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Die Wanderschuhe ausgepackt und los geht's! © GettyImages

Wandern im Süden der Schweiz - Tessiner Highlights

Hier trifft Alpenpanorama auf italienische Amore, Schweizer Käse auf Pizza Margherita und Natur auf Kulturgenuss. Ziehen Sie die Bergschuhe an und begeben Sie sich auf die Gipfel des Glücks!

Berggipfel, so weit das Auge reicht, dazwischen Almen mit grasenden Kühen, Laubwälder und die eine oder andere Palme. Ja richtig gelesen. Das Tessin ist das mediterranste Fleckchen der Schweiz. Das merkt man nicht nur landschaftlich, sondern auch sprachlich. Beim Check-in im Hotel schallt mir statt eines herzlichen Grüezi ein freundliches Buongiorno entgegen. Aber keine Sorge, auch ohne in den Tiefen des Gedächtnisses nach seinem Schulitalienisch kramen zu müssen, kann man sich hier gut verständlich machen. Viele Tessiner sprechen auch Deutsch oder Englisch.

Bellinzona ist die Hauptstadt des Tessins und liegt am Fuße des Gotthardmassivs in einer Talenge beim Zugang zu den Alpenpässen Gotthard, San Bernardino und Lukmanier. Für den Süden ist sie gewissermaßen der Schlüssel zu den Alpen und für den Norden das Tor nach Italien. Besonders bekannt ist die Stadt jedoch für ihre drei Burgen. Die drei Festungen und die Stadtmauer von Bellinzona wurden im Mittelalter von lombardischen Herrschern erbaut, um den Nord-Süd-Verkehr zu kontrollieren und Wegzölle einheben zu können.

Mittelaltergruseln

Die Hauptburg Castelgrande liegt auf einem Felsen aus Gneis und bietet – nicht nur durch ihre prägnante Lage – einen imposanten Anblick. In den Jahren 1250 bis 1500 erbaut, ist sie gemeinsam mit ihren Schwesterburgen, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro, Weltkulturerbe der UNESCO und eine der bedeutendsten bis heute erhaltenen Wehranlagen der Schweiz.

Erklommen werden kann die Burg entweder gemütlich per Lift von der Piazza del Sole aus oder per pedes über die kleinen Gassen der Altstadt, die hinauf auf den Hügel führen. Wer, so wie ich, den Fußweg wählt, wird beim Aufstieg mit zahlreichen schönen Ausblicken auf die Talebene östlich des Flusses Tessin und die umliegende Bergwelt belohnt. Das Innere der Burg wurde in den 90er-Jahren unter Architekt Aurelio Galfetti gründlich entkernt und durch zeitgenössische Struk­turen ersetzt. Heute befindet sich neben einem Museum auch ein Escape Room in einem der Burgtürme. Mittelaltergrusel inklusive.

Auf der Anhöhe gegenüber, einen 20-minütigen Spaziergang entfernt, thront die etwas kleinere Burg Montebello. Der Weg führt an der Ringmauer entlang und endet in den äußeren Burghöfen. Von hier aus startet man einen Rundgang, bei dem via App am Smartphone der Geschichte der mittelalterlichen Festung gelauscht werden kann.

Mountain-Eldorado

Wer aber wortwörtlich nach noch Höherem strebt, der ist auf den Tessiner Wanderrouten gut aufgehoben. Damit man die Schweizer Berge unbeschwert und zielsicher erkunden kann, kümmert sich die Agentur Eurotrek um genaue Tourenpläne, Gepäcktransport und Hotelbuchungen. Meine Tour startet am Bahnhof von Bellinzona und soll mich über zwei Tagesetappen bis an den Luganer See führen. Trotz früher Stunde herrscht Vorfreude auf beeindruckende Aussichten und schöne Bergerlebnisse. Schließlich gilt die Schweiz als wahres Mountain-Eldorado.

Um die Tour in zwei Tagen zu schaffen, geht es zuerst mit dem Zug nach Rivera-Bironico und dann ein Stückchen mit dem Bus nach Isone, Paese. Dort treffe ich meinen Guide Antonio. Er ist pensionierter Lehrer und Geologe und passionierter Wanderführer. Bevor wir losgehen, erklärt er mir kurz die Grundlagen des Schweizer Wanderweg-Netzes: „Die einfachen Wanderwege sind gelb markiert, die Bergwanderwege weiß-rot-weiß und die Alpinwanderwege blau-weiß. Folgt man den Markierungen, kann man sich so gut wie nicht verlaufen“, sagt Antonio lachend.

Und es stimmt tatsächlich, wie ich während der vierstündigen Wanderung feststelle: Auch mit dem Orientierungssinn eines Goldhamsters kommt man hier nicht vom rechten Weg ab. Dieser führt meinen Guide und mich erst durch das malerische Sumpfgebiet bei Gola di Lago und weiter durch ein Meer von Farnen im lichten Birkenwald Richtung Bigorio.

Die Kekse der Mönche

Aussichtsreich geht es über den Monte ­Bigorio zum Franziskanerkloster Santa Maria Convento. Hier legen wir einen kleinen Stopp ein, um die köstlichen, selbst gebackenen Honigkekse der ansässigen Mönche zu probieren. Das Kloster ist die älteste Niederlassung der Kapuziner in der Schweiz und Zuhause von Fra’ Roberto, einem der letzten hier verblie­benen Mönche, der zugleich Seelsorger, Gastgeber, aber auch Künstler ist. Seine Malereien zieren die Kapellen. Heute dient das Kloster verschiedenen Zwecken, wie etwa einem Schweigewochenende. So viel Stille ist weder für mich noch für Antonio etwas und so setzen wir plaudernd unsere Wanderung nach Tesserete fort.

Gegen Osten öffnet sich ein schöner Blick auf die Denti della Vecchia – auf Deutsch die „Zähne der Alten“. Und ich muss ­zugeben, diese Graterhebung zwischen Monte Brè und Cima di Fojorina ähnelt tatsächlich einem nicht mehr so gut erhaltenen Gebiss.

Mediterrane Köstlichkeiten

Zur Stärkung für den nächsten Tag – und leicht zu kauen – gibt es am Abend Polenta. „Die gibt es im Tessin zu fünf von vier Gerichten“, meint Antonio schmunzelnd und lässt sie sich schmecken. Generell ist die Tessiner Küche lombardisch geprägt. Das typische Hüttenessen ist Brasato, ein Schmorbraten. Dazu gibt es Risotto oder, wie könnte es anders sein, Polenta. „Dass der Tessiner trotz all seinem italienischen Flair doch Schweizer ist, merkt man allerdings an den Preisen“, sagt Antonio beim Blick auf die Rechnung und zwinkert mir spitzbübisch zu.

Von Tesserete nach Lugano

Ausgeruht, aber mit dezentem Muskel­kater geht es am nächsten Tag durch Buchen- und Kastanienwälder über Hochebenen und vorbei an Felsformationen Richtung Monte Brè. Die Mittagspause verbringen wir spontan bei Katja und ­ihrer Familie. Sie bewirtschaftet saisonal einen Hof mit 100 Ziegen in der Nähe des Wanderwegs und tischt sogleich Kostproben eines selbst gemachten, wunderbar milden Ziegenkäses auf. Gegen den Durst gibt es Gazosa. „Die Zitronenlimonade galt im 18. Jahrhundert als ‚Champagner der Armen‘ und gehört heute zum kuli­narischen Erbe des Tessins“, erklärt die Wirtin. Mit aufgefülltem Energielevel nehmen wir die letzte Etappe in Angriff und gefühlte 20.000 Schritte und 500 Stufen später stehe ich auf der Aussichtsplattform am Monte Brè. Der Blick über den Luganer See belohnt alle Mühen. Spätestens hier wird das Tessin für jeden Wanderer zum „Seensuchtsort“. Hinunter ins Zentrum von Lugano geht es aber zum Glück mit der Standseilbahn.

Dolcefarniente im ­Sonnenparadies

Parks mit subtropischen Pflanzen, lange Arkaden mit kleinen Shops und natürlich die Uferpromenade laden zum süßen Nichtstun und Verweilen ein. Lugano ist das drittgrößte Finanzzentrum der Schweiz und erinnert mit seinen Villen im lombardischen Stil an das Fürstentum Monaco. Perfekt für eine entspannte Sightseeing-Tour.

Fazit: Allein die fast 2.400 Sonnenstunden pro Jahr sind schon ein gutes Argument für einen Trip in die Südschweiz. Neben viel Vitamin D hat das Tessin beeindruckende Bergpanoramen, ein angenehmes Klima und vielfältige Natur zu bieten. Und beim Blick auf den zwischen den Bergen eingebetteten Luganer See denke ich nur mehr „Arrivederci, bel Ticino“ – wir sehen uns bestimmt ein zweites Mal.

Weitere Infos unter www.ticino.ch und www.myswitzerland.com

GUTE TIPPS

Touren

Eurotrek
Wer gerne eine aktive Reise macht, die Routen- und Aktivitätenplanung aber lieber anderen überlässt,
kann sich an Eurotrek wenden. Hier werden die Reservierung der Unterkünfte, der Gepäcktransport, die Equipmentbuchung und natürlich die detaillierten Wegbeschreibungen übernommen. Der unbeschwerte Urlaubsgenuss steht ganz im Vordergrund. www.eurotrek.ch

Genießen

Antica Osteria del Porto
Diese Osteria in Lugano entstand aus der Leidenschaft und der Vision heraus, Neues zu kreieren und die Berg- und Seenwelt auf dem Teller verschmelzen zu lassen. Verwendet werden hauptsächlich regionale Lebensmittel. Unser Tipp: Probieren sollte man unbedingt die haus­gemachten Spaghetti mit schwarzem Valle Maggia-Pfeffer und heimischem Käse.
www.anticaosteriadelporto.ch

Wohnen

HOTEL & Spa INTERNAZIONALE
Direkt gegenüber dem Bahnhof von Bellinzona gelegen, wohnt man hier nur wenige Schritte vom historischen Stadtkern entfernt. Das Hotel bietet alle Annehmlichkeiten wie Spa, Restaurant und Café. Errichtet wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Heute beherbergt das Internazionale 68 luxuriös eingerichtete Zimmer und drei Suiten. Die Lage macht es zum idealen Ausgangspunkt für die Besichtigung der Burgen von Bellinzona oder die Weiterreise.
www.hotel-internazionale.ch