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Die Qualität der Joiser Trauben kann sich sehen lassen. © Helmut Widmann

Junge Winzer-Power in Jois

Die Brüder Johannes und Michael Pasler gehen seit vier Jahren einen eigenständigen Weg beim Weinmachen und setzen voll auf den Trend zurück zur Natur.

Öffnet man das Tor zum traditionellen Streckhof der Paslers in der Joiser Hauptstraße, dann fällt der Blick in der überdachten Einfahrt sofort auf ein weiß gestrichenes altes Klavier, vor dem sich eine Katze gemütlich rekelt, und dahinter einen Steinkeller aus dem 16. Jahrhundert.

Nicht nur das Outdoor-Klavier ist eine Besonderheit, die man in einem anderen Weingut wohl schwerlich findet. Auch die Art, wie zwei Generationen von Winzern mit unterschiedlichen Vorstellungen erfolgreich miteinander umgehen, ist eine Seltenheit. Die Joiser, deren Betrieb schon in der 6. Generation besteht, arbeiten unter der Devise: 1 Weingut und 2 Marken.

Während Senior Franz Pasler seine klassischen Weine unter der Marke „Franz“ anbietet, gehen seine beiden Söhne Johannes und Michael mit der Marke „Pasler“ einen anderen, jungen Weg. Mittlerweile sind sie seit vier Jahren am intensiven Experimentieren, um authentische, naturbelassene, spannende Weine in die Flaschen zu bekommen.

„Zurück zum Ursprung ist unser Ziel, und zwar gemeinsam mit der Natur“, so Johannes Pasler. Seine Weingärten befinden sich auf Kalk- und Schieferböden des beginnenden Leithagebirges, ein ganz eigenständiges Gebiet im Burgenland.

Die Paslers bewirtschaften zusammen 16 ha Weingärten, ein Viertel davon das Brüderpaar. Das Verhältnis von Rot und Weiß ist ausgeglichen, als Sorten dominieren hier der Blaufränkische bzw. Burgunder.

Auch bei ihrer Arbeitsweise heißt es bei den Brüdern: „Zurück zum Ursprung“. Johannes Pasler erzählt: „Wir machen so viel wie möglich händisch, wir sind nicht von Maschinen überzeugt.“ So geschieht die Weinlese komplett per Hand. Die beginnt wegen des Klimawandels übrigens immer früher: „Vor einigen Jahren haben wir noch mit Jacke und Gummistiefeln gelesen, heute mit Leiberl und Flipflops“, so Johannes Pasler.

Bei der Umstellung auf biologischen und biodynamischen Weinbau wird auf Herbizide verzichtet, dafür werden die Kräfte der Natur unterstützt und gestärkt. „Wir pflanzen in den Weingärten Kräuter, Kamille und Brennessel oder Senf, Klee und Gräser“, so Johannes Pasler. „Unsere Weingärten schauen deshalb wilder aus, aber sie haben mehr Leben.“ Die Böden erfreuen sich an mehr Nährstoffen, die Stickstoffversorgung ist verbessert und Blühpflanzen erhöhen die Biodiversität.

Auch mit einem Imker wird zusammengearbeitet, der Bienenstöcke in die Weingärten stellt. Der Wein braucht das zwar nicht, weil er sich selbst befruchtet, aber für andere Pflanzen ist es ein Segen. Und während anderswo Bäume gefällt werden, weil sie einer Bewirtschaftung im Weg stehen, machen die Paslers genau das Gegenteil und pflanzen neue Kirsch- und Mandelbäume in die Weingärten.

Zum Abschluss des Besuches bei den Paslers zieht Johannes noch einen Liebling hervor, einen speziellen Wein namens „Textura“. Es handelt sich dabei um ein Orange-Wine-Experiment, um einen ungefilterten Traminer. 230 Flaschen gingen sich heuer nur aus, aber in den kommenden Jahren werden es dank der hervorragenden Qualität sicher mehr werden.