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Blick vom Areopagus-Hügel auf die mächtige Akropolis. © Alexis Wiklund

Athen: Stadt der Kontraste

Griechenlands Hauptstadt hat mehr als die Akropolis und antike Schätze zu bieten. In Athen kann man lernen, was Lebenslust wirklich bedeutet.

Ich liebe Athen – nicht nur weil es meine Geburtsstadt ist. Die Metropole ist keine Schönheit, aber sie hat Charakter. Für eine Stadt, die vor rund 150 Jahren kaum 30.000 Einwohner hatte und jetzt über drei Millionen, ist das keine Selbstverständlichkeit. Das weiße Häusermeer zwischen Piräus und den kahlen Bergen ist ein oft planlos gewachsener Mikrokosmos. Trotz des Chaos hat die griechische Hauptstadt Flair. Der Geburtsort von Demokratie, Wissenschaft, Kunst und Philosophie ist ein Hotspot der Lebenslust und steckt voller Überraschungen und Widersprüche. Ein Beispiel dafür liegt versteckt unterhalb des Akropolis-Hügels und oberhalb der Altstadt Plaka. Im Dorf Anafiotika schauen die Häuschen aus wie auf den Kykladen. Kein Wunder, lebten hier früher Bauarbeiter der Ägäis-Inseln. Sie haben dem Parthenon und anderen Wahrzeichen der Stadt einst Glanz verliehen.

Charmanter Moloch

Athen hat viele Sehenswürdigkeiten: den Parthenon und das ­Akropolis-Museum, das Byzantinische Museum mit der Ikonen-Sammlung, das Parlament, den Fleisch- und Fischmarkt, den Monastiraki-Platz, den Lykabettus-Hügel, den modernen Ilissos-Park, das antike Stadion. Doch das, was die Metropole am meisten prägt, sind die Menschen, das pulsierende Leben auf den Plätzen und in den Gassen. Der Irrsinn im Straßenverkehr. Dieses Symbol für Stillstand im Alltag feiern die Athener mit spontanen Hupkonzerten und ­nutzen sie zum lautstarken Austausch. Dabei wird manches Schimpfwort mit ausladender Handbewegung unterstrichen oder mit bedeutungsschwangerem Blick gekrönt. Wenig überraschend haben die Athener ein recht entspanntes Verhältnis zur Zeit. Wundern Sie sich nicht, wenn sich ein Termin immer wieder verschiebt. Motto: Ziga ziga, nur keinen Stress.
Petros Markaris, international gefeierter Krimi-Star, bringt es auf den Punkt: „Die Athener haben überhaupt kein Problem, ihre Meinung zu sagen. Sie sind kein besonders höfliches Volk, haben aber eine besondere Hilfsbereitschaft. Sie haben außerdem einen sehr lockeren Umgang miteinander. Typisch ist ihre Neigung zum Witz und ihre fröhliche Stimmung auch in der Krise.“

Feiern gehört zum Alltag

Die meisten Athener sind Lebenskünstler und erwarten auch im Restaurant flexible Lösungen. Es ist kein Problem, etwas zu bestellen, was so nicht auf der Karte steht. Das dürfen auch Touristen. Einfach mal ausprobieren. Die Athener essen abends – wie alle Griechen – sehr spät, meist so um
22 Uhr. Davor trifft man sich zum geselligen Plausch auf einen Kaffee oder ­Aperitif. Themen sind meist Regierung, Familie und König Fußball. Übrigens: Ein Restaurant, das um 19, 20 Uhr gesteckt voll ist, kann nur ein Touristenlokal sein. Eines, das um diese Zeit noch gähnend leer ist, kann exzellent sein.

Die Athener lieben es, am Abend auszugehen. Dafür leiht man sich notfalls Geld. Schließlich lebt man nur einmal und versucht das Leben jeden Moment möglichst zu genießen. Wohin ausgehen? Zum Beispiel in eine Bouzouki-Bar (Bousoukia). Das ist ein riesiger Nachtclub, oft Open Air, wo Stars der griechischen Popmusik auftreten. Das Publikum wirft in seiner Glückseligkeit gerne Nelken auf die Bühne. Früher zerbrach man aus Bewunderung Berge von Tellern. Das ist wegen der Verletzungsgefahr heute verboten.
Bodenständiger geht es in einer Koutouki-Bar zu. Diese sieht auf den ersten Blick aus wie ein beliebiges Restaurant. Nur dass dort bis in die Morgenstunden live musiziert wird. Die Liederwünsche der Gäste von Rembetiko bis Laïki erfüllen die Musiker unermüdlich. Spenden (Geld oder Alkohol) helfen ihnen dabei. Trotz Platzmangel tanzt so mancher zwischen den Tischen. Die Lebensfreude muss hin und wieder spontan raus und mit stolzen Schritten ausgedrückt werden. Das verlangt das südländische Herz.

Wer sich vom Nachtleben erholen muss, geht an den Strand, etwa von Glyfada, oder fährt auf nahe Inseln wie Ägina, Hydra oder Spetses. Oder er schwimmt im Vouliagmeni-See, dem seit der Antike beliebten, mineralhaltigen Bad direkt am Meer. Von dort ist es nicht weit zum Kap Sounion, um den Sonnenuntergang mit antikem Tempel zu bewundern.

GUTE TIPPS

Essen

Chatzis
Traditionsreiche Café-Konditorei beim Syntagma-Platz (Mitropoleos 5). Seit 1908 Experte für süße Speisen wie Kadaifi und Baklava. www.chatzis.gr

KoukArt taste n more
Kleines Lokal nahe dem Akropolis-Museum (Misaraliotou 1). Perfekt für Frühstück oder leichtes Mittagessen.

Scholarhio
Empfehlenswertes Lokal zwischen Anafiotika und Plaka (Tripodon 14). Sehr gute Küche. Trotz Altstadt-Lage nicht teuer. Kleiner Gastgarten. www.scholarhio.gr

Kultur

Byzantinisches Museum
Von römischer Kunst bis hin zu den Mitbringseln griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien 1922. Sensationelle Ikonen-Sammlung. Exzellentes Museumsrestaurant mit Kunstgarten. www.byzantinemuseum.gr

Benaki-Museum
Werke aus allen Epochen der griechischen Kultur und Geschichte. www.benaki.org

Freizeit

Flisvos Marina
Beliebte Ausgehmeile am Yachthafen in Paleo Faliro. Von hier aus kann man entlang der Promenade bis Kalamaki am Meer flanieren. www.flisvosmarina.com