zeitvertreib für den Abend: das Skatspiel. Dieses wurde in Altenburg erfunden. Näheres erzählt eine Ausstellung im Schlossmuseum.

Sternentheater

Jena ist ein Wissenschafts- und Forschungszentrum mit Tradition. Hier haben Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott Geschichte geschrieben. Das älteste Planetarium der Welt ist längst ein Wahrzeichen. Das Sternentheater ist seit mehr als 90 Jahren in Betrieb und begeistert mit faszinierenden Shows. Es nutzt dabei z. B. Hochleistungsprojektoren, Laser- und Videotechnik.

Großer Kunstschatz 

Rund 470 Werke des Künstlers und Grafikers Otto Dix gehören seiner Geburtsstadt Gera. Er war einer der bedeutendsten deutschen Maler Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Großteil seiner Arbeiten auf Papier sowie zahlreiche Gemälde sind im Otto-Dix-Haus zu bewundern. Im Gebäude am malerischen Untermhäuser Mohrenplatz kam er 1891 zur Welt. Die Dauerausstellung umfasst Frühwerke, aber auch Meisterwerke wie „Selbstbildnis als Raucher“ und „Meine Freundin Elis“ (1919). Außerdem dokumentiert sie sein Leben und Wirken.