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Fast zu schön, um echt zu sein: die Salz-Metropole Hallstatt in Oberösterreich. © Alexis Wiklund

Salzkammergut: Welterbe pur

Salzwelten, hohe Berge und klare Seen – das Salzkammergut war schon zu Kaisers Zeiten ein Urlaubsparadies. Heute stehen bei den Gästen vor allem Kultur, Wandern, gutes Essen und Wellness auf dem abwechslungsreichen Programm.

Hallstatt erfährt in China große Verehrung. Sogar eine Kopie hat man dort errichtet – aber ­seitenverkehrt“, so Alexandra Stammler. Sie hat dazu auch Beweisfotos. „Trotzdem ist Hallstatt kein Freilicht­museum.“ Und sie muss es wissen. Die erfah­rene Fremdenführerin wurde in der welt­berühmten UNESCO-Welterbe-Stadt geboren und lebt hier auch. Vor Corona zogen die asiatischen Touristen in Massen durch die ­engen Gassen. „Einige erkundeten den malerischen Ort sogar bis in den letzten privaten Winkel mit filmenden Drohnen.“ Deshalb die Warn­tafeln, die auf ein strenges Flugverbot hinweisen.

Statt der Chinesen kommen nun wieder die Österreicher. Nicht in Massen, aber höchst erfreut, dass sie den malerischen Ort jetzt in Ruhe erkunden können. „Den besten Blick auf Hallstatt haben die ­Fischer in ihren hölzernen Fuhren“, verrät Alexandra Stammler. Diese schauen aus wie Zillen. Doch keinem Einheimischen käme diese Bezeichnung in den Sinn. „Das hat nichts mit Sturheit zu tun, sondern mit Tradition.“ Diese hat im Salzkammergut noch Gewicht. Nicht nur bei Tracht und Hausmusik. „Eine Fahrt mit der ,Fua‘ erlaubt das perfekte Bilderbuchfoto“, ist sie überzeugt. Ein halbstündiger Ausflug über das Wasser kostet für bis zu zwölf Personen rund 50 Euro. Für alle zusammen. Das zahlt sich aus.

Hallstatt war einst Salinen-Metropole. Mit deutlich mehr Einwohnern als heute. Alle hat das weiße Gold hergelockt. „Einige bereits vor 7.000 Jahren. Rund 360 Meter über dem Ort, am Berg oben, ­erstrecken sich historische Gräberfelder“, erklärt Alexandra Stammler. Einige Info-Stationen erinnern daran.

Skywalk und Salzwelten

Doch die Touristen begeistern sich mehr für den Skywalk mit Welterbeblick. Der ist nicht nur für die Generation Selfie ein besonderes Foto-Erlebnis. Man kann ­dafür von Hallstatt den sehr steilen Berghang zu Fuß hochwandern oder mühelos mit der Standseilbahn hinaufsausen. Nahe dem Skywalk wartet ein weiteres Abenteuer: das älteste Salzbergwerk der Welt, die Salzwelten. Sie beherbergen sogar eine rund 3.300 Jahre alte Holzstiege ­sowie zwei lange unterirdische Salinen-Rutschen. Das Schaubergwerk beantwortet alle Fragen rund um den Salzabbau. Eine Lasershow erklärt etwa, wie der Mensch auf das tief im Berg verborgene Salz stieß. Jäger bemerkten, dass das Wild an Quellen salzhaltiges Wasser leckte. Das weiße Gold hat das Leben im Salzkammergut seither geprägt und einigen Menschen enormen Reichtum verschafft. Der österreichische Kaiser gehörte dazu.

Wo der Kaiser urlaubte

Von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter verbrachte Franz Joseph fast jeden Sommer in Bad Ischl. Der Glanz der kaiser­lichen Sommerfrische gehört noch heute zur Stadt wie die Schürze zur Tracht. Hier hat er seine Sisi lieben gelernt und ihr die Ehe versprochen. Von dieser glücklichen Romanze wissen Generation weltweit durch die „Sissi“-Filmtrilogie. Wie es wirklich war, das erfährt man in der Kaiservilla. Fest steht: Seine Majestät war hier gerne auf der Pirsch. Das Haus schmücken 2.000 von 50.000 Jagdtrophäen von Tieren, die er alle selbst ­erlegt hat. Das meiste sind Gamskrickerl. Ein Bärenkopf und ein Wildschweinschädel sind auch dabei. Alle säuberlich mit ­Datum und Todesort versehen. Man kann sich ja nicht an jeden Abschuss erinnern. Wer das Glück hat von Maximilian Habsburg durchs Anwesen geführt zu werden, erhält Einblick in Leben und Zeit seiner Vorfahren. Der Ururenkel des Kaisers hat einiges an Insiderwissen zu berichten.

Als exzellente Quelle erweist sich auch Guide Luzia Gamsjäger beim Spaziergang durch Bad Ischl. „Bevor der Kaiser zu seiner Geliebten, der Schauspielerin Schratt, ging, ließ er in der Kurapotheke seine Herztropfen mischen. Sisi schätzte das destillierte Wasser fürs hautfreund­liche Vollbad“, weiß die Adelsexpertin. Sie setzte in Sachen Wellness Maßstäbe, lange bevor es den Begriff gab. Luzia Gamsjäger empfiehlt dazu ein Bad in der Ischl. „Der Abfluss des Wolfgangsees hat angenehme Temperaturen und schöne Plätze zum Eintauchen.“

Reiche Traditionspflege

Das Kaiserhaus adelte den großen Salzumschlagplatz zum Hotspot der Sommerfrische. Damals kam man zur Jagd und Kur und um ihrer Majestät nahe zu sein. Heute genießt man das aus­gezeichnete Wander- und Radwegenetz, tankt im Spa des Vertrauens neue Kraft und nimmt am üppigen Kulturangebot teil. „Dieses reicht vom Lehár-Festival über die Nestroy-Ring-Verleihung bis zum kleinsten Elvis-Festival der Welt.“ Den Menschen hier ist die ­Pflege der Tradition eben ein Anliegen.

Das gilt auch für Christoph Held. Mit 21 Jahren übernahm er am Siriuskogl ein Ausflugslokal samt Aussichtsturm und zog dort seine Vorstellung vom Kochen durch. Dazu zählen auch verrückte Kreationen, die jedoch regional und mit einem Hauch Tradition gespickt sind, etwa Dry-aged-Beef mit Kohlrabi-Holler-Sorbet. „Es macht mir Spaß, mit schrägen Menüs zu überraschen. Ich selbst gehe am liebsten so essen.“ Er möchte vorher nur die Vorlieben der Gäste wissen und schon zaubern er und sein Team eine Köstlichkeit nach der anderen aus dem, was die Bauern und der eigene Garten hergeben. Die ­lässigen Gerichte haben Hauben­niveau, werden aber entspannt serviert. Übrigens: In Sachen Genuss sind im Salzkammergut Saibling und Kaiserschmarren Signature Dishes. „Die bekannte Mehl­speise wurde einst auf der Retten­bachalm erfunden, und sie servieren sie dort immer noch“, verrät Luzia Gamsjäger.

Keramik und Baumwipfel

Kein Geheimnis ist, dass die Gmundner Keramik das Image der Stadt prägt. Eine Führung durch die Fabrik am Ortsrand von Gmunden zahlt sich aus. Spätestens beim Bemalen der Tonteller zeigt sich, wie viel Können in diesem alten Handwerk steckt. Die weltbekannte Hochzeitsdestination Schloss Ort sollte man gesehen ­haben. Diese gibt es gleich zwei Mal: im Wasser und zu Lande, umgeben vom Tos­canapark. Es ist ein Vergnügen, die Altstadt der Porzellanstadt zu erkunden oder an der langen Esplanade am Traunsee zu flanieren. Empfehlen kann man auch den Ausflug mit der Seilbahn auf den nahen Grünberg, vor allem ­wegen des Panoramablicks und des atemberaubenden Baumwipfelpfads, der ganz neue Perspektiven eröffnet.

GUTE TIPPS

Essen

Steegwirt/Bad Goisern

Weltkulturerbe-Wirt mit Haube. Verbindet Hausmannskost und gehobene Küche. Schönes Ambiente. www.steegwirt.at

Café Zauner/Bad Ischl
Ob Konditorei oder Esplanade: begeistert mit Mehlspeisen und Pa­tis­se­rie. Tipp: Zaunerkipferl. www.zauner.at

Siriuskogl/Bad Ischl
Beliebtestes Ausflugslokal mit oft schrägen kulinarischen Gerichten. www.siriuskogl.at

Café Grellinger/Gmunden
Seit 1878 Paradies für Naschkatzen. Original Gmundner Torte. www.konditorei-grellinger.at

Wohnen

Goldenes Schiff
4*-Hotel mit Geschichte in Bad Ischl. Schöne Zimmer, ruhige, beste Lage. Stylish und doch sympathisch.
www.goldenes-schiff.at

Bad Ischl erleben

Bittner Hüte
Nicht nur Kaiser Franz Joseph kaufte hier ein. Mode trifft Handwerkskunst. www.bittner.co.at

Trachten Schauer
Tradition im alten und modernen Look. Marken- und Maßschneiderei. www.schauer-moden.at

Franz Tausch
Nicht nur zu Weihnachten schmeckt der handgefertigte Lebkuchen. www.ischler-lebkuchen.at

Wochenmarkt
Freitags regionale Spezialitäten. Top-Salzkammergut-Guides:

  • Alexandra Stammler 0650/596 58 87
  • Luzia Gamsjäger 0699/12 45 21 12